Saarmageddon-Festival 2016

Erstmals fand in diesem Sommer, genauer gesagt am 29. Juli, das Saarmageddon-Festival in Saarbrücken statt. Ein Blick auf das geplante Line-up machte es unumgänglich, sich besagten Termin rot mit drei Kreuzen, wahlweise natürlich auch umgedrehten, im Kalender anzustreichen. Ich meine, alleine die Tatsache, dass RAGE, ARMORED SAINT und POWERWOLF sich eine Bühne teilen sollten, ließ das ganze zur Pflichtveranstaltung avancieren.

Zunächst einmal stellte sich bei mir im Vorfeld ein umfangreicheres Maß an Verwunderung ein, weil der Startschuss am Freitag bereits um 12.30 Uhr fallen sollte, zumal ein Großteil der potentiellen Festivalbesucher zu dieser Zeit in der Regel wohl noch beruflichen Verpflichtungen nachzugehen hat. Alternativ mussten sich die Betroffenen extra Urlaub nehmen oder die ersten Bands mit Nichtanwesenheit strafen. Dementsprechend langsam füllte sich das Messegelände in Saarbrücken anfangs recht langsam, aber stetig.

Quasi pünktlich zum Konzertbeginn um halb eins kam es zur ersten Verzögerung. Leider schafften es die US-Amerikaner VALIANT THORR aufgrund von Problemen am Flughafen Frankfurt nicht rechtzeitig zum Festival, sodass der Auftritt ausfallen musste. Scheinbar verspätete sich der Flieger einzelner Bandmitglieder erheblich. Schade drum! Allerdings sollte man die Truppe letztendlich doch noch kurz zu Gesicht bekommen... Später mehr dazu.

Bullit
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Rage
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Armored Saint
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Destruction
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Schließlich kam den Traditionsmetallern von BULLET außerplanmäßig die Ehre zu, das Konzert zu eröffnen. Gut aufgelegt, wenn auch bei miserablen Sound, stürmte das Schwedenkommando die Bretter und legten amtlich mit "Storm Of The Blades" los. Frontmann Hell Hofer, der in seinem schwarzen Kostüm-Umhang wie eine Mischung aus ex-Candlemass-Sänger Messiah Marcolin und Batman auf Sparflamme wirkte, wetzte zwischen den ersten Songs buchstäblich die Messer am Schleifstein, dass die Funken nur so flogen. Heavy Metal in Reinkultur. Zweifelsfrei ein wirklich scharfer Auftritt! Ungefähr zur Halbzeit des 30-minütigen Spektakels drehte der Mann am Mischpult dann das richtige Knöpfchen und fand glücklicherweise die richtige Einstellung, um klangtechnisch verlorenen Boden gut zu machen.

Setliste Bullet

  • Storm Of Blades
  • Riding High
  • Turn It Up Loud
  • Dusk Til Dawn
  • Stay Wild
  • Bite the Bullet

Bereits zu früher Stunde folgte das aus meiner Sicht erste Tageshighlight. Gespannt war ich insbesondere darauf, wie sich Peavy mit der neuen, seit Mitte 2015 bestehenden RAGE-Besetzung live aus der Affäre ziehen würde. Mit Bravour, möchte ich sagen. Insbesondere Neugitarrist Marcos Rodriguez entpuppte sich als echter Wirbelwind, der unentwegt seine amtliche Matte schwang, den Augenkontakt zum Publikum suchte und selbiges permanent anheizte. Echt klasse! Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos verprügelte enthusiastisch, aber präzise wie ein Uhrwerk sein Schlagzeug. Darüber hinaus stellte er im Soundcheck unter Beweis, über was für eine eindrucksvolle Stimme er verfügt. Hut ab, der Mann kann wirklich singen! Endlich haben sich RAGE nach für meinen Geschmack zu lang andauernder Progressiv-Klassik-Phase der Smolski-Ära wieder auf ihre Stärken aus Black-In-Mind-Zeiten besonnen. Das höchste der Gefühle wäre es, wenn jetzt noch ein zweiter Gitarrist hinzukäme, um für zusätzlichen Wumms zu sorgen. Aber was nicht ist, kann ja vielleicht noch werden. Es grenzte an Blasphemie, dass RAGE in Anbetracht ihrer Szenenrelevanz, des bärenstarken Auftritts und der damit verbundene, lautstarken Zugabenrufe nach nur 30 Minuten Spielzeit und sieben Songs die Bühne verlassen mussten. Leider ließ sich der Veranstalter auch von Peavy höchstpersönlich nicht erweichen, sodass RAGE ein wenig enttäuscht, aber sichtlich glücklich ob der positiven Resonanzen von dannen zogen. Jungs, kommt bitte bald wieder!

