Accept und das Orchestra of Death live am 25.5.2019 in der Kongresshalle in Saarbrücken

Accept ist eine deutsch – amerikanische Heavy Metal – Legende, welche 1971 in Solingen gegründet wurde. Neben den Scorpions wurde Accept eine der weltberühmten deutschen Bands und wird heute als Begründer des deutschen Heavy Metal angesehen. 

Meine erste Erinnerung an die Band ist die, dass mein bester Schulfreund ein absoluter Fan war und seine Oma mit dem Anfang von „Fast as a Shark“ fast zu Tode erschreckte. Die war begeistert, dass ihr Enkel ihr das Lied „Heidi Heido Heida“ vorspielte und rechnete nicht damit, dass dies nahtlos und mit Getöse in einen Heavy Metal Song übergehen würde.  Ich selber konnte mich damals nicht wirklich für Accept begeistern und fand diese Kombination lediglich lustig. 

Accept hat sich seit damals verändert. Nach über 30 Jahren und vier Neugründungen ist keines der ursprünglichen Bandmitglieder mehr dabei. Erst seit Mark Tornillo 2009 als Sänger zur Band kam, hat sie sich stabilisiert.

Wolf Hoffmann, Gitarrist und Mastermind, ist schon seit 1976 in der Band. Er ist auch die treibende Kraft hinter diesem Auftritt mit einem klassischen Orchester. 2017 hatte Accept einen phänomenalen Auftritt mit Orchester auf dem Wacken Open Air, der damals live auch im Fernsehen übertragen wurde. Unser Anhur schwärmt noch heute davon. Der einzigartige Auftritt wurde damals aufgezeichnet und ist als Bluray/DVD/CD erhältlich. 

Nun sind Accept mit dem Orchestra of Death auf Tour und und haben erfreulicherweise Saarbrücken neben Wuppertal, Leipzig, Hamburg, Fürth und München als einen der sechs deutschen Veranstaltungsorte gewählt. Danach geht es u. a. weiter nach Russland, Tschechien, Bulgarien und Norwegen. 
Hoffmann versprach im Voraus, dass die Fans, die nicht in Wacken dabei waren, die Band so noch nie erlebt hätten und sagte: „Auf der Symphonic Terror Tour wird es einige visuelle und musikalische Überraschungen geben, die man von Accept nicht unbedingt erwarten würde.“

 

Accept haben schon früher ihre Lieder mit klassischen Elementen verändert. So beindruckte "Metal Heart" mit dem "Slawischen Marsch" von Tschaikowski als Intro. Ich habe im Laufe der Jahre die Musik von Accept schätzen gelernt, und da ich auch sehr gerne Klassik mag, freue ich mich wie Brausi, der heute wieder als Fotograf mit dabei ist, sehr auf dieses einzigartige Konzert. 

Bands wie Rage und Metallica haben Projekte zusammen mit klassischem Orchester gemacht und interessante Versionen ihrer Songs vorgelegt. Das Besondere an der Arbeit von Accept ist, dass die Band für klassische Songs von berühmten Komponisten wie Mozart oder Vivaldi neue Arrangements mit Metal- Komponenten geschrieben hat.


Und nun zum heutigen Konzert:
Zuerst einmal sei lobend erwähnt, dass die Kongresshalle ein toller Veranstaltungsort ist und mit ihrer Beleuchtung eine wirkungsvolle Atmosphäre für diesen Abend geschaffen hat. Auch der Klang lässt nichts zu wünschen übrig.
Uwe, den wir mitgebracht haben, konnten wir eine günstige Tribünenkarte besorgen und beneiden ihn ein wenig um die gute Aussicht. Ich bin begeistert, wie gut die Stimmung bereits vor Konzertbeginn ist.

Die Besucher nehmen auf ihren Stühlen Platz und pünktlich um 8:00 Uhr beginnt das Konzert. Die Bühne ist von der ersten Reihe aus zum Greifen nahe, was den 20 anwesenden Fotografen das Leben ein wenig erschwert. Aber mit gegenseitiger Rücksichtnahme klappt auch das Fotografieren der Musiker während der ersten beiden Lieder. Interessant ist, dass sogar ein Fotograf aus Boppart (bei Koblenz) anwesend war.

Auf der linken Seite der Bühne befindet sich das Orchestra of Death.  Die Musiker sind entsprechend ihrem Namen in Totenkostüme gekleidet, schwarz mit Skelettzeichnung, und der Dirigent trägt einen dunklen Umhang mit Kapuze. Deshalb sind die klassischen Musiker und der Dirigent anders als in Wacken nicht zu erkennen. Es bleibt ein Geheimnis, wer unter den Kostümen steckt. Vielleicht wieder Mitglieder des Czech National Synphonie Orchestras?


Abweichend vom Konzert in Wacken erklingt als Ouvertüre die Instrumentalversion von "Night on bald Mountain". Ein tolles Intro aller Musiker. Begleitet wird das Orchester von Ava–Rebekah Rahman, die eigens als Violinistin für diese Tour verpflichtet wurde. Es folgen ein hervorragend gespieltes und arrangiertes "Scherzo", die "Pathétique", Vivaldis Double Cello Concerto in G Minor, sowie eine Version von Mozarts "Symphonie Nummer 40" in G Minor. 

