Devin Townsend Project live in der Garage Saarbrücken (Transcendence Tour), 18.08.2017

Devin Townsend Project? Devin ... Townsend?
Den Namen hatte ich doch schon mal gehört ...
...natürlich, der Kanadier war der Sänger eines meiner absoluten Lieblingsstücke gewesen - "In my dreams with you" von Vai, anno '93! Auf dem Wohnzimmerboden vor der Glotze liegend hatten wir den Titel in meiner ehemaligen WG laut mitgesungen, wann immer er auf MTV lief (ja, damals kamauf dem Sender tatsächlich noch Musik), ich besitze natürlich die CD und kann den Text heute noch auswendig. Später hatte ich irgendwann mal mitbekommen, dass der Mann als Strapping Young Lad Musik machte, aber das Ganze nicht weiter verfolgt, weil es mir zu grob war.

Jedenfalls weckte Anhurs Frage, ob ich ihn in die Garage begleiten wollte, in der Townsends aktuelle Formation im Rahmen der Transcendence Tour aufspielen würde, interessante Erinnerungen. Ich sagte zu.
Kurzfristig versuchte ich, meine 24 Jahre lange musikalische Bildungslücke zu schließen. Leider reichte die Zeit bis zum Konzert nicht zum intensiven Anhören der 17 oder 18 Alben aus, die Townsend in verschiedenen Formationen und als Solokünstler aufgenommen hatte, also beließ ich es bei einem kursorischen Überblick und stand schließlich (fast) völlig unbelastet unter der riesigen Discokugel der Garage. Für das alters- und genremäßig sehr gemischte Publikum waren die zum Sitzen geeigneten Aufbauten auf der Publikumsfläche der Garage durchaus angemessen. Zumindest verkürzten sie meinen alten Knochen die Wartezeit!

Fight the Fight
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Devin Townsend Project
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Fight the Fight

Irgendwie hatten wir verpeilt, dass es auch einen Opener geben würde. Umso überraschter waren wir alle beide, als die Metalcore-Combo Fight the Fight die Bühne stürmte - anders kann man es nicht nennen - und losrockte, was das Zeug hielt. Auf der Bühne lose drapiert: eine norwegische Fahne. Kombiniere: sie sind aus Norwegen. Und sie hatten Energie! Eine knappe halbe Stunde lang tobten Fight the Fight auf der Bühne. Die schön tanzbaren, harten Klänge zwangen mich dazu, von meinem Alte-Knochen-Thron zu steigen und unter der Discokugel den Kopf zu schütteln. In Zustimmung natürlich.
Vier Titel später verabschiedeten Fight the Fight sich von einem Publikum, das nun aufgewärmt und zu allem bereit war, nur um später am Abend im Graben vor der Bühne wieder aufzutauchen, um zu den Klängen von DTP zu tanzen. Aber das ist eine andere Geschichte...

Devin Townsend Project

Nach Antritt des Projektteams erschien Devin Townsend, Multi-Instrumentalist und offenbar auch Synästhet, wie weiland Rob Halford auf einem prolligen Zweirad auf der Bühne. Nur handelte es sich bei diesem Zweirad um ein Fahrrad, und die Judas-Priest-Witze folgten auf dem Fuß.

Überhaupt Witze:  Bestens gelaunt unterhielt Townsend das Publikum zwischen einzelnen Titeln immer wieder mit Anekdoten. Aber die waren nicht das Wichtige ... wichtig war die Musik. Progressive Metal, sagen die einen, Prog Rock die anderen, und wieder andere sprechen von experimentellem New Age Rock - und alle haben Recht, irgendwie. DTP sind in jedem Fall progressiv und experimentell, ihre Alben so unterschiedlich wie zahlreich,  und das spiegelte auch die Trackliste am 18. August in der Garage wieder.

Erstaunlicherweise stiegen DTP hart mit "Rejoice" vom Album Z² ein anstatt mit einem der zahlreichen epischen Soundteppiche vom Album Transcendence, nach dem die Tour immerhin benannt war.  Überhaupt war es ein abwechslungsreiches Set: treibender Rock und epischer Metal gingen Hand in Hand mit trashigem Geschrammel - manchmal alle im gleichen Titel. Devin Townsends Stimme jedenfalls machte alles mit Bravour mit, von melodischem Flüstern über röhrendes Schreien bis hin zu Falsett mit Vibrato. Ja, ein Fest der musikalischen Vielfalt spielte sich auf der Bühne der Garage ab, dazu Blümchenlaser, Discokugelgeglitzer und Devin Townsends leuchtende Gitarre - eine einmalige Stimmung, in der norwegische Jünglinge wie in Trance im Bühnengraben wankten. Es heißt ja, Devin Townsend würde andere Sinneseindrücke auch als Farben wahrnehmen. Ich wage mir nicht vorzustellen, welches Spektakel  sich für diesen Mann auf der Bühne abgespielt haben muss!
Und dann, plötzlich und unerwartet und viel zu schnell, war alles vorbei.

Na, zumindest beinahe. Natürlich ließen sich die begnadeten Musiker des DTP durch "Zugabe"-Rufe wieder zurück auf die Bühne bewegen, wo Devin Townsend dann solo mit einer Akustikgitarre das melodische "Ih-Ah" sang - ein starker Kontrast zu den Power-Titeln, die es bis zu diesem Zeitpunkt gehagelt hatte. Beim allerletzten Song, dem epischen "Higher", das dann tatsächlich wieder vom Transcendence-Album stammte, wagten Anhur und ich die Flucht, um beim Massenexodus, der darauf sicherlich folgen würde, nicht unter die Hufe zu geraten.
Unbeschadet und schwer beeindruckt vom DTP-Spektakel gelangten wir nach draußen.

Fazit:

Ein für diverse Zielgruppen rundum gelungenes Konzert, das keine Wünsche offen ließ ... außer, dass es etwas länger hätte dauern können.

Setliste:

Rejoice Night Stormbending Failure Hyperdrive Where We Belong Deadhead Ziltoid Goes Home Supercrush! March of the Poozers Kingdom

Zugabe:

Ih-Ah! Higher

Text: Crowfield

Bilder: Anhur

Nicole Schuhmacher
  • Autor: Nicole Schuhmacher