„Wasted Wonderland“ Europa-Tour 2016

ANNE CLARK & herrB besuchten am 17.03 die garage in Saarbrücken.

Die englische Grand Dame des Elektrowave der 80er Jahre Anne Clark und ihr musikalischer Partner, der deutsche Musiker und Produzent herrB besuchen auf ihrer gemeinsamen kreativen musikalische Reise Europa. Vom Wochenspiegel als Abschiedstour von Anne Clark angekündigt ist es sinngemäß, laut einem veröffentlichen Nachricht in ihrem Blog: "die letzte Tour für die absehbarer Zukunft" - so nachzulesen auf ihrer Homepage: http://anneclarkofficial.com/blog/ . Neben zwei Terminen in den Niederlanden und einem in Belgien sind insgesamt 21 Konzerte in Deutschland geplant.

Nachdem Anne in den letzten 8 Jahren nach dem sehr melodiösen Album „Smallest Acts Of Kindness“ unterschiedliche CDs, wie "2010 – Past and Future Tense" oder das akkustik Live Album "Anne Clark & Murat Parlak – Enough" veröffentlichte, folgten in den letzten beiden Jahren zusammen mit herrnB zwei EPs "Fairytales from the Underground" 2013 und "Life Wires" 2014. Wieder einmal hat sich die Künstlerin weiter entwickelt und ein neues Projekt mit dem Elektronik-Künstler am Start, welches nur bedingt mit früheren Werken vergleichbar, die Songs wirken frischer und dynamischer.
An diesem Abend sind die Beiden bei uns im Saarland zu Gast und entführen uns nun ins "Wasted Wonderland".

„Wasted Wonderland“ Europa-Tour 2016
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Es gibt keine Vorband in diesem Konzert und obwohl zu Beginn des Konzertes die Garage nur schwach besucht ist füllt sich die Halle nach und nach mit gut gelaunten Menschen. Wenn ich mich umschaue versammeln sich an diesem Tag wirklich die Fans von Anne Clark, die mit der Künstlerin aufgewachsen sind. Als die zierliche Britin die Bühne bertritt, ertönt Applaus. Die Stimmung ist von Anfang an besonders, es scheint alles zu passen. Das Konzert beginnt mit "Darkest Hour" aus dem Album "Fairytales from the Underground" und damit mit der Frage nach der Freiheit und Angst und nach der Bedeutung unserer Existenz. Es folgt "Form" von "Life Wires", einem Lied in welches Gegensätzliches gegenüber gestellt wird und welches mit der Frage nach Aufgabe oder Kampf endet. Inhaltlich setzen sich auch die neuen Werke überwiegend und kritisch mit den Unzulänglichkeiten des Menschseins und des alltäglichen Lebens auseinander. Die schwermütige und melanchonische Substanz, die sowohl im Deutschen als auch im Englischen als "Weltschmerz" bezeichnet wird verliert aber hier durch die Leichtigkeit des Vortrages und teils Verspieltheit der Töne, die herrB seinem Keybord entlockt an Schärfe.
Das Bühnenbild besteht aus dem Keybord für herrB auf der einen Seite und der Gitarre auf einem Ständer für Anne und dazwischen gibt es mehrere Projektionsleinwände, auf denen passend zur Musik stimmungsvoll passende Motive projeziert werden. Es folgen viele der aktuelleren Werke und im ruhigeren ersten Teil des Konzert verschmilzt Annes charismatische Stimme mit ihrem so markanten Sprechgesang mit den traumhaften neuen tanzbaren Elektro-Beats. Die Audienz ist voll da.
Für mich ich es das erste Konzert mit Anne Clark. Sie wirkt durch ihre zeitlos poetischen Texte, ihre Ausstrahlung und ihre Gesangesart. Ich mag die Sängerin und ihre minimalistische düstere Musik mit den anspruchsvollen Texten sehr gerne, auch wenn ich die tiefe und mitreißende Melancholie nicht immer hören kann.  Unglaublich meint Anhur, wie "melodiös und kraftvoll ihr Sprechgesang ist und wie sie ihre Stimm einsetzt".
In der zweiten Hälfte des Konzertes folgen nach und nach auch ältere Werke. Mit Fortschreiten der Darbietung und Steigerung von Intensität, Schnelligkeit und  Lautstärke steigt auch die Stimmung der Hörerschaft weiter an. Alle tanzen mit. Der Applaus ist immer frenetisch und findet seinen Höhepunkt zum Abschluß nach fast 100 Minuten nach den genial vorgetragenen, bahnbrechenden Synthesizer-Klassikern "Sleeper In Metropolis" (1983), und "Our Darkness" (1984).

Fazit

Ein wirklich tolles Konzert mit hervorragender Stimmungan, trotz oder gerade wegen der überschaubaren versammelten Fangemeinde. Anne Clark kann nach 36 Jahren mit ihrer Stimme und einer gelungenen Mischung aus Werken aus alten Zeiten und neuen Interpretationen immer noch überzeugen. Mit ihrer Vielfältigkeit, eigensinnig wie eh und je, mit düster, experimentell, kritischen und poetischen Texten, gepart mit ihrem unvergleichlichen Sprechgesang ist sie schlicht Avantgarde. Ich bin froh an diesem Abend dabei gewesen zu sein und gespannt was in "noch nicht absehbarer Zeit"  noch kommen wird.

Text: Baghira

Fotos: Anhur

Baghira
  • Autor: Baghira