Ava-Rebekah Rahmann verzaubert uns mit ihrer Geige und ergänzt das Orchester sowohl optisch als auch musikalisch hervorragend. Bei den musikalischen Battles sind sie und das Orchester der Band unter der Führung von Wolf Hoffmann ebenbürtig. Ein wahrlich großartiger Auftakt für dieses außergewöhnliche Konzert. Diese ersten fünf Titel stammen aus Hoffmanns CD-Projekt „Headbangers Synphonie“ und sind unter Part 2 auf der Wacken CD/Blueray zu finden. Part 1 fehlt komplett, wird aber im folgenden durch andere Lieder ersetzt.

Für die meisten eingefleischten Fans ist das erste große Highlight "Princess of the Dawn", für das endlich Sänger Mark Tornillo auf die Bühne kommt, der bis jetzt Pause hatte. Die Menge springt auf und er wird mit begeistertem Jubel empfangen. Durch die Begleitung von Sinfonieorchester und Geige hören wir eine einzigartige Version dieser Accept-Hymne. Beim folgenden "Stalingrad" wird eine Band-Flagge frenetisch geschwungen und alle Fans singen begeistert mit. Nach zwei weiteren Accept-Titeln folgt die instrumentale Version von Tschaikowskis "Schwanensee". Eine Interpretation, die ihresgleichen sucht. 

Eines meiner persönlichen Highlights ist das Arrangement von Smetanas "Moldau". Schwer zu beschreiben, aber es war einfach wunderschön. Ähnlich faszinierend war der folgende "Arabian Dance" von Grieg. Leicht und nett anzuhören folgt die "Aragonaise" von Bizet, die den Abschluß für diesen Teil des Konzerts bildet. Diese Lieder gab es nicht auf Wacken. Welch phantastische Arrangements dieser klassischen Stücke!

Und schon geht es weiter mit dem letzten Metal-Teil des Abends, bei dem das Orchester und Geigerin Ava-Rebekah Rahman eine eher begleitende Funktion haben und in den Hintergrund treten.

Den Auftakt bildet "Metal Heart", bei dem nun die Emotionen der Fans noch höher schwappen. "Kill the Pain" ist sehr sanft und getragen und es folgt der absolute Höhepunkt des Abends mit "Fast as a Shark", welches wie immer mit 'Heidi Heido' beginnt und heute durch die klassische Begleitung einen einzigartigen Klang erhält. Nun hält die Fans nichts mehr auf den Stühlen - fast alle stehen, singen, klatschen und tanzen auf ihren Plätzen mit.

Begeisterter Applaus. Nachdem dieser minutenlang andauert und sich noch in seiner Intensität steigert, erscheinen Accept erneut, um noch drei weitere Lieder als Zugabe zu spielen. Der Abend endet mit einer einzigartigen langen Version von "Balls to the wall". 


Fazit: Es war ein furioses, dramaturgisch gut inszeniertes und hervorragend gespieltes Konzert, welches sich sowohl durch seine Klassikmomente wie auch durch die Battles zwischen Klassik und Metal und die außergewöhnliche Version der bekannten Lieder der Band auszeichnet. Besonders herauszuheben ist die Leistung von Geigerin Ava-Rebekah Rahman, welche bei den klassischen Liedern im Focus steht.

Danke an sie, Accept und das Orchestra of Death für diesen unvergesslichen Abend. Ich denke, dass er lange Zeit seinesgleichen suchen wird. 
Ich wünsche mir, dass Accept weiterhin mit Arrangements von klassischen Stücken so erfolgreich experimentiert.

Für Fans hier noch Line-Up  und die Setliste zu 

Accepts "Symphonic Terror Tour 2019":


Line-Up

Mark Tornillo (vocals)
Wolf Hoffmann (guitars)
Phil Shouse (guitars)
Martin Motnik (bass)
Christopher Williams (drums)

Guests:
The Orchestra Of Death
Ava-Rebekah Rahman (violin)
Melo Mafadi (keyboards)

Setliste:

  1. Night On Bald Mountain
  2. Scherzo
  3. Pathétique
  4. Vivaldi Double Cello Concerto in G Minor
  5. Mozart Symphony No. 40 in G Minor
  6. Princess Of The Dawn
  7. Stalingrad
  8. Dark Side Of My Heart
  9. Breaker
  10. Swan Lake
  11. Shadow Soldier
  12. The Moldau
  13. Arabian Dance
  14. Aragonaise
  15. Metal Heart
  16. No Regrets
  17. Kill The Pain
  18. Fast As A Shark
  19. Shades Of Death
  20. Teutonic Terror
  21. Balls To The Wall

Mein besonderer Dank gilt den Veranstaltern, die uns akkreditierten und es uns so ermöglichten, dass wir diesen Abend erleben und über ihn berichten dürfen.


Bericht: Baghira

Fotos: Brausi

Baghira
  • Autor: Baghira