ARCH ENEMY auf "As The Stages Burn“ Tour 2017, Special Guests: LACUNA COIL &THE HAUNTED in der Garage Saarbrücken

Wieder einmal darf ich für „Fotos der Nacht“ als Redakteurin unterwegs sein und treffe mich mit Brausi, um gemeinsam zur Garage zu fahren. Der gute Anhur ist leider momentan ein wenig angeschlagen und daher außer Gefecht. Trotz Baustellenwahn auf der Autobahn treffen wir kurz nach 18:00 Uhr in Saarbrücken ein und sichern uns einen Parkplatz. Als Arch Enemy Fan ist Brausi in seinem Outfit schon von Weitem als solcher zu erkennen; prompt bietet man uns unterwegs Eintrittskarten an. Fröhlich lehnen wir dankend ab und steuern die Garage an. Nach kurzem Einlass- Geplänkel nähern wir uns der Konzerthalle. Zu meinem Leidwesen sind alle Ohrstöpsel ausverkauft. Das wird ein Fest für meine Ohren... Die Besucher sind optisch homogen in Bandshirts und Schwarz gekleidet; es sind nahezu alle Altersklassen vom Teen bis zum Rentner vertreten.

Die Halle ist zu Beginn nur mäßig gefüllt und die meisten Besucher gönnen sich erst noch ein Bier. Während ich auf mein Wasser warte, wird neben mir beim Shirt- Tausch gelacht. Der Jüngling mit schmächtiger Statur, der das eben neu erworbene Arch Enemy Shirt überstreift, habe „seinen Sixpack vom Rauchen“ erklärt mir grinsend und gut gelaunt sein Freund.

The Haunted
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Lacuna Coil
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Arch Enemy
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Alle warten gespannt auf ARCH ENEMY mit Sängerin Alissa White-Gluz, die 2014 Langzeit-Frontfrau Angela Gossow ersetzte. Im Laufe von 19 Jahren unter dem Ausnahmegitarristen Michael hat die Band inzwischen 10 gefeierte Alben herausgebracht, die jedes Mal auf den ersten Plätzen der Verkaufs-Charts landeten. Das bisher letzte Album der Schweden ist unerbittlich brutal und doch erstaunlich fett produziert. Gleich nach der Veröffentlichung von „War Eternal“ startete die Band ihre gleichnamige Tour auf renommierten Festivals wie Wacken, Sweden Rock und vielen mehr, gefolgt von einer Welttournee mit Kreator. Während der Tour mit Kreator entschied die Band, sich von Gitarrist Nick Cordle zu trennen. Christopher Amott (der Bruder von ARCH ENEMY Gründer/Bandleader Michael Amott) schloss sich der Band für den Rest der US- Headliner-Tour an und Jeff Loomis (ex-NEVERMORE) übernahm für die folgenden Termine der Europa-Tour mit Kreator. Nachdem sie die größte Show ihrer Karriere auf DVD gebannt haben, besuchen sie 2017 erlesene Orte mit ihrer „As The Stages Burn“-Tour.
Heute am 06.04.2017 sind sie hier in der Garage Saarbrücken. Für die Tour haben Alissa White-Gluz und ihre Mannen die italienischen Alternative/ Gothic Metaller LACUNA COIL und die schwedische Thrash-/Deathmetal-Band THE HAUNTED mitgebracht.

Neben mir schreibt ein junger Fan noch eine mit dickem rotem Herz versehene  Liebesbotschaft via Whatsapp, die mit einem ebenso dicken roten Herz erwidert wird, als die Opener THE HAUNTED pünktlich um 19:00 Uhr die Bühne betreten. Die Thrash-Metal-Band mit Einflüssen aus dem Melodic Death Metal aus Göteborg ist sozusagen der Nachfolger von den legendären At The Gates, denn sowohl die Gebrüder Anders (Gitarre) und Jonas Björler (Bass) als auch der ehemlige „At The Gates“-Drummer Adrian Erlandsson spielten anfangs in der Band, wenngleich die Initiative zur Gründung nicht von ihnen ausging.
Mit Sirenen zum Áuftakt und „Dark Intensions“ legt THE HAUNTED auch gleich hart und mit Power los. Im Verlauf der nächsten Lieder „ Bury Your Dead“, „99“; „The Flood“ startet hie und da fröhliches Headbangen. Neben der Musik beeindruckt mich vor allem der frische Geruch nach Shampoo der vor mir kreisende Wallemähne eines zünftig ganz in schwarzes Leder gekleideten Fans.
Ja ja, die harten Metal- Jungs, denke ich. Brausi wird meinen Bericht später mit den Worten „die reagieren sich eben anders ab“ kommentieren.

