Amphi Festival am Tanzbrunnen in Köln vom 23. bis 25.7.2017

Bilder und Bericht der Highlights des wieder einmal sehr gelungenen Events rund um den Tanzbrunnen. Es wurden wie jedes Jahr alle Genres bedient: Electronic, Synth Pop, Rock, Dark Wave,  New Wave, Ambient, Neue Deutsche Todeskunst, Aggrotech, Brachial Romantik, Metal ...

Unsere Auswahl: Lord of the Lost; Frozen Plasma; Diary of Dreams; Diorama; Clan of Xymox; Das Ich; Hocico; Combichrist; Apoptygma Berzerk; The Other; Merciful Nuns; Ordo Rosarius Equilibrio und Letzte Instanz
Gerne hätten wir noch die eine oder andere Band gehört, doch lassen es das Line-Up und der Spagat zwischen Theater, Main und Orbit Stage nicht zu.
Für Kurzweil sorgt die Verkaufsmeile, auf welcher wie immer von Shirts und Boots bis hin zur CatBat alles zu ergattern ist.
Bis auf zwei kleinere, aber heftige Regenergüsse spielt das Wetter mit, und wir können das Festival genießen und auch am Strand chillen.

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24.7.2017 - Tag 1

Nach morgendlicher Anreise bei strahlendem Sonnenschein am 24.07.2017 und nach dem gelungenen Auftakt bei Baghiras Freundin Melanie in Brühl fahren wir zum Tanzbrunnen. Zu unserer Freude gibt es in direkter Nähe kostenlose Parkplätze auf einem Firmengelände. Auf geht`s zum Festivalgelände, welches bereits gut gefüllt ist. Beim kurzen Rundgang treffen wir auch schon einen Bekannten mit Familie. Alle freuen sich und genießen den Tag.
 
Auf der Main Stage spielt Lord of the Lost. Der Sound der seit 2007 aktiven Band um Chris Harms klingt gut. Die düster schönen Outfits und das Make-Up der Hamburger Band sowie die brachial und hart gespielten und vorgetragenen Songs sorgen für gute Stimmung bei den zahlreichen Zuschauern.
Wertung: 7 Pommesgabeln (auf einer Skala von 1 - nicht ganz so gut - bis 10 - schon etwas besser)

Nun wechseln wir zur Theater Stage, wo Frozen Plasma spielt. Das 2005 gegründete  Elektropop-Duo hat seit seiner Gründung zahlreiche Platzierungen in den Alternativcharts und bringt die Menge ordentlich zum Schwitzen, was definitiv nicht nur dem Wetter und der gut gefüllten Halle geschuldet ist.
Wertung: 6 Pommesgabeln

Unser Wunsch, uns auf der Orbit Stage Henric de la Cour anzusehen und zu hören, lässt sich leider nicht realisieren. Aufgrund des niedrigen Standes des Rheins muss das Schiff, auf dem sich die Orbitstage befindet, auf der anderen Rheinseite anlegen. Zu Fuß ist damit die Entfernung (gemessen an den Zeiten zwischen den Konzerten) zu weit, und den Shuttle Bus finden wir erst später.

Nach einer Pause und einem Abstecher zu den Verkaufsständen schlendern wir zurück zur Main Stage. Hier spielen Diary of Dreams, die schon seit 1989 auf der Bühne stehen. Musikalisch ursprünglich im Dark Wave angesiedelt veränderte die Band ihren Stil bereits Mitte der Neunziger durch Zugabe von Elementen aus Elektro, Synthesis Pop und Rock.
Die Band um Adrian Hates ist ein gern gesehenes Urgestein und bringt heute als Überraschungsgast Torben Wendt von Diorama mit auf die Bühne. Das ehemalige Bandmitglied ergänzt die Gruppe ausgesprochen gut. Einige Lieder lang bieten die beiden Sänger ein tolles visuelles und klingendes Erlebnis für die Fans.
Wertung: 8 Pommesgabeln

Wir folgen dem Sänger von Diorama zur Orbit Stage, finden im 2. Anlauf das schlecht ausgeschilderte Shuttle und machen eine kurze Stadtrundfahrt zur anderen Seite des Rheins. Im Schiff ist vom bestuhlten Mitteldeck aus die Bühne gut zu sehen und die Musik gut zu hören. Diorama ist ein Projekt mit überwiegend englischen Texten. Von Klavierstücken bis hin zu Elektronik Pop. Torben Wendt und Felix Marc bringen mit der Band auch hier die Zuhörer zum Tanzen und somit das Schiff zum Wanken.
Wertung: 7 Pommesgabeln.

Unser kulinarisches Glück ist es, dass das Schiff direkt vor der Kölner Altstadt liegt und wir so einen Abstecher zu Pizzeria Pinocchio machen können, wo es eine der besten Pizzen gibt.

Frisch gestärkt geht es zurück zur Orbit Stage auf dem Schiff, wo inzwischen der Clan of Xymox aus den Niederlanden (Nimwegen) spielt. Die 1984 aus der Hausbesetzerszene hervorgegangene Dark Wave Band bedient auch New Wave, House, Dance, Rock und Elektronik. Dies ist für mich der Höhepunkt des Abends. Ronny Moorings, der stimmlich als auch musikalisch an The Cure erinnert, wird am Ende mit Standing Ovations verabschiedet .
Wertung: 9 Pommesgabeln

Nach der Rückfahrt mit dem Shuttle zum Tanzbrunnen machen wir noch eine Rundgang über die Verkaufsmeile, wo sich nur noch wenige Besucher befinden und das Stöbern nun ungestört möglich ist. Anschließend fahren wir in die Altstadt, wo wir Melanie und Bekannte treffen. Von hier aus konnte man die Musik vom Schiff gut hören. Nach einem Absacker, bei dem wir über den Tag und die Bands fachsimpeln, fahren wir zurück nach Brühl.

