Das Pizzeria-Gesetz

Oder: Wir sind doch alle über 30 und zivilisierte Menschen.

Das Amphi-Festival 2009

Prolog

Amphi-Festival?

Vor 2008 hatte ich zu meiner Schande noch nie davon gehört, nur um nach dem Sommerurlaub zu erfahren, dass Jedermann und sein Bruder in Köln gewesen waren und alles ganz, ganz, ganz toll gefunden haben. Damals hatte ich noch jedem der Begeisterten geantwortet ‚“Wie schön für Dich – ich warte lieber auf’s M’era Luna“, fest davon überzeugt, nichts verpasst zu haben. Als nun Anhur anfragte, ob ich in diesem Jahr den Amphi-Bericht verfassen könnte, war ich zunächst mäßig begeistert. Dann sah ich die Band-Liste... und darauf den Namen eines Aktes, dem ich seit den 80erjahren bedingungslos verfallen bin, den ich aber noch niemals live erlebt habe. Woran ich natürlich selbst schuld bin, denn ich gehöre zu der klassischen ‚ich hör mir lieber die CD an’ Fraktion. Bei ‚Konzert’ muss ich zwanghaft an finstere Hallen, Schnappatmung, Hörschäden durch üble Tontechnik und eine Horde zwei Meter fünfzig großer Vandalen denken, die mich mit den Ellenbogen zerstoßen, um dann mit genagelten Sohlen auf meinen Überresten zu tanzen.

Aber ein Festival, nun... das ist ja nicht wirklich ein Konzert. Zumindest machte ich mir damit Mut, und auch damit, dass ich schon ein paar Veranstaltungen dieser Größenordnung lebend überstanden hatte.

Und sagte zu.

Obwohl ich das Gefühl nicht los wurde, dass das Pizzeria-Gesetz in all seiner Umbarmherzigkeit zuschlagen würde: irgendwie bin es ausgerechnet immer ich, deren Bestellung in der Pizzeria vergessen wird. Sprich: ich befürchtete, die Helden meiner späteren Jugend (die Helden meiner früheren Jugend waren KISS) dem schönen Schein zum Trotz doch nicht zu Gesicht zu bekommen... aber davon später. Stürzen wir – das sind die FdNler und die Schattenmond-Gang - uns jetzt lieber ins Getümmel.

Fields of the Nephilim
24 Bilder
Covenant
36 Bilder
Agonoize
6 Bilder
Hocico
23 Bilder
Coppelius
24 Bilder
Henke
31 Bilder
Mantus
5 Bilder
Diorama
14 Bilder
Jaeger90
4 Bilder
Feindflug
4 Bilder
Laibach
9 Bilder
The Other
37 Bilder
Impressionen
108 Bilder
 
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Samstag

Schon die Einweiser auf dem offiziellen Parkplatz beeindrucken mich: die strahlend gelben Ordner verhindern mit messeerprobten Gesten, dass sich Besucher verfahren oder gegenseitig einparken. Auch die Lämmchen, die dort jemand an der Leine spazieren führt, wissen zu gefallen, und positiv eingestimmt begeben wir uns zum Gelände. Der Marsch durch den Tunnel verläuft problemfrei, obwohl ich wider besseres Wissen Stiefel trage, die noch nicht eingelaufen sind. In Gedenken an ein grauenhaftes Erlebnis mit Lurexstrümpfen anno 2008 habe ich ein großes Päckchen Pflaster eingesteckt, was mir die nötige Sicherheit verleiht, mich der Herausforderung von Köln in nagelneuen roten Lack-Docs zu stellen.

