Avantasia Moonglow World Tour Live

Avantasia Moonglow World Tour Live in Saarbrücken am Dienstag, den 9. April 2019 in der Garage.

Nach langer Zeit besuchen Avantasia erneut Saarbrücken und ich freue mich, dass ich für "Fotos der Nacht" mit Brausi daran teilnehmen darf. Wir mögen beide die Band sehr gerne.

Avantasia ist ein Bandprojekt rund um Mastermind Tobias Sammet. Der begann im Jahr 1999 während einer Edguy-Tournee die Planung für ein Konzept-Album mit vielen Gastmusikern. Nach der Tour setzte Sammet das Projekt um und konnte Metalgrößen  dafür gewinnen. Ursprünglich nur für die Konzeptalben "Metal Opera" 1 und 2 angedacht, feiert Avantasia inzwischen von Jahr zu Jahr immer mehr Erfolge. So zum Beipiel mit der Ghostlights World Tour 2016/2017.
Bei der Musik handelt es sich überwiegend um Power Metal und Symphonic Metal. Konzerte des Bandprojekts finden grundsätzlich ohne Vorband statt und dauern circa 3-4 Stunden.

Gut gelaunt machen wir uns daher auf den Weg zur Saarlandhalle, die wir trotz Umweg 20 Minuten vor Konzertbeginn erreichen. In der Halle angekommen sind wir verwundert zu sehen, dass für den Auftritt dieser tollen Band auf ihrer World Tour hier in der Saarlandhalle beide Ränge fast komplett abgehangen sind und nur ein kleiner Bereich von circa 70 Plätzen für Zuschauer frei zugänglich ist. Darüber hinaus ist die Bühne weit in den Saal hinein gezogen worden, so dass die Halle nur ca. 2500 Leuten Platz bietet. Betrachtet man das Publikum, so sind viele Avantasia-Fans bereits am Shirt zu erkennen. Es ist Dienstagabend und die Band hat es geschafft, überwiegend die etwas älteren Semester zum Kommen zu bewegen, was Tobias Sammet auch im Verlauf des Abends für eine kurze satirische Einlage nutzt.

 

Pünktlich um 8:00 Uhr fällt der Vorhang und das Konzert beginnt mit Beethovens Sinfonie Nummer 9 Opus 125 (Ode an die Freude) vom Band. Ich persönlich bin kein Freund von Intros vom Band, aber musikalisch ein toller Anfang.
Wie bei Avantasia üblich ist keine Vorband dabei. Die Band wird rund 3 Stunden spielen und hat einige interessante Gastmusiker mitgebracht. Das erklärt Tobias Sammet gleich zu Beginn und auch, dass man den ganzen Abend nur Scheiß spielen werde: den ganzen alten Scheiß, den ganzen neuen Scheiß, den ganzen langen Scheiß, den ganzen kurzen Scheiß und den ganzen geilen Scheiß und den langweiligen auch. Mit Bekannten witzele ich ein wenig darüber, dass ein geeigneter Titel für diesen Bericht wohl sei: „Scheiß Abend mit Avantasia" oder aber "Avantasia spielen nur Scheiß“.
Tobias Sammet, Frontmann und Mastermind des Projektes, versteht es zu plaudern und die Menge damit zu begeistern und anzufeuern, was er immer weiter im Verlauf des Abends beweisen wird.
Aber nun wird es ernst, Avantasia beginnt mit "Ghost in the Moon" und stimmt die Menge auf das ein, was in den nächsten Stunden folgen wird. Das Bühnenbild ist schön und stimmig entsprechend dem Cover-Artwork gestaltet.

Als erster Gast betritt danach der Pretty Maids-Sänger RONNIE ATKINS die Bühne, um die Songs „Starlight“ und „Book of Shallows“ zu begleiten. Die Menge freut sich, was leider in der großen Halle ein wenig verpufft. Tobias Sammet erklärt, dass heute ja Dienstag ist und dass die Plattenfirma den folgenden Song nicht wollte, da so ein langes Lied niemals im Radio gespielt werde. Sammet sagte ihm, im Radio laufe aber eh nur "Scheiße" und die Band mache handgemachten Metall. Schließlich habe die Plattenfirma zugestimmt und das Projekt wurde durchgezogen.