25.07.2017- Tag 2

Nach gemütlichem Brunch in der Brühler Altstadt starten wir zum Parkplatz und von da zum Festivalgelände.

Auf der Main Stage spielt Das Ich.  Die Gründung der Band, die Anfang der 1990er Jahre zu einem wichtigen Vertreter der Neuen Deutschen Todeskunst wurde, erfolgte 1989 in Bayreuth. 2011 nahm das Projekt fast ein jähes Ende. Da Stefan Ackermann dem Teufel  glücklicherweise noch einmal von der Schippe gesprungen ist dürfen wir zum wiederholten Male der Band bei ihrer Show zujubeln. Mit Liedern im Stile von Electronic über Ambient bis hin zur Neuen Deutschen Todeskunst bieten sie uns wieder einmal ein fantastisches Konzert.
Wertung: 10 Pommesgabeln

Von hier machen wir einen kurzen Abstecher zur Theater Stage, wo The Other, die bekannteste Horrorpunk Band Europas, ihre einmalige Horrorshow mit Herzblut abliefern.
Die extreme Mischung aus düsterem Punk-Rock mit Metal-Einschlag und Gothic-Atmosphäre findet auch heute wieder offene Ohren. Die Stimmung ist hervorragend.
Wertung: 8 Pommesgabeln

Es geht noch elektronischer, denn es folgt auf der Main Stage bei strahlendem Sonnenschein Hocico. Musikalisch geht es weg von den feinen politischen und religiösen  „Spitzen“, die Das Ich setzte, hin zu Aggrotech. Die Cousins Racso Agroyam (Programmierung) und Erk Aicrag (Gesang, Show) geben von Anfang an richtig Gas und heizen den Festivalbesuchern so richtig ein. Erk macht uns den Michael Jackson und greift sich permanent in den Schritt. Optisch und musikalisch wieder einmal sehr gut gelungen.
Wertung: 7 Pommesgabeln

Dank der kurzen Wege wieder zurück zur Theater Stage, wo noch die Merciful Nuns spielen. Die Band ging aus der im Jahre 2008 aufgelösten Band Garden of Delight hervor und besteht aus deren letzter Besetzung mit Artaud Seth, seiner Frau Jawa Seth und Jón. Die deutsche Gothic-Rock-Band spielte schon viele Konzerte in ganz Europa und lässt auch hier das Publikum tanzen.
Wertung: 6 Pommesgabeln

Combichrist ist inzwischen auf der Main Stage eingetroffen. Das norwegische Musikprojekt, das im Sommer 2003 von Ole Anders Olsen gegründet wurde, hat die Stilrichtung Techno Body Music stark mit geprägt. Auf der Bühne wechseln sich dementsprechend knallharte No-Nonsense Dance-Nummern mit wütenden Brachialhymnen ab. Sehr gute Festivalstimmung.
Wertung: 8 Pommesgabeln

Zurück zur Theater Stage und zu Ordo Rosarius Equilibrio.  Die einzigartige Musik wird oft als Apocalyptic Pop bezeichnet und entwickelte sich über die Jahre ständig zu der Essenz dessen, was Ordo Rosarius Equilibrio heute wirklich ist. Obwohl die Sänger etwas genervt vom Flug mit Air Berlin sind, werden die Songs an der Grenze zwischen dem intellektuell Verführerischen und moralisch Verwerflichen trotzdem professionell dargeboten. Begleitet vom Klang akustischer Gitarren, elektronischer Beats, verstörender Klangflächen, Streichern und Pianos haben wir Teil an den „Orgien aus Rosen und Equilibrium“.
Wertung: 8 Pommesgabeln

Eigentlich will die Vernunft uns zum Parkplatz führen, da wir beide Morgen früh arbeiten müssen, aber auf der Main Stage lockt Apoptygma Berzerk. Das norwegisches Musikprojekt, das 1989 in Sarpsborg von Stephan L. Groth und Jon Erik Martinsen gegründet wurde, zeigt viele Aspekte der elektronischen Musik und wird oft als Future Pop bezeichnet. Integriert werden auch Rock Elemente wie Schlagzeug und Gitarren. Die Arbeit ist unter anderem durch zahlreiche Remixe und Coverversionen gekennzeichnet. Und so erschallt zum Ende des Konzerts „Major Tom“, welches stimmgewaltig von den Festivalbesuchern alleine und mit der Band zusammen intoniert wird: ein würdiger Abschluss.
Wertung: 9 Pommesgabeln

Beim letzten Gang dorthin, wo der Kaiser zu Fuß hingeht, erhaschen wir noch ein paar Eindrücke von der Letzten Instanz. In über achtzehn Jahren bewegter Bandgeschichte haben sie sich zu einem Juwel der deutschen Musikszene geschliffen und sind heute wie guter Wein, reif und inspirierend. Musikalisch ist das Sextett seit Liebe im Krieg pop-rockig wie selten. In musikalisch hochwertiger Weise bewegt man sich gekonnt zwischen Pathos und Filigranität. Die Band ist wie immer einfach großartig, aber leider wieder einmal schlecht abgemischt, daher nur
Wertung: 7 Pommesgabeln

Auf Wiedersehen Letzte Instanz - auf Wiedersehen Amphi
Leider müssen wir nach Hause - die Arbeit ruft.

Fotos von Baghira
Bericht und Pommesgabeln von Uwe

Baghira
  • Autor: Baghira