Vor den Toren des Festivalgeländes bekommen wir ohne langes Anstehen unsere grünen Bändchen; auch hier überrascht die Security mit professioneller Entspanntheit. Da wir im Hotel herumgetrödelt haben, kommen wir rechtzeitig zum Ende der Darbietung von Coppelius. Das finde ich schade, aber ich habe die Herren in diesem Jahr bereits auf dem Hexentanz gesehen, also schlucke ich meine Tränen tapfer hinunter. Das Publikum ist bereits guter Dinge, und während ich ‚I get used to it’ mitsinge, schaue ich mich ein bisschen auf dem Gelände um. Riesenpilze vor der Hauptbühne schützen vor Regen oder auch einem Zuviel an Sonne. So viele Eindrücke wollen verarbeitet sein, und so machen wir uns auf die Suche nach Lebensmitteln. Nicht, dass wir lange suchen müssten. Dass sich Deutschland in einer wirtschaftlichen Notlage befinden soll, mag man ob der Lebensmittelpreise – und der vielen Einkaufstüten - kaum vermuten; ich beschließe, mein Geld ausschließlich in Kölsch zu investieren, denn dort ist das Preis-Leistungsverhältnis meinem Dafürhalten nach noch in Ordnung. Mit Kölsch sitzt man gut; zum Glück dringen die sanft-rockigen Klänge von Mantus trotz der Riesenpilze fast ungefiltert bis zu meinem Sitzplatz vor – ein weiterer Vorteil der Örtlichkeit: das Programm der Hauptbühne ist fast überall klar und deutlich zu vernehmen.

Als uns das Sitzen zu anstrengend wird, brechen wir in die Rheinparkhallen auf; Jedermanns Bruder, der ja schon im letzten Jahr hier war, erläutert, wie klug es von der Festival-Orga gewesen sei, den Hallenbetrieb aus dem viel zu kleinen Theater in die große Halle zu verlagern. Die ist bei Jäger 90 noch nicht sehr gefüllt, bietet zu deren minimalistischem Sound aber ein angenehm industrielles Ambiente. Nach unserem Hallen-Orientierungslauf schließen wir uns der Masse vor der Hauptbühne an, die sich dort bei grauem Himmel unter den Pilzen versammelt hat, um The Birthday Massacre zu sehen. Die quecksilbrigen Kanadier, die mein junger Sohn wegen des Puppen-Videos zu ‚Blue’ nicht leiden mag, begeistern ihre Zuschauer durch ein sauberes Set mit sauberer Akustik – bisher nichts von Hörschäden durch schlechten Sound zu bemerken.

Aber noch ist es ja früh am Nachmittag, und die wahren Herausforderungen werden noch kommen. Erst verschramme ich mir die neuen Stiefel an einer Treppenstufe, dann entdecke ich die Gesetzmäßigkeit hinter der Benutzung der Festival-Toiletten: man sollte immer dann gehen, wenn gerade ein Publikumsmagnet spielt.

Die nächsten auf unserem Plan sind die reformierten Elektro-Urgesteine Absolute Body Control, zum Grundthema passend wieder in der Halle. Zumindest deren Körperkontrolle scheint zu funktionieren: die Klamotten sind und bleiben hell. Für die Performance kann ich mich jedoch nicht erwärmen. Zwar hatte ich ABC vage positiv in Erinnerung, aber an diesem Samstag kommt das Positive zumindest für mich nicht so ganz zum Vorschein.

Als ein anderer Veteran - Laeather Strip aus Dänemark - auf der Hauptbühne aufspielt, ist es genau umgekehrt: ich meine, der Musik von LS nicht sonderlich zugeneigt gewesen zu sein. Aber entweder trügt mich meine Erinnerung – soll in diesem Alter ja vorkommen - oder mein Musikgeschmack hat sich im Laufe der Jahre geändert. Was ich höre, gefällt mir ausnehmend gut und ich mache mir den ersten Reinhör-Vermerk des Tages: 'in aller Ruhe zuhause mal reinhören!'

Agonoize sind – so Ines aus Berlin – total lustig und immer gut drauf. Das ist ganz bestimmt der Fall, geschätzte ¾ meines Bekanntenkreises sind Agonoize-Fans, und ich finde gut, dass die Jungs sich und ihre Musik nicht 100%ig ernst zu nehmen scheinen. Trotzdem muss ich gestehen, dass ich bereits vor ihnen aus dem brechend vollen M’era Luna-Hangar geflohen bin, weil a) viel zu laut, b) viel zu wenig Luft und c) viel zu viele spitze Ellenbogen im Publikum. Überraschung: die Akustik ist gut, auch der Befüllungsgrad der Rheinparkhalle ist angenehm; sollten sich spitze Ellenbogen irgendwo im Publikum befinden, so haben sie sich in den Tiefen der Örtlichkeit verlaufen. Da ich vorhabe, den Rest des Abends in der Halle zu verbringen, lasse ich mich gleich an einem Pfeiler nieder, wo ich mich mit drei anderen mir völlig unbekannten Personen gemütlich an den Putz kuschele. Auch Anhur macht ein spontanes Nickerchen, das allerdings abrupt endet, als Feindflug aufspielen.