Setliste Rage

  • The Devil Strikes Again
  • Days Of December
  • Until I Die
  • My Way
  • End Of All Days
  • Back In Time
  • Spirit Of The Night

Es folgte die nächste Perle des Festivals. Zwar spielten ARMORED SAINT immerhin eine Viertelstunde länger als RAGE, gemessen am Kultstatus der Band hätten die gepanzerten Heiligen meiner Meinung nach allerdings  mindestens doppelt so lange spielen müssen. Jawoll! Einmal mehr überzeugte John Bush bei Göttergaben, wie "March Of The Saint", Chemical Euphoria", "Can U Deliver" und vor allem "Reign Of Fire" durch stimmliche Brillanz und seine unglaubliche Präsenz. Mehrmals verließ er die Bühne, um persönlich die Hände seiner Fans aus der ersten Reihe zu schütteln. Das nennt man Publikumsnähe. Ausgerechnet beim Hit "Last Train Home" streikte das Gesangsmikro, was ein höllisch lautes, alles übertönendes Brummen zur Folge hatte, das kurzzeitig für schmerzhafte Entgleisungen der Gesichtszüge bei der gesamten Band und dem Publikum führte. Insbesondere Bush zeigte sich sichtlich genervt von der Situation, die er allerdings souverän und professionell meisterte, bis ein Ersatzmikro gereicht wurde. Ganz großes Kino, der Auftritt.
 
Setliste Armored Saint

  • Win Hands Down
  • March Of The Saint
  • Tribal Dance
  • That Was Then, Way Back When
  • Last Train Home
  • Chemical Euphoria
  • Left Hook From Right Field
  • Reign Of Fire
  • Can U Deliver

Bei der Folgeband kam es, wie es kommen musste. DESTRUCTION steigerten den musikalischen Härte- und Geschwindigkeitsgrad erheblich. Im Publikum flogen die Haare und der Mob tobte während die deutsche Thrash-Institution einen Nackenbrecher nach dem anderen in die Menge schmetterte. Auf Schmiers Frage, welche der Anwesenden denn am Vorabend das hiesige Konzert von Sarah Connor besucht haben, meldeten sich doch tatsächlich einige wenige Geschmacksverirrte. Angesichts dieser groben Verfehlung ordnete der Fronter als erzieherische Maßnahme unverzüglich die Zwangspartizipation am Moshpit an, welcher vom ersten bis zum letzten Ton des Auftritts von ca. 30 bis 40 Hartgesottenen vor der Bühne umfangreich zelebriert wurde. Tat bestimmt weh, aber Strafe muss bekanntlich  sein...

Setliste Destruction

  • Under Attack
  • Curse The Gods
  • Nailed To The Cross
  • Mad Butcher
  • Second To None
  • Thrash Till Death
  • The Butcher Strikes Back
  • Total Desaster
  • Bestial Invasion

Auch DEVILDRIVER verspäteten sich im Rahmen der Anreise erheblich; unbestätigten Gerüchten zufolge habe man im Stau gestanden. Darüber hinaus kam es während der Umbaupause zu einem extrem langen Soundcheck aufgrund technischer Probleme, deren Behebung weitere wertvolle Zeit in Anspruch nahm. Unterm Strich blieb der Band aus Kalifornien eine Spielzeit von lediglich zehn Minuten, um ganze zwei Songs unters Volk zu bringen. Sehr zum Leidwesen der sichtlich enttäuschten DEVILDRIVER-Fans, die vorrangig anreisten, um ihre Idole sehen zu können.

Setliste Devildriver

  • End Of The Line
  • My Night Sky

Etwas Objektives über SKINDRED zu schreiben, fällt mir sehr schwer, denn stilistisch liegen die Briten meilenweit von dem entfernt, was meinem persönlichen Musikgeschmack entspricht. Mit Bands aus dem Crossover-Genre habe ich seit jeher meine Probleme, insbesondere wenn mit Reggae oder Hip-Hop gecrosst wird. Fürchterlich! Aber empfundene 99 Prozent der Zuschauer schienen das anders zu empfinden und fraßen Sänger Benji Webbe regelrecht aus der Hand. Immer wieder animierte er die Masse zu lustigen Mitmachspielchen, wie dem so genannten "Helikopter". Bei selbigem geht es darum, diverse, gegenwärtig nicht getragene Kleidungsstücke im Takt der Musik über dem Kopf rotieren zu lassen. Beim synchronen "durchdrehen" der Menge ergibt das zugegebenermaßen ein ganz nettes Bild. Auch kam die Mehrheit gerne Webbes Aufforderung nach, sich kollektiv auf den Boden zu setzen. Für alle Standhaften stellte dies immerhin eine der kurzfristigen Gelegenheiten dar, einen völlig freien Blick auf die Bühne werfen zu können. Ein richtig feiner Zug von SKINDRED bestand darin, den eigenen Gig für zehn Minuten zu unterbrechen und die mittlerweile doch noch eingetroffenen VALIANT THORR auf die Bühne zu bitten, um zwei Lieder zum Besten zu geben. Bei einer derart kollegialen Geste handelt es sich bestimmt nicht um eine Selbstverständlichkeit. Hut ab dafür! Man muss anerkennen, dass SKINDRED gemessen an den Publikumsreaktionen zu den Gewinnern des Tages zählte. Mir persönlich, was das Musikalische angeht, zwar völlig unverständlich, aber es war halt so... Na ja, wenn ich recht überlege, lieber SKINDRED als Sarah Connor!