Als der Sänger irgendwann fragt,  „Wanna slow songs“ geht meine Hand hoch, denn ich würde zu gerne wissen ob die Band auch eine schöne Ballade spielen kann. Die restlichen Hände gehen allerdings auf „wanna fast songs“ in die Höhe und so startet die Band „Hollow ground“ und mein Wunsch bleibt unerfüllt. Zu Songs wie „Eye of the storm“ tanzen einige Gäste, drei davon moshen sanft (ich weiß, ein Widerspruch in sich) und mein Headbanger lässt seine wohlriechende Mähne bis zum Ende um 21:40 Uhr kreisen.

Ich treffe mich in der Umbauphase kurz mit Brausi und wir sind beide - ebenso wie die Gäste - mit dem Auftritt der Band zufrieden.
Die Pause wird von vielen genutzt, um sich neue Getränke zu besorgen. Teilweise wechseln die Gesichter in direkter Nähe der Bühne.

LACUNA COIL, eine italienische Alternative-Metal-Band aus Mailand, bieten einen etwas anderen Musikstil und locken damit auch ein etwas anderes Publikum zur Bühne.
Aufgrund ihrer hohen Popularität in der Schwarzen Szene und ihres entsprechenden Auftretens werden sie auch unter dem Begriff Gothic Metal eingeordnet und gehören zu den erfolgreichsten italienischen Metalbands. Die Diskographie der Band umfasst acht Studioalben, eine DVD und zwei Sampler. Weltweit hat die Band bis Mai 2012 über zwei Millionen Alben verkauft. Ihr drittes Album „Comalies“ ist mit über 500.000 verkauften Einheiten das weltweit meist verkaufte Album in der Firmengeschichte von Century Media.

Die Band aus Italien erscheint heute um 20:00 Uhr in Outfits der Insassen einer psychiatrische Anstalt mit teils grusligem Make-Up und beginnt Ihren Auftritt mit dem Intro und „Ultima Ratio“. Es folgen „Die and Rise“ und „Blood, Tears, Dust“.  
Sänger Andrea Ferro, der mich optisch ganz stark an den jungen Andy Gibb erinnert, und sein weiblicher Gegenpart Cristina Sabbia tragen Blut verschmierte Zwangsjacken und ziehen wohl die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Nichtsdestotrotz sind auch die restlichen Mitglieder schaurig-schön geschminkt. Drummer Ryan Folden hat das beeindruckendste Make-up. Es erinnert stark an das Mädchen aus „The Ring“ mit Totenmaske. Andrea und Christina geben alles am Mikrofon, sind ständig in Bewegung und motivieren die Fans zum lautstarken Mitsingen. Die Stimmung steigt deutlich im Verlaufes dieses zweiten Konzerts des Abends an. Die Halle füllt sich immer mehr und schon gleich zu Beginn ist der berühmte Funke auf die Menge übergesprungen. Musikalisch haben LACUNA COIL in den letzten Jahren an Härte zugelegt, sind aber weicher und professioneller als die Opener. Dadurch wirkt das Line-Up des Abends weniger stringent, aber da die Musik allgemein sehr guten Zuspruch bekommt und die Stimmung merklich steigt, gibt dies dem Veranstalter Recht.  Weitgehendst spielt die Band ihre neuen Lieder, zwischen die nur vereinzelt alte Hits eingereiht werden. In guter Spiellaune schaffen es die Mailänder, das Stimmungsbarometer in der Halle weiter nach oben schießen zu lassen.
Zu „Ghost in the mists“ dreht sich der junge dunkelhaarige Hühne vor mir um und bietet mir großzügig an, mich vor ihn zu stellen.
Die Sängerin verkündet „Wir kümmern uns um Euch im Sanatorium“ und erzählt, dass es eine neue Aufnahme von Delirium inklusive Video gibt.
Diesmal habe ich hinter mir zwei Headbanger, deren Mähnen mich ab und zu sacht streifen und die ein Sinnbild der sehr guten und freundlichen Stimmung sind. Manch ein Gast sieht den Gesangspart von Cristina etwas kritisch, ist aber vom Gesamtakt überzeugt.
Alle feiern die Band, die mit „Eye of the Storm“ und dem „Hate Song“ ihr Konzert beendet und den anwesenden noch einmal richtig einheizt. Wer sie dieses Jahr gerne wiedersehen möchte, kann dies auf Wacken tun.