Deren Auftritt soll – genau wie der von Laibach im Anschluss – laut Aushang nicht jugendfrei sein; einer der Ordner gibt auf Nachfrage Auskunft, dass es die Videoinstallationen der Bands betrifft. Dass beim Einlass kontrolliert wird, ist klar; ich frage mich gerade noch, wie das wohl bei denen überprüft werden soll, die bereits in der Halle sind, als schon die erste Ordnerin durch die Reihen streift. Wieder bin ich beeindruckt.

Ich versuche von meinem gemütlichen Platz im hinteren Drittel zu sehen, was an den Videos von Feindflug nicht jugendfrei ist, aber obwohl ich diesmal so schlau war, meine Brille zum Festival mitzunehmen, bleibt es mir verborgen. Aber die hiesige Akustik ist um so viele Male besser als die der Agra-Halle, in der ich Feindflug zuletzt gesehen habe, dass ich es – frei nach Lovecraft – gar nicht beschreiben kann. Der Mix aus Elektronik, Schlagwerk und Gitarren kracht hier auf eine Art und Weise, die mich unwillkürlich an Alien Factory erinnert. Es muss wohl Gedankenübertragung sein, denn Anhur gibt mir zu verstehen, dass er gerade an Tekk-Banger’s Ball denken muss, einen vielgehörten Sampler von ’92. Und wer war auch dort drauf zu finden? Richtig, Alien Factory.

Die Freude der übereinstimmenden Meinung treibt Anhur aufs Klo. Und kaum bin ich mit Feindflug und vielen, vielen Fans alleine, kracht auch die Decke, und zwar auf die Bühne. Der Hallenputz regnet rings um den FF-Tastenmann zu Boden. Da die fallende Deckenverkleidung von einer Traverse gebremst wird und sich das Bröckeln nahtlos in das Nebelgewaber fügt, fällt mir erst auf, dass irgendetwas nicht stimmt, als die Jungs an den Reglern ihre Plätze verlassen und zur Bühne eilen. Dann endet das Konzert unplanmäßig. In der nun folgenden Pause, in der verwirrte Fans leise miteinander tuscheln, komme ich mit zwei netten Mädels ins Gespräch, die die jüngsten Ereignisse nicht minder verwirrt hat. Wir gehen das Programm vom Folgetag durch und tauschen Empfehlungen aus. Dann kehrt Anhur zurück, und prompt folgt auch schon die Orga mit der Mitteilung, dass die Halle nicht mehr sicher sei und dass man zwar versuchen werde, den Auftritt von Laibach an anderer Stelle zu ermöglichen, es aber zu diesem Zeitpunkt nicht versprechen könne – man möge bitte die Durchsagen auf der Hauptbühne beachten.

Mir wird schwindelig, als sich der Gedanke an all die vergessenen Pizzen mit aller Macht in mein Bewusstsein drängt. Schließlich bin ich vor allem wegen Laibach hier. Anhur, der mir die nahende Ohnmacht ansieht, treibt mich aus der Halle. Irgendwie enden wir am Strand, wo die Akustik ebenfalls gut ist – jedenfalls gut genug, um zu erkennen, dass Fields of the Nephilim auf der Hauptbühne aufspielen. Ich habe erst vorhin noch Leute getroffen, die nur wegen Fields hergekommen sind, aber in meinem Kopf dreht und windet sich jetzt bloß noch die Gedanken-Pizza. Alles, was ich von der Hauptbühne hören will, ist die Ansage, wie es nun weitergehen soll. Der arme Anhur hat gerade Hunger, als die Durchsage endlich kommt. Man baut im Theater auf, wo Laibach um ca. 23:00 spielen sollen. Ist das Theater nicht so klein...?

