Blind Guardian & Orphaned Land, 23.04. 2015

Seid gegrüßt, ihr lieben Leser. Zum Anfang muss ich euch direkt mal mit einem altbekannten Zitat belästigen, das da wäre: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“. In diesem Falle sollte es wohl besser heißen: „Wenn das Gute spielt so nah“. Denn diesmal hatte ich ein Heimspiel. „Blind Guardian“ machten auf ihrer Tournee zum neuen Album „Beyond the red Mirror“ auch Halt in Trier und brachten "Orphaned Land" als Verstärkung mit.

Auch wenn ich eine kurze Anreise hatte, machte ich mich schon recht früh auf den Weg, da ich jemand bin, der halt gerne frühzeitig seine sprichwörtlichen Zelte aufschlägt. Als ich für mein Vehikel ein schattiges Plätzchen gefunden hatte, machte ich mich langsam und bequem auf den Weg Richtung Europahalle. Der Einlass war um 19:00 Uhr und schon um kurz nach 16:00 Uhr sah man vor der Halle ein paar Kuttenträger die sich ein Bierchen schmecken ließen und den Klängen eines tragbaren CD-Spielers lauschten. Da es noch früh war, schlenderte ich noch ein wenig durch die Fußgängerzone und sah schon die ein oder anderen Menschen, deren "Blind Guardian"-Shirts darauf Hinweis gaben, wohin ihr Weg wohl führen sollte.

Orphaned Land
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Blind Guardian
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Wieder an der Halle angekommen, sah man schon einige Besucher, die sich vor dem Eingang positionierten und manchmal konnte man sogar dem Soundcheck lauschen, der drinnen zugange war. Noch war die Menge der Besucher recht überschaubar, aber das sollte sich ändern als sich endlich kurz nach 19:00 Uhr die Türen öffneten. Als ich drinnen war fiel mir auf, das ich das letzte mal in der Europahalle war, als ich vor einigen Jahren nach Abschluss meiner Lehre dort meine Berufsurkunde, Zeugnisse usw. überreicht bekam. Heißt also quasi, ich stand schon auf der selben Bühne wie "Blind Guardian". Kleiner Scherz, ich schweife wieder mal ab. Weiter im Text.

Wie immer bei einem Konzert führte mich der erste Weg in Richtung Merchandise-Stand, an dem schon Gedrängel war. Die große Auswahl an Shirts brachte die Besucher in eine typische "Qual der Wahl"-Situation. Man konnte viele unentschlossene Gesichter sehen die Kopfkratzend ihre Entscheidung trafen, welches Shirt es denn nun sein sollte. Ich für meinen Teil hätte es zwar sehr begrüßt wenn die Auswahl an Tonträger genau so hoch gewesen wäre, aber so schlimm war das nun auch nicht. Während man sich in der Halle positionierte und das ein oder andere nette Gespräch führte, konnte man sehen wie schnell sich die Halle nun füllte. Sehr vorteilhaft waren die Stufen im hinteren Bereich der Halle, die selbst den Besuchern in den letzten Reihen noch einen sehr guten Blick auf die Bühne ermöglichten. Das Publikum war recht bunt gemischt und es waren sogar einige Familien mit Kindern anwesend. Der Kenner wird sicher auch die ein oder anderen bekannten Musiker erkannt haben. Sowas finde ich immer wieder toll, wenn man jemanden den man sonst nur auf der Bühne sieht, auf einmal im Publikum neben sich stehen hat.

Die Nebelmaschinen liefen auf Hochtouren und kurz nach 20:00 Uhr betraten "Orphaned Land" aus Israel die Bühne. Ihr Opener "All is One" vom gleichnamigen Album animierte sofort zum klatschen und vermittelte direkt einen guten Eindruck vom Können der exotischen 5-Köpfigen Truppe. Sie spielten einen fetzigen, flotten Metal, gepaart mit orientalischen Klängen. Nicht nur schnelle Lieder gab man zum besten, auch ruhigere Songs wie beispielsweise "Brother" wurden gespielt. War musikalisch gesehen mal was anderes, aber definitiv hörenswert. Ich möchte jedoch nicht wissen, wie oft der Sänger mit einer sehr berühmten Person verglichen wird, da sich eine optische Ähnlichkeit einfach nicht leugnen lässt. Er ließ es sich auch nicht nehmen, zwischen den Songs ein paar Worte ans Publikum zu richten und der Satz "Ich bin nicht Jesus!" sorgte für ein herzhaftes lachen seitens des Publikums. Gegen ca. 21:00 Uhr verließen "Orphaned Land" die Bühne und beim kurzen Umbau ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf und ergatterte mir schnell eine Setlist.

