Deathcrusher Tour 2015

Saarbrücken an einem heiligen Sonntag zu besuchen kann ja sowas von knallhart sein... Besonders dann, wenn die Herren von CARCASS, OBITUARY, NAPALM DEATH, VOIVOD und HEROD in der Garage eine akustische Dampframme erster Kajüte zu bieten haben.

Los ging es mit HEROD, wobei sich zunächst nur geschätzte 150 Nasen vor der Bühne einfanden, um sich warmzuhören. Ihre Musik selbst als "Progressive Sludge" umschreibend, zogen sich die Schweizer für mein Empfinden gewiss nicht schlecht aus der Affäre. So richtig zum Publikum überspringen wollte der Begeisterungsfunke allerdings auch nicht, sodass man nach ca. 30 Minuten Spielzeit unter etwas mehr als Höflichkeitsapplaus das Feld für VOIVOD räumte.

Herod
8 Bilder
Voivod
8 Bilder
Napalm Death
8 Bilder
Obituary
11 Bilder
 
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Setliste HEROD

  • Sad Hill, Pt. 2
  • Betraying Satan
  • Northern Lights
  • Glory North


Stilistisch konnte ich mich ehrlich gesagt nie so richtig für die kanadischen Progressive-Thrash-Veteranen begeistern. Live überzeugten mich VOIVOD  allerdings auf ganzer Linie. Im Laufe des Gigs wandelten sich die Reaktionen des zahlenmäßig mittlerweile umfangreicher vertretenen Publikums, es waren ungefähr 800 Leute anwesend, von zunächst tendenzieller Reserviertheit bis hin zu lautstarker Begeisterung gegen Ende des Auftritts. Insbesondere Sänger Denis Belanger, der mich mit seiner Mimik, Gestik und allgemeinen Körpersprache irgendwie immer wieder latent an OZZY erinnerte, sowie Gitarrist Dan Mongrain schafften es vor allem auch durch ihre tolle Bühnenpräsenz, der Meute mächtig Feuer unter dem Allerwertesten zu machen. Ein sehr kurzweiliges Vergnügen.

Setliste VOIVOD

  • Ripping Headaches
  • Tribal Convictions
  • The Unknown Knows
  • Psychic Vacuum
  • The Prow
  • Order Of The Blackguards
  • Forever Mountain
  • Voivod

Anschließend gaben NAPALM DEATH ein musikalisches Inferno zum Besten, das seinesgleichen sucht. Heiliges Blechle! Barney Greenway sollte sich ernsthaft überlegen, ob er sich für Auftritte nicht nach Kilometergeld bezahlen lassen möchte. Als regelrechter Bühnensprinter wäre der Frontmann höchstwahrscheinlich im Handumdrehen äußerst wohlhabend! Während der Songs hegte man den Verdacht, er befände sich in einem Zustand irgendwo in der Schnittmenge zwischen Hyperaktivität, Tollwut und nacktem Wahnsinn, seine Ansagen hingegen gestalten sich supersympathisch und irgendwie familiär ("Love an peace for you my friends."). Ein wahres Energiebündel der Mann. Und authentisch darüber hinaus. Zu "Suffer The Children" hoben erstmals an diesem Abend Crowdsurfer ab, wobei die Flugfrequenz insbesondere bei "Nazi Punks Fuck Off" ganz gewaltig zunahm, was der Security den einen oder anderen Schweißausbruch beim Auffangen vor dem Fotograben beschert haben dürfte. Fast wie in alten Zeiten, als sich der ordinäre Metalfan noch nicht ganz so brav und angepasst wie heutzutage vor der Bühne verhielt, sonder wesentlich extremer "mitschunkelte". Aber bekanntlich war früher sowieso alles besser. Außer vielleicht die Frisur von Andrea Merkel. Aber das ist ein anderes Thema...  

Setliste NAPALM DEATH

  • Intro: Apex Predator - Easy Meat
  • Silence Is Deafening
  • When All Is Said And Done
  • Smash A Single Digit
  • Metaphorically Screw You
  • Scum
  • Social Sterility
  • Deceiver
  • How The Years Condemn
  • Suffer The Children
  • Strong Arm
  • You Suffer
  • Nazi Punks Fuck Off
  • Adversarial / Copulating Snakes

Den mit Abstand besten Sound des Abends hatten OBITUARY. Selbiger ließ vor allem bei HEROD, NAPALM DEATH und zumindest phasenweise sogar beim Headliner CARCASS für meine Ohren doch zu wünschen übrig. Insbesondere wenn Blastspeed-Passagen zum Einsatz kamen, brezelte einem leider nur Klangbrei um die Hörorgane. Schade, denn dass es auch differenzierter gehen kann, stellten OBI im Folgenden unter Beweis. Glasklar kroch das Todesblei der US-Amerikaner aus den Boxen. Dazu ein gewohnt finster dreinblickender Trevor Peres, der sich ein geniales Riff nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelte, und John Tardy am Mikro, welcher seinem Status als Vorzeige-Brüllwürfel seiner Zunft alle Ehre machte. So soll es sein. Für mich persönlich die Gewinner des Abends. Und übrigens: schenkt man Hardcore-Fans der Band Glauben, lässt sich die menschliche Existenz bzw. der Sinn und Zweck des Lebens auf lediglich drei Worte reduzieren: SLOWLY WE ROT!!!

Setliste OBITUARY

  • Redneck Stomp
  • Centuries Of Lies
  • Visions In My Head
  • Intoxicated
  • Bloodsoaked
  • Dying
  • Find The Arise
  • 'Til Death
  • Don't Care
  • Slowly We Rot

Auch die wiedererstarkten CARCASS legten einen beachtlich Auftritt hin und boten technisch gut gespielten Death Metal. Es verwundert kaum, dass Jeff Walker und Kollegen bei der Zusammenstellung ihrer Setliste zu über 50 Prozent auf Songs des formidablen Comeback-Albums "Surgical Steel" zurückgriffen, zumal die Scheiblette bei ihrer Veröffentlichung vor gut zwei Jahren durchweg gute bis begeisterte Kritiken einheimsen konnte. Nichtsdestotrotz kam älteres Material, wie beispielsweise "Buried Dreams" (ich liebe das Heartwork-Album!), "Reek Of Putrifaction" oder "Corporal Jigsore Quandry" natürlich nicht zu kurz. Die Fans waren begeistert und brachen im Anschluss an die beiden Zugaben "Mount Of Execution" sowie dem genialen "Heartwork" erschöpft aber glücklich in Richtung Heimat auf.  

Setliste CARCASS

  • Intro: 1985
  • Unfit For Human Consumption
  • Buried Dreams
  • Incarnated Solvent Abuse
  • A Congealed Clot Of Blood
  • Cadaver Pouch Conveyor System
  • Noncompliance To ASTM F 899-12 Standard
  • This Mortal Coil
  • The Granulating Dark Satanic Mills
  • Captive Bolt Pistol
  • Exhume To Consume
  • Reek Of Putrefaction
  • Corporal Jigsore Quandary

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  • Mount Of Execution
  • Heartwork

Artikel & Bilder: Brausi

Brausi
  • Autor: Brausi