Setliste Skindred

  • The Imperial March (Intro)
  • Under Attack
  • Rat Race
  • Doom Riff
  • Sound The Siren
  • Kill The Power
  • Nobody
  • Warning

Ähnlich wie bei ihren großen Vorbildern AC/DC behaupten einige böse Zungen über AIRBOURNE: "Kennste drei Lieder von der Combo, kennste alle." Ganz von der Hand weisen lässt sich diese Aussage tendenziell zwar nicht, wenn die Australier allerdings derart motiviert, authentisch und unterhaltsam loslegen, wie auf dem Saarmageddon, gehen mir vergleichbare Nörgeleien, mit Verlaub, gepflegt am Gluteus maximus vorbei. Ihrem Ruf als formidable Liveband  wurden AIRBOURNE jedenfalls voll und ganz gerecht. Die Combo machte Spaß und das ganz gewaltig. Mit Einbruch der Abenddämmerung kam endlich auch eine umfangreichere,  der Konzertstimmung zuträgliche Lichtshow zum Einsatz. Sänger und Gitarrist Joel O’Keeffe bot im weiteren Verlauf mehrmals einen beeindruckenden Einblick in die Kunst, sich 0,5-Liter-Bierdosen am Kopf aufzuschlagen und selbige in mehrere Teile zerrissen per Flugpost ins Auditorium zu befördern. Beeindruckend spritzig! Wobei der Schlingel seine Dosen doch bestimmt im Vorfeld präparieren lässt...  

Setliste Airbourne

  • Terminator 2-Soundtrack (Intro)
  • Ready To Rock
  • Too Much, Too Young, Too Fast
  • Chewin' The Fat
  • Diamond In The Rough
  • Girls In Black
  • Cheap Wine And Cheaper Women
  • Breakin' Outta Hell
  • Stand Up For Rock 'n' Roll
  • Live It Up
  • Runnin' Wild

Was gibt es über ein Heimspiel der Wölfe noch zu schreiben? Gewohnt geile Show, gewohnt geiler Bühnenaufbau, der identisch mit dem der Wolfsnächte-Tour letzten Jahres war (siehe entsprechender Bericht), gewohnt geile Songs, die allesamt ebenfalls auf der Setliste des letzten Saabrücken-Abstechers standen, gewohnt euphorische Publikumsresonanzen. Alles beim Alten also? Nicht ganz, denn auf der großen Festivalbühne kam mir der Auftritt wesentlich stimmungsvoller und irgendwie "epischer" vor, als z.B. in der Garage. Insbesondere die Lichteffekte kamen deutlich besser zur Geltung und unterstützten ein gewissermaßen "sakrales" Feeling. Auf jeden Fall ein besonderes Erlebnis, das POWERWOLF uns bescherten.  

Setliste Powerwolf

  • Lupus Daemonis (Intro)
  • Blessed And Possessed
  • Coleus Sanctus
  • Amen And Attack
  • Sacred And Wild
  • Army Of The Night
  • Resurrection By Erection
  • Armata Strigoi
  • Let There Be Night
  • Sanctified With Dynamite
  • Werewolves Of Armenia
  • Kreuzfeuer
  • We Drink Your Blood
  • Lupus Dei

Zum Glück spielte das Wetter den Festivaltag über mit. Anfangs zogen zwei sehr kurze Nieselschauer über das Messegelände, die allerdings kaum der Rede wert waren. Ansonsten verhielt es sich eher heiter als wolkig, was für den einen oder anderen gepflegten Sonnenbrand bei den nichteingecremten Kollegen gesorgt haben dürfte.

Als Achillesferse stellt sich bei Festivals nicht selten die allgemeine Toilettensituation bzw. -versorgung heraus, was beim Saarmageddon durch die gute Infrastruktur des Messegeländes allerdings absolut kein Problem darstellte. Einziger Nachteil der Lokation: Für derartige Festivalveranstaltungen ist das Gelände ursprünglich wahrscheinlich akustisch nicht ausgelegt, was dem Soundmann hörbar einige Probleme bescherte. Erwähnenswert sind außerdem die faire Getränkepreise. Ein "Hopfen-Smoothie" (0,4 l Karlsberg-Pils) wechselte für 3.75 € den Besitzer, Softdrinks (0,4 l) konnten für 2,50 € käuflich erworben werden. Auch der Eintrittspreis von 45 € lag bei einer derartig hochkarätigen Bandauswahl absolut im fairen Bereich.

Unterm Strich, Daumen hoch für das Saarmageddon. Nach Angaben des Veranstalters gingen nur ca. 2500 Eintrittskarten über den Tresen. Vor diesem Hintergrund bin ich gespannt, ob im kommenden Jahr eine Nachfolgeveranstaltung auf die Beine gestellt wird. Hoffentlich gibt es an gleicher Stelle einen zweiten Teil.

Fotos: Baghira

Artikel: Brausi

 

 

Brausi
  • Autor: Brausi