Ich rase zum Theater und stelle mich dort an, wo sich schon zahlreiche Menschen drängen. Von diesem Platz soll ich mich in den nächsten Stunden nicht mehr weg bewegen. Anhur wartet mit mir, obwohl er diesen quälenden Hunger verspürt und überhaupt kein Laibach-Fan ist. Erst geht die Sonne unter, dann die Sterne auf. Meine Füße tun weh. Die Nachbarn unterhalten sich. Aus der Halle hört man Musik. Irgend jemand fängt an, ‚Auf der Lüneburger Heide’ a.k.a. 'Maggie Mae' zu singen, scheitert dann aber am Text; ich singe mit, und gemeinsam hangeln wir uns textlich weiter. So singen und warten wir, Fremde teilen ihr Bier geschwisterlich mit Fremden, man wird unfreiwillig Zeuge des ein oder anderen Beziehungskrachs, und hin und wieder bittet ein Orga, nicht zu schubsen, sobald sich die Türen öffnen. Es ist warm in der Menge. Eine Frau tickt aus und verursacht bei mir mit ihren schrillen ‚Köln ist scheiße’-Schreien den einzigen Hörschaden des gesamten Festivals. Dann - kurz vor Mitternacht - öffnen sich die Türen zum Theater. Das Schubsen und Drängeln währt gut eine Minute, dann ist wieder Friede eingekehrt. Wie eine Mitwartende so treffend meint: „Wir sind doch alle über Dreißig und zivilisierte Menschen“. Ich schaue mich um und gebe ihr insgeheim Recht...

...dann sind wir auch schon im Theater drin, die Menge entzerrt sich, aus den Lautsprechern dröhnen fröhliche Märsche in einer Sprache – jugoslawisch? -, bei denen sich ein Knabe im Publikum als völlig textsicher erweist.

Dann beginen Laibach zu spielen, denn die Technik hat in der für einen Totalumbau doch recht kurzen Zeit alles hinbekommen – Hut ab!

Mutig, denke ich, als der Auftritt mit Stücken aus dem Volk-Album beginnt; das Live-Arrangement ist jedoch anders: zwar beschaulich, aber weniger experimentell. Die Reaktion des Publikums reicht von begeistert über verwundert bis hin zu völlig versunken. Ich – da recht kurz geraten - werde ganz eigeninitiativ von diversen Herren aus dem Publikum bis ganz nach vorne durchgewinkt, wo ich schließlich direkt in der ersten Reihe zu stehen komme. Für den Rest des Abends betrachte ich aus nächster Nähe Milans Stiefel. Nach einer Pause in völliger Finsternis, in der wir kurz die Befürchtung hegen, dass Laibach einfach gegangen sind, geht es weiter mit Tanzbarem‚ zuvorderst natürlich den DAF-Versatzstücken ‚Tanz mit Laibach’ und ‚Alle gegen Alle’. Die Stimmung steigt, ich bin total selig und genieße meine Pizza, die ich zwar mit enormer Verspätung, aber doch zumindest überhaupt bekommen habe. Und das Warten darauf hat sich zumindest für mich gelohnt. Dann ist es auch schon

Sonntag

Logisch, dass ich nicht so gut aus dem Bett komme. Zunächst scheint die Sonne, als ich jedoch am Frühstückstisch erscheine, schüttet es wie aus Eimern, und ich bin dankbar, dass ich an meine Regenhaut gedacht habe. Der Regen ist aber schon verbraucht, als wir auf dem Gelände ankommen. Auf der Hauptbühne spielen Panzer AG, ein Nebenprojekt von Combichrist-Kopf Andy LaPlegua; die habe ich bisher zwar erfolgreich ignoriert, aber ihr rockiger Aggrotech trotzt mir den zweiten ‚Anhören!’ Vermerk des Amphi-Festivals ab. Ihre Musik könnte genau mein Ding sein und muss abseits von Menschenmengen in aller Ruhe konsumiert werden.

Gemeinsam mit den anderen treibt es mich dann ins Theater, wo wir die kölschen Jungs von The Other erwarten. Die hatten mich beim letztjährigen M’era Luna so sehr beeindruckt, dass ich mir ein Band-Shirt kaufen musste. Jemand singt das Mikro ein – ausgerechnet mit ‚Beth’, meiner Lieblings-Ballade von KISS. Auch dieser Tag könnte schön werden... :-)

The Other liefern gewohnt guten Horrorpunk, und wieder finde ich erstaunlich, wie unterschiedlich sie live und aus der Konserve klingen. Ist von CD die Misfits-Parallele nicht zu überhören, klingt Rod Ushers kraftvolles Organ live und in Farbe doch sehr nach Bruce Dickinson, ob es ihm nun gefällt oder nicht. Im Anschluss genießen wir am Biertisch die Klänge von Diorama, die auf der Hauptbühne spielen. Ich bin recht erstaunt darüber, dass sie sich diesmal für die leiseren Töne a la ‚Pale’ entschieden haben, da es beim letzten Mal, wo ich mit Balladen gerechnet hatte, doch ordentlich was auf die Ohren gegeben hatte.

