Tanzritual Festival 2014

auf dem Utopion Gelände in Bexbach (Saarland)

Nachdem in den vergangenen Jahren in Bexbach zwei mal das Festival der Barden von Gerd Drenkow und seinen Helfern auf die Beine gestellt wurde, war es in diesem Jahr wieder so weit: Nach 10 Jahren Pause sollte das Tanzritual-Festival in seine 3. Runde gehen.

Mit diversen saarländischen Acts im Vorprogramm und einigen namhaften Vertretern der Gothic Szene war das Festival gut bestückt. Was dabei heraus kam lest ihr hier.

The Unknown
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Substance of Shade
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Dr. Geek and the Freakshow
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Heimataerde
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Tag 1

Wie eingangs schon erwähnt durften am ersten Tag zu Beginn des musikalischen Treibens einige saarländische Bands ran.

Während die erst kürzlich gegründete Band "The Unknown" den Reigen eröffnete, strömten noch einige Gäste auf das Utopion Gelände. Die Zuschauerzahl war leider noch sehr gering, was sich leider - womöglich auch dem eher durchwachsenen Wetter geschuldet - über den Tag nicht sehr stark änderte.
Schon "The Unknown" hätten meiner Meinung nach ein deutlich größeres Publikum verdient: Die Musik gut arrangiert, von einer interessanten Stimme getragen und einer durchdachten Tanzperformance durch zwei Tänzerinnen unterstützt hinterließen The Unknown einen sehr guten Eindruck für eine Bühnenpremiere. Aus musikalischer Sicht könnte ich mir die Truppe irgendwie sehr gut als Support für Emilie Autumn vorstellen .. wenn es dazu kommen sollte, sagt mir bitte jemand Bescheid ;-)

Auf die Eröffnungsband folgten die schon seit vielen Jahren lokal bekannten Substance of Shade, die mal wieder die Frontfrau ersetzen mussten. Mit eingängigen Sounds konnte Bandschef Oliver Thom (wohl auch der Kopf von The Unknown) weitere Seiten seiner musikalischen Qualitäten zeigen und mit solidem Electropopsound die Gäste beglücken.

Die nächsten und letzten Lokalmatadore, die auf dem Tanzritual Festival ihr Bestes gaben, waren dann Dr. Geek and the Freakshow. Zu meiner Schande muss ich gestehen, die Neunkircher Drei-Mann-Horrorpunk-Truppe bislang noch nie live erlebt zu haben ... das war ein Fehler, wie sich im Verlauf des Konzertes heraus stellte.

Die drei rockten die Bühne, schienen einen Riesenspaß zu haben und begeisterten die kleine Truppe der anwesenden Festivalbesucher richtig gut. Dr. Geek and the Freakshow merke ich mir auf jeden Fall einmal für einen weiteren Besuch vor.

Nun kamen die von weiter her angereisten Bands zum Zug.

Den Anfang machten die Synthpopper All the Ashes aus Essen. Gekonnt spielten sie ihre Songs, klangen dabei nicht allzu selten wie andere Größen dieses Genres, was der Qualität aber keinen Abbruch getan hat und durchaus tanzbare Sounds für das Publikum bescherte.

Nach dem Ausflug in die lustige Synthpopwelt sollte es dann nicht nur vom Tagesablauf her langsam ein wenig düsterer werden, sondern auch musikalisch. Die Darkelectro-Mannen von Heimataerde stürmten schwer bewaffnet und voll gepanzert die Bühne und brannten ein Feuerwerk ihrer mittelalterlich angehauchten Show ab. Da durften natürlich ein bisschen Kunstblut für das Publikum, eine Hinrichtung mit dem Schwert und sonstiges Genregut nicht zu kurz kommen. Heimataerde machten ihre Sache aber richtig gut, sorgten absichtlich auch für den ein oder anderen Schmunzler auf und vor der Bühne und versprühten außer Kunstblut auch reichlich gute Laune. Das hat mir schon richtig gut gefallen.

Da der Splatteraltar auf der Bühne nun ja schon einmal vorbereitet war, kamen auch gleich die NDH Vertreter von Ost+Front zum Zug und ließen es richtig krachen. Hier war ich dann wirklich ein wenig traurig, dass sich immer noch nicht so richtig viel Leute auf das Gelände verirrt hatten. Die Show war klasse, Hermann Ostfront ging richtig ab und auch Eva und Co. gaben ihr Bestes.

Die Show war leider viel zu schnell vorbei, was sicherlich auch der starken Präsenz des Frontmannes geschuldet ist und dem Umstand, dass Ost+Front erst auf zwei veröffentlichte CDs zurückgreifen können. Bei den Jungs bin ich wirklich mal gespannt, ob in den kommenden Jahren noch mehr geht. Ein adäquater Erbe für den Rammsteinruhm sind sie sicherlich.