In der folgenden Umbauphase gehen „alle noch einmal aufs Klo“ und/ oder sorgen für Biernachschub. Die Stimmung ist in der inzwischen fast ausverkauften Halle extrem gut und voll freudiger Erwartung. Diese wird nur ein wenig durch die lange Wartezeit von fast 30 Minuten nach Ende des Umbaus bis zum Auftritt des Headliners getrübt.

ARCH ENEMY

Der bereits am Anfang dieses Artikels kurz beschriebenen Headliner, der seit 2014 mit neuer Sängerin und dem neuen Studioalbum „War Eternal“ seine Fanbase immer weiter ausbauen konnte, spielt von Anfang an energisch und mit hartem Sound. Der Klassiker „Enemy Within“ aus dem Album „Wages Of Sin“ (2001) bildet den Auftakt, zu dem Alissa auf die Bühne stürmt und danach nicht mehr still steht. Unglaublich sind sowohl ihre stimmliche als auch physische Leistung.  
Trotz fehlender größerer Effekte, wie z. B. Videoleinwände in früheren Konzerten oder Pyrotechnik, entfachen sie und die Band im übertragenen Sinne ein wahres Feuerwerk auf der Bühne. Gutturaler Gesang, harte Riffs und ein nicht endendes Schlagzeug-Gewitter heizen den anwesenden Fans ordentlich ein. Die Stimmung der nahezu ausverkauften Halle ist auf dem Höhepunkt angekommen, während neue und alte Songs sich abwechseln. Die Fans singen stimmgewaltig mit und feiern sich und die Band.

Der brachiale Sound wird zwischen den Liedern durch die kurzen Ansagen von Alissa, bei denen man ihre eher sanfte Stimme hören kann, unterbrochen. Um so beeindruckender wirkt ihr Gesang, wenn sie nur wenige Augenblicke später beispielsweise „No Gods, No Masters“ grölt. Das Publikum dankt den mitreißenden Auftritt mit reger Beteiligung und stets lautem Beifall. ARCH ENEMY enden mit „Snowbound“ und „Nemesis/ fields“ und lassen keinen Zweifel daran, warum sie an diesem Abend Headliner sind.
Werbung  wird für das gleichnamige Live-Album gemacht.  

Resümee

Alle drei Bands ließen es ordentlich krachen und bescherten den angereisten Fans einen „heißen“ und lauten Konzertabend, der sich mit jedem weiteren Auftritt steigerte.
Die "As The Stages Burn“ Tour 2017 hat mit  Arch Enemys Frontfrau und der Sängerin von LACUNA COIL gleich „zwei heiße Eisen“ (so ein sichtlich erfreuter Besucher)  hintereinander auf der Bühne. Vor allem Alissa White-Gluz ist unglaublich und entfacht bei „War Eternal“ mit ihrer unerbittlichen Stimme einen wahren Flächenbrand.
Mit ihrem einzigartigen Gesang, ihrer scheinbar unendlichen Power und dem sensationellen Look ist die Frau bereit, die Fans (wenn nicht sogar die ganze Welt) zu erobern.
Meine  klingelnden Ohren und die zufrieden grinsenden Gesichter von Brausi und den anderen Konzertbesuchern beim Verlassen der Garage beweisen das.


Bis zum nächsten Mal
Baghira

Text: Baghira

Fotos: Brausi

Baghira
  • Autor: Baghira