Amphi 2011: Karlheinz und die Men in Black

Ein Wort im Voraus: beim Besuch des Amphi 2011 war ich todsterbenskrank. Nicht todsterbenskrank wie ‚verkatert’, nein … eher todsterbenskrank wie ‚hypererkältet’. Sollte mein Bericht also zusammenhangslos erscheinen, verweise ich gerne auf medikamentenbedingte Ausfallzeiten ;).


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Anthrax – Kriegstänze in der Garage

Natürlich kann man sich gesangstechnisch im Falle ANTHRAX ausgiebigst über die „B-Frage“ streiten (Beladonna oder Bush?). Fakt allerdings ist, dass ANTHRAX mit beiden Goldkehlchen in der Vergangenheit ihre Höhepunkte hatten, für mein Empfinden sowohl als auch funktionieren und darüber hinaus schlicht und ergreifend kult sind!  Aus diesem Grunde pilgerte ich am 11.07.2011 nach Saarbrücken, um mir vor Ort ein Bild zu machen, ob die Band an ihre livehaftigen Glanztaten der (Thrash-)Vergangenheit anknüpfen kann. Alles andere als glänzend war auf jeden Fall der Preis für das aktuelle Tour-Shirt des Headliners, welcher nicht nur frecher, sondern auch unverschämter Weise bei fanunfreundlichen 30 € lag. Ein Blick auf die zahlreichen, klamottentechnisch neu ausgestatteten Besucher offenbarte mir allerdings, dass es genügend Zahlungswütige zu geben scheint, die diesen Schwachsinn unterstützen und die Preisspirale durch ihren Kauf weiter hochschrauben. Na klasse auch…

Den Opener gaben FOZZY, ihres Zeichens die Band von Wrestler Chris Jericho,  welcher optisch wie eine Mischung aus Hulk Hogan und Bon Jovi rüberkommt, und Stuck Mojo-Gitarrist Chris Ward. Mit ihrem klassisch orientierten US-Metal, guter Bühnenshow und ausgeprägter Bewegungsfreude wusste man die zunächst noch sehr überschaubare Menge vor der Bühne mit Songs wie „To Kill A Stranger“, „Martyr No More“, „Pray For Blood“ oder dem Rausschmeißer „Enemy“ für 30 Minuten zu unterhalten. Leider schien der Soundmensch Möhrchen in den Öhrchen zu haben, zumal der Gesang mit dermaßen viel Hall versehen war, dass ich mich akustisch stellenweise in meinem heimischen Badezimmer wähnte.

Einen deutlich besseren Sound bekamen im Anschluss SKINDRED ab, die um 20.30 Uhr ihren abwechslungsreichen Crossover, bestehend aus  Metal-, HipHop- und Raggea-Elementen, unters Volk brachten. Sänger und Augenweide Benji Webbe setzte mit schwarzem Zylinder auf dem Rasta-Haupt, weißleuchtender Sonnenbrille, roter Krawatte, Lederjacke, lilafarbener Satinhose und Motorrad-Schienbeinschützern modische Maßstäbe. Darüber hinaus wusste man einen nicht geringen Anteil des Auditoriums akustisch zu begeistern, was bei Konzerten ja in der Regel auch im Mittelpunkt stehen sollte. So sorgten „Stand For Something“, „Rat Race“ und insbesondere „Nobody“ für die ersten Moshpits des noch jungen Abends. Mit „Warning“ beendeten SKINDRED dann nach 30-minütiger Spielzeit den Gig und verließ unter lauten Zugabe-Rufen die Bretter.

Um halb zehn gingen die Lichter für ANTHRAX aus. Unter lautstarkem Sirenengeheul stiegen Joey Beladonna (Gesang), Rob Caggiano (Gitarre) Frank Bello (Bass) und Charlie Benante (Schlagzeug) mit „Caught In A Mosh“ in den Gig ein. Der aus familiären Grünen ausgefallene Scott Ian wurde an der Klampfe von Andreas Kisser (SEPULTURA) ersetzt, welcher einen ausgezeichneten Job ablieferte. Hut ab! Im späteren Verlauf zollte die Band ihrem Aushilfsgitarristen noch durch das Anspielen des SEPULTURA-Klassikers „Refuse/ Resist“ Tribut. Coole Geste die beim Publikum toll ankam. Die weitere Setliste bestand mit einer Ausnahme („Only“ von der „Sound Of White Noise“-Scheibe) ausschließlich aus Treffern der Beladonna-Ära, wie „Got The Time“, „Madhouse“ (Hammer!!!), dem Trust-Cover „Antisocial“, „Indians“ (inklusive Moshpit-Wardance), „Fight ‘Em ‘Til You Can“ (vom neuen, im September erscheinenden Album), „Medusa“, „A.I.R.“ und „Metal Thrashing Mad“. Nachdem ANTHRAX kurzfristig die Bühne verließen, schloss man den metallischen Abend mit „I Am The Law“ als Zugabe ab und entließ die sichtlich zufriedenen Fans nach Hause.

Unterm Strich ein gelungenes, kurzweiliges Konzert. Sowohl Songauswahl als auch Performance waren klasse. Auch die Lightshow ging in Ordnung. Wünschenswert wäre eine etwas längere Spielzeit mit mindestens zwei bis drei zusätzlichen Songs gewesen. Und dann waren da ja auch noch die Shirt-Preise… 

Brausi
  • Autor: Brausi
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