Setliste Orphaned Land

  • All Is One
  • The Simple Man
  • Barakah
  • The Kiss of Babylon (The Sins)
  • Brother
  • El Meod Na'ala
  • Sapari
  • In Thy Never Ending Way (Epilogue)
  • Norra El Norra (Entering The Ark) + Ornaments Of Gold

Nun sollte es auch nicht mehr lange dauern bis der Haupt-Act des Abends auf die Bühne kam. Unter lauten "Guardian, Guardian"-rufen betraten die "Blinden Wächter" aus Nordrhein-Westfalen die Bühne und gaben mit dem Opener "The ninth Wave" den Startschuss für einen wahrlich magisch-mystischen Abend. Nun sollte ein Lied folgen, das den Nacken sehr strapazieren sollte und von dem ich einen bösen Ohrwurm davon getragen habe:"Banish for Sanctuary", ein älteres Lied der Band, vom 1989er Album "Follow the Blind". Sehr schnell erwies sich das Publikum als Textsicher und sang aus voller Kehle jedes Lied mit. Es hatte den Anschein, das sich Band und Publikum zu einer Einheit formierte und jedes Lied stellte einen gemeinsamen Schlachtruf dar. Viele Lieder wurden, nachdem sie zuende waren, einfach vom Publikum weiter gesungen und wiederholt. Sänger Hansi Kürsch fand das Publikum "Megageil" und musste es manchmal sogar bremsen. Doch das Publikum ließ sich nur schwer bremsen, denn "Blind Guardian" erzeugten eine dermaßen mitreißende Stimmung, die wirklich jeden gnadenlos packte. Bei schnelleren Songs wurde getanzt, gestampft, geklatscht und der Nacken bis kurz vorm brechen strapaziert. Bei langsameren Liedern wie beispielsweise "Miracle Machine" wurden einige Feuerzeuge gezückt, Paare küssten sich und manche schunkelten Arm in Arm. Doch die langsameren Stücke sollten nur eine kurze Verschnaufpause darstellen, bis wieder schnellere Songs folgten. Jeder Song wurde von einer geilen Lichter-Show passend untermalt. Das kombiniert mit ausgestreckten Händen, die entweder klatschten, zur Faust geballt waren oder die "Teufels-Hörner" zeigten, ergaben wirklich ein unvergessliches Bild. Nachdem die Band das Ende der Show verkündete und kurz die Bühne verließ, dauerte es selbstverständlich nicht lange bis nach einer Zugabe verlangt wurde, die auch prompt gespielt wurde. Es folgten Band-Hymnen wie "Valhalla" und "The Bards Song" und der krönende Abschluss bildete "Mirror Mirror" bei dem jeder nochmal richtig abgehen konnte. Nach der Verabschiedung verließ die Band die Bühne und somit ging ein wirklich tolles Konzert zu Ende.

Setlist Blind Guardian

  • The Ninth Wave
  • Banish from Sanctuary
  • Nightfall
  • Fly
  • Tanelorn (Into the Void)
  • Prophecies
  • The Last Candle
  • Miracle Machine (Acoustic)
  • Lord of the Rings (Acoustic)
  • Mordred's Song
  • And Then There Was Silence

Zugabe 1

  • Into the Storm
  • Twilight of the Gods
  • Valhalla

Zugabe 2

  • Wheel of Time
  • The Bard's Song - In the Forest
  • Mirror Mirror
  • Outro

 

 

Mein Fazit: Ein unvergesslicher Abend mit zwei genialen Bands und einem wirklich geilen Publikum. Die Licht-Effekte waren klasse und die Akustik war so klar, man hätte gehört wenn jemand eine Stecknadel fallen gelassen hätte. Na gut, eine Stecknadel nicht unbedingt, aber zwei Reihen vor mir hat jemand ein paar Münzen verloren die man tatsächlich klimpern hörte. Das war fast schon mehr als ein Konzert, es war wie eine epische Reise durch eine geheimnisvolle Landschaft die von jeder nur denkbaren Mythologie geprägt ist.

Ich organisierte mir noch schnell eine Setlist und nachdem ich mich noch ein Weilchen mit ein paar netten Bekannten unterhielt, trat ich gemütlich den Heimweg an. An dieser Stelle möchte ich mich noch bei den Veranstaltern, dem freundlichen Personal und den Bands samt Crews für diesen gelungenen Abend danken und alle Besucher herzlich Grüßen.

Bis zum nächsten Konzert,

Tim Frontfleisch

Text: Tim Frontfleisch

Fotos: Brausi

Anhur
  • Autor: Anhur