A magical Encounter with Demons & Wizards 2019

Ein kurzer Rückblick auf die frühen 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts: Zwei aufstrebende Power-Metalbands, die diese Bezeichnung tatsächlich noch verdient haben, beschließen, gemeinsam zu touren. Da die ganze Aktion nicht nur musikalisch, sondern auch zwischenmenschlich bestens zu harmonieren scheint, folgen kurz darauf weitere gemeinsame Touraktivitäten im identischen Traumpackage, das dem damals 15-jährigen Live-Konzert-Debütanten und Verfasser dieser Zeilen bis zum heutigen Tag ein verzück-melancholisches Dauerkreisgrinsen ins mittlerweile faltige Gesicht zaubert. Die juvenilen Pickel sind glücklicherweise verschwunden...

Asylum Pyre
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Demons & Wizards
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Beide Combos sollten sich im weiteren Verlauf ihrer Karriere als unangefochtene Doppelspeerspitzen des Genres etablieren. Die Rede ist natürlich von den noch relativ jungen BLIND GUARDIAN und ICED EARTH. Besagte Tourneen dürften erheblich dazu beigetragen habe, dass sich vor allem zwischen Hansi Kürsch, einer der begnadetsten Barden der Szene, und Rhythmusgitarrengott Jon Schaffer eine enge Freundschaft entwickelte, aus der noch Großes hervorgehen sollte.

1997 beschließen beide Kreativköpfe mit DEMONS & WIZARDS gemeinsame Sache zu machen, um die musikalische Essenz ihrer Stammcombos zu vereinen. Zwei Jahre später lassen Kürsch und Schaffer ihr Erstlingswerk „Demons & Wizards“ auf die Menschheit los; 2005 folgt ihre bisher letzte Veröffentlichung „Touched By The Crimson King“. Da beide Alben in Kürze als überarbeitete Re-Realeases in die Verkaufsregale gewuchtet werden sollen und sich die Fanscharen nach satten 15 Jahren der Veröffentlichungsabstinenz Anfang 2020 auf neuen Stoff von DEMONS & WIZARDS freuen können, nahm man dies als Anlass, um einige ausgesuchte Club- und Festival-Gigs zu spielen. Unfassbar, aber eines dieser denkwürdigen Konzerte fand in unserer heimischen Garage in Saarbrücken statt. Und es war mehr als genial!!!

Als Anheizer zeigten ASYLUM PYRE den zunächst ca. 500 Leuten vor der Bühne, was sie auf dem Kasten haben. Die französische Band stieg, mit vorübergehend hinter schwarzen Mundschutzmasken verborgen Gesichtern, um Punkt 19.00 Uhr in ihren Set ein. Den Musikern um Sängerin Oxy Hart gelang es in den kommenden 40 Minuten vorbildlich, das angereiste Publikum auf ihre Seite zu ziehen, wobei mir persönlich der sporadisch integrierter Sprechgesang der Frontdame und ihr begleitendes, unkoordiniert wirkendes Rumgehopse zu infantil rüberkam. Aber das ist wohl Ansichtssache. Davon abgesehen überzeugten ASYLUM PYRE zweifelsohne mit ihrem progressiv-melodischen Powermetal und machten Bock auf den ersten Live-Auftritt des Headliners nach geschlagenen 19 Jahren. Well done, boys and girl!

Setliste Asylum Pyre

  • Lullaby For The Clairvoyants (Intro)
  • One Day (Silence - Part 2: Day Dreaming)
  • Lady Ivy
  • These Trees
  • D)ea(r)th
  • The Cemetary Road
  • Sex, Drugs And Scars
  • The Silence Of Dreams
  • On First Earth

Als um 20.10 Uhr abermals die Lichter ausgingen und schwere, mit mystisch anmutenden Mönchschöre garnierte Gitarrensalven erklangen, dürfte es auch dem letzten der mittlerweile ca. 1000 angereisten Fans klar gewesen sein: Ein wahrlich „magisches Treffen“ mit Dämonen und Zauberern, wie das Tourmotto zu Recht versprach, stand unmittelbar bevor. Auf der mit efeubehangenen Grabsteinen dekorierten Bühne platzierten sich die einzelnen Musiker nacheinander vor einem alles überragenden Schnitter mit Geige, welcher DEMONS & WIZARDS bereits seit dem Debüt-Cover begleitet und erhaben das riesige Backdrop zierte. Als zuletzt Hansi und Jon als Hauptakteuren die Bretter enterten, steigerten sich die ohnehin schon ohrenbetäubenden Jubelschreie und Sympathiebekundungen des Auditoriums nochmals um etliche Dezibel. Wahnsinn!!! Schon jetzt war die Stimmung enorm, obwohl das Konzert noch gar nicht richtig angefangen hatte. Sich diesen Umstand als Anlass nehmend lief im Folgenden die gesamte Band zu absoluter Höchstleistung auf.