Wie auch immer - Ost+Front überzeugten mal wieder und begeisterten die Fans. Nach dem Auftritt waren die Jungs auch noch lange am Merchstand von Fans umgeben.

Den Abschluß des Abends machte dann die Esslinger Depeche Mode Coverband Excited. Schloss man die Augen, konnte man ab und zu wirklich beinahe glauben, dass man es mit dem Original zu tun hatte. Sie waren also wirklich gut. Leider kann ich selbst mit einer Coverband als Headliner nicht so viel anfangen. Andere denken da aber glücklicherweise anders und feierten vor der Bühne fröhlich in die Nacht hinein, während ich mich in einiger Entfernung dem Absinth hingab.

Tag 2

Der zweite Tag begann mit dem Konzert von Equatronic. Die Anzahl der Besucher war recht überschaubar. Trotz eines guten Vorverkaufs änderte sich das auch während der Auftritte von Wanderreigen, Extize und den Fliehenden Stürmen nur unwesentlich.

Die Aufforderung nach Zugabe wurde in der Regel mit einem Song beschieden und die Fliehenden Stürme, die angesichts der Zuschaueranzahl etwas lustlos wirkten, luden zum Abschluss zu ihren Konzerten ein.

Ganz anders Steinkind - trotz der immer noch relativ kleinen Zuschaueranzahl war es eine wahre Freude, dem Auftritt von Sänger Hendrik Sàndor Fekete und Keyboarder Philipp Jackowski zuzuschauen und zu hören. Wie ersterer auf mein Lob später antwortete: "Auch wenn nur wenige Zuschauer da sind, so haben sie für das Eintrittsgeld ein Anrecht auf eine ordentliche Show. Das sind wir den Menschen schuldig. Vor wenig Menschen zu spielen ist anders schwer als vor extrem vielen".
Und magischer Weise schien sich die Anzahl der Zuhörer im Verlauf der ersten drei Lieder, welche ich im Fotograben verbrachte, verdoppelt zu haben. Die Stimmung verbesserte sich beständig und schon verabschiedeten Steinkind sich mit einem fetzigen Zugabesong, der begeisterten Applaus erntete.

Nach der Umbaupause folgten Unzucht aus Hannover. Die erst 2009 gegründete vierköpfige Band um den charismatischen Sänger Daniel „Der
Schulz“ Schulz startete zur Begeisterung der immer zahlreicher werdenden Zuhörerschaft mit einer feurigen Show.
Der Schulz sang, schmachtete und tanzte. Einen Höhepunkt fand die Show bei dem Lied "kleine geile Nonne", in dem eine junge Frau im Nonnenoutfit auf die Bühne gerufen wurde und fröhlich tanzte. Er lobte das Saarland für das kleine stimmungsvolle Festival, welches den Abschluss des Festivalssommers bildete.
Die Band hat sich seit Ihrem Auftritt auf dem X-mas Hexentanz vor einigen Jahren extrem verbessert und bot qualitativ hochwertige Musik. "Unzucht" verabschiedeten sich wie ihre Vorgänger von der begeisterten Zuschauerschar mit einer Zugabe.
Auch "der Schulz" spielte mit Begeisterung vor kleinen Zuschauergruppen. "Das sind wir unseren Fans schuldig", und "wir machen Musik, weil es uns
Spaß macht". "Kleine Festivals sind persönlicher; die Stimmung war toll."

Als letzte Band betrat gegen 20:30 Uhr die Letzte Instanz die Bühne. Sie waren Anfang des Festivaljahres im Saarland auf dem Hexentanzfestival. Wie erwartet hatte sich die Anzahl der Festivalgäste inzwischen geschätzt mindestens noch einmal verdoppelt. Die Musik klang etwas anders als gewohnt, denn Holly D. hat die Band zu Anfang des Jahres verlassen und daher wurde der Background Gesang auf die anderen Bandmitglieder verteilt.
Die "letzte Instanz" lieferten wie gewohnt eine fulminante Show. Sie sangen, tanzten, scherzten und boten Showeinlagen, in die sie das Publikum mit einbezogen. Neben den bekannten  Songs spielten sie auch einige Lieder ihres neuen Albums "im Auge des Sturmes".
Die Menge tanzte und sang bei vielen Liedern begeistert mit. Das Konzert endete mit einer großzügigen Zugabe, die mit "Rapunzel" und einer Runde, in der sich "Muttis Liebling", "Benni Cellini" und Holly von der Menge einmal über die Köpfe hinweg tragen ließen.

Ein gelungener Tag endete und zu hoffen bleibt, dass sich der Wunsch erfüllt und dass das Festival auch im nächsten Jahr hier stattfinden wird.

Anhur: Fotos und Bericht, Tag 1

Baghira: Fotos und Bericht, Tag 2

Anhur
  • Autor: Anhur