Saltatio Mortis waren auch mal wieder zu hören und sehen, uns sie scheinen von Festival zu Festival auf der Setliste höher zu klettern. Wenn sie dann auch ein neues Programm hätten, wäre das sicher noch toller. Ich verliere mich also so lange in einem der Einkaufsläden, bis ich feststelle, dass Hocico schon spielen, die noch immer meine 'most verpasst oder sonstwie verpeilt'-Liste anführen. Zum Glück ist die Sicht auf die Bühne aus dem Xtrax-Laden mitten auf dem Namen gebenden Tanzbrunnen heraus toll, und auch die Akustik stimmt. Die wilden Jungs aus Mexiko zu verpassen – das geht gar nicht! Zum einen mag ich den Sound, zum anderen sind die indianischen Tänzer viel zu aufregend. So gucke ich noch ein bisschen von hier oben zu, bevor ich mal wieder das Klo anteste und mich dann – mit Einkaufstüten bepackt – wieder zum Rest unserer Reisetruppe an den Biertisch begebe.

Durch Verschiebungen im Raum-Zeit-Kontinuum sind Qntal noch am Singen, als wir zu viert im Theater ankommen. Dafür fällt die Umbaupause recht kurz aus, dann ist Henke an der Reihe, und den – bzw. die – wollte ich eigentlich mitnehmen, hat mir der Konzertschnipsel, den ich beim WGT gesehen habe, doch Appetit auf mehr gemacht – außerdem mochte ich Goethes Erben schon immer recht gerne. Zu meiner Freude beginnen sie gleich mit 'Kopfstimme', so dass ich auch hier mal wieder mitsingen kann. Oswald Henke beweist mit seinem launigen Sprüchen, dass er viel Humor hat; wir haben dafür viel Spaß. Eigentlich hatte ich ursprünglich auch noch KMFDM sehen wollen, aber dank des kleinen Theaters und der fröhlich hineinströmenden Menschenmenge wird die Luft dann doch arg knapp, so dass ich mit Anhur lieber die Flucht nach draußen antrete, wo ich gerade noch den Rest des Unheilig-Auftritts mitbekomme. Nun, ich habe den Grafen schon ein paar Mal gesehen, und es war immer wieder schön, insofern ist der Verlust diesmal nicht ganz so tragisch. Zu guter Letzt spielen Front 242; während EBM-Klassiker im neuen Gewand über uns hereinbrechen, diskutieren wir im Kreis über dies und das: über Promis, die an unserer Kamera tragenden Horde vorbei laufen, ohne belästigt zu werden, über Promis, die sich gegenseitig Autogramme geben, über dies und das und jenes und sogar über Front und unser jeweiliges Verständnis von EBM. Bevor es dann allerdings zu hochgeistig wird, versinken wir im satten Gelb des Kölsch. Ich will gar nicht wiedergeben, was ich im späteren Verlauf des Abends mit meiner Einkaufstüte gemacht habe. Jedenfalls ist das Festival irgendwann zu Ende, und ich bereue keine Sekunde, die ich im Areal am Tanzbrunnen verbracht habe.


Epilog

Das Amphi-Festival 2009 war in mehrfacher Hinsicht der absolute Kracher und wird nur schwerlich zu übertreffen sein. An dieser Stelle noch einmal Kudos an die Organisatoren und Helfer, die sich den Allerwertesten aufgerissen haben, um trotz unvorhersehbarer Ereignisse doch noch das ganze Spektrum der Darbietungen zu ermöglichen.

Die einzige Frage, die sich mir im Nachhinein noch stellt, ist, was an den Laibach-Videos nun nicht jugendfrei gewesen sein mag. Da klärt mich Anhur auch schon darüber auf, dass mal Nackige zu sehen gewesen seien.

Nackige?

Ganz ehrlich, mir sind die nicht mal aufgefallen.

Text: Crowfield

 

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