Und das ist auch gut so, wie wir erkennen, als Jørn Lande die Bühne betritt, um dieses grandiose zwölfminütige Meisterwerk von Moonglow - „The Raven Child“ - sowie „Lucifer“ darzubieten. Lande beweist zudem, dass es für diese Art Songs kaum einen Besseren zu finden gibt. Bei ihm stimmt alles perfekt, der Norweger ist einfach großartig. Die Stimmung im Saal steigt merklich an und Lande wird angemessen gefeiert. Anschließend wird Mastermind Sammet bei der Ankündigung von Gesangsikone GEOFF TATE nicht müde zu erläutern, wie sehr beeinflussend dessen Arbeit mit der Band Queensryche auf unzählige Bands gewesen sei. Auch Tate weiß in den Songs “Alchemy“ und „Invincible“ komplett zu überzeugen und hat nicht viel von seiner Stimmkraft verloren. Es bleibt spannend, welche Form seine Karriere in Zukunft noch annimmt.

Seit den Gründungstagen von Avantasia mit dabei ist der vielseitige Ausnahmegitarrist Oliver Hartmann, dem der folgende Vokalpart in „Reach out for the Light“ zugedacht ist und den er bravourös meistert. ADRIENNE COWAN steht dem bei der Performance von "Moonglow" in nichts nach. Zur Performance der einzigen Coverversion in der bisherigen Band-Geschichte Avantasias betritt  ERIC MARTIN die Bühne. Die Halle feiert frenetisch sein bravurös dargebotenes "Maniac". Darüber hinaus beweist er seine Klasse auch bei „Dying for an Angel“. Die Riege der außergewöhnlichen Gastsänger komplettiert schließlich der 71-jährige BOB CATLEY, für den Songs wie „The Story ain´t over“ und „Mystery of a Blood Red Rose“ nahzu maßgeschneidert sind.

Die Stimmung ist auf ihrem Höhepunkt angekommen und Band und Zuhörer sind außer sich vor Begeisterung. Nicht alleine die Menge an tollen Gast-Sängern bereiten den Boden für ein wahrlich hervorragendes Erlebnis, die Band selbst zeigt eine unglaubliche, spürbare Spielfreude, sei es Sascha Paeth (Gitarre und Produzent) oder Michael Rodenberg (Keyboard), und nicht wenige Anwesende des Abends werden sich gefragt haben, wie Schlagzeuger Felix Bohnke diese über dreistündige Tortur über Wochen taktvoll und auf den Punkt übersteht.

Tobias Sammet hat den Ruf genau zu wissen, wie er etwas zu tun hat, um erfolgreich zu werden. An diesem Abend beweist er es wieder einmal eindrucksvoll, denn die Fans in der Saarlandhalle stehen nach sagenhaften drei Stunden Spielzeit und immer wieder eingefordertem Mitziehen am Ende völlig Kopf.
Im abschließenden Finale dürfen wir die gesamte Gesangsarmada noch einmal komplett mit dem Song „Farewell“ genießen, bevor der Abend im Konfettiregen endet.

Am 9. April 2019 in Saarbrücken hat Sammet viel gefordert, von der Band, dem Publikum und letztendlich auch von sich selbst, um am Ende zufrieden sein zu können.Trotz der überschaubaren Zuschauermenge ein großartig gespieltes und gesungenes Metal Fest.

Hier noch einmal für Interessierte die komplette Setliste aus Saarbrücken:

  • Ghost in the Moon
  • Starlight (with Ronnie Atkins)
  • Book of Shallows (with Ronnie Atkins)
  • The Raven Child (with Jørn Lande)
  • Lucifer (with Jørn Lande)
  • Alchemy (with Geoff Tate )
  • Invincible (with Geoff Tate)
  • Reach out for the Light (with Oliver Hartmann)
  • Moonglow (with Adrienne Cowan)
  • Maniac (with Eric Martin)
  • Dying for an Angel (with Eric Martin)
  • Lavender (with Bob Catley)
  • The Story Ain´t Over (with Bob Catley)
  • The Scarecrow (with Jørn Lande)
  • Promised Land (with Jørn Lande /Eric Martin)
  • Twisted Mind (with Geoff Tate /Eric Martin)
  • Avantasia (with Geoff Tate)
  • Let the Storm Descend Upon You (with Jørn Lande /Ronnie Atkins)
  • Master of the Pendulum (with Ronnie Atkins)
  • Shelter from the Rain (with Bob Catley)
  • Mystery of a Blood Red Rose (with Bob Catley)
  • Lost in Space

Zugaben:

  • Farewell (with Adrienne Cowan)
  • Sign of the Cross / The Seven Angels (with everyone)
Baghira
  • Autor: Baghira