Dem umjubelten Eröffnungs-Tripel „Rites Of Passage“, „Heaven Denies“ und „Poor Man’s Crusade“ folgte die erste offizielle Ansage, in der Hansi unter anderem auf vermeintliche „Hiobsbotschaften“ zu sprechen kam. Die regulär stattfindende Garagen-Pop-Disko im Anschluss an das Konzert falle aus, so der Frontmann. Ja, manchmal schlägt das Leben mit knallharter Unbarmherzigkeit zu. Natürlich war der Großteil des Publikums zutiefst geschockt und musste sich umgehend ob dieser massiven Verlusterfahrung in psychologische Behandlung begeben. Die Stimmung war komplett dahin, der Abend schien gelaufen, enttäuschte Gesichter, wohin das Auge blickte. Und übrigens, Schweine können fliegen... Mit einem Augenzwinkern ging es weiter im Text. Wenn Kürsch auf die Uhr schaue, entspanne ihn die Erkenntnis, durch die Disko-Absage für seine Show nach „hinten raus Luft zu haben“. Dumm sei nur, dass DEMON & WIZARD mit bisher lediglich zwei veröffentlichten Scheibletten gar nicht genügend Stoff hätten, um die zur Verfügung stehende Zeit auch zu nutzen. Man müsse dann halt diverse „Füller“ integrieren. Dass der Gute hierbei quasi Coversongs aus dem Hause BLIND EARTH bzw. ICED GUARDIAN ankündigte, sollte erst später offensichtlich werden.

Im Anschluss an den ersten Cover-Block, „Burning Times“ und „Welcome To Dying“, ließ es sich Hansi nicht nehmen, seine Bühnenkollegen ausgiebig vorzustellen: Kompetente Unterstützung an der Live-Front erhielten die beiden Projektgründer hauptsächlich durch Mitglieder ihrer Stammbands. Aus dem BLIND GUARDIAN-Lager griffen den Altehrwürdigen sowohl Frederik Ehmke (Schlagzeug) als auch Marcus Siepen (Bass) unter die zauberhaften Arme, während Jake Dreyer von ICED EARTH die dämonisch gute Leadgitarre bediente (O-Ton Hansi: „Unser Frischfleisch. Wir wissen schließlich, was wir euch schuldig sind. Sex sells!“). An den Keyboards erhielt man niederländische Verstärkung von Joost Van Den Broek (AFTER FOREVER, AYREON). Ausnahmslos alle machten einen hervorragenden Job. Hut ab!

Wenn man etwas hätte auf hohem Niveau kritisieren wollen, dann am ehesten die Soundeinstellungen des Gesangs. Bei dermaßen viel Hall in der Stimme hatte ich mitunter das Gefühl, mich in der Duschkabine des heimischen Badezimmers zu befinden. Auch das Licht auf der Bühne fiel eher sparsam aus, was andererseits jedoch der tendenziell eher mystisch-düsteren Atmosphäre des DEMON & WIZARD-Materials zuträglich war.

Nach der obligatorischen Zugabe, bestehend aus „Blood On My Hands“ sowie dem Übersong „Fiddler On The Green“ als Rausschmeißer, endete auch dieser Konzertabend nach rund zweistündiger Spielzeit des Headliners. Bleibt zu hoffen, dass DEMONS & WIZARDS mit ihrem kommenden Album qualitativ in die gleiche Kerbe schlagen, wie mit ihrem „alten Stoff“. Ich persönlich bin diesbezüglich guter Dinge und zähle bereits jetzt schon sehnsüchtig die Tage bis zur Veröffentlichung Anfang nächsten Jahres...

Setliste Demons & Wizards

  • Chant (Intro)
  • Rites Of Passage
  • Heaven Denies
  • Poor Man's Crusade
  • Crimson King
  • Loves Tragedy Asunder
  • Burning Times (Iced Earth-Cover)
  • Welcome To Dying (Blind Guardian-Cover)
  • Wicked Witch
  • Beneath These Waves
  • Gunslinger
  • Terror Train
  • I Died For You (Iced Earth-Cover)
  • Valhalla (Blind Guardian-Cover)
  • Tear Down The Walls
  • Gallows Pole
  • My Last Sunrise

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  • Blood On My Hands
  • Fiddler On The Green

Artikel: Brausi

Fotos: Anhur

Brausi
  • Autor: Brausi