FAUN Midgard Tour

17.09.2017 Neue Gebläsehalle Neunkirchen

Beginn 18:00 Uhr

Die bayrischen Pagan Folker FAUN sind 2017 mit ihrem neuen Album "Midgard" auf gleichnamiger Tour und besuchen uns auch im Saarland. Sie bilden den Abschluss der Neunkircher Nächte 2017 und spielen in der bestuhlten neuen Gebläsehalle.

FAUN sind seit über zehn Jahren ein wichtiger Bestandteil der internationalen Mittelalter- Szene und haben seit 2002 weltweit mehr als 750 Konzerte gespielt. Die Band kombiniert romantische und mythische mittelalterliche Musik und Zitate mit musikalischen Einflüsse der Gegenwart zu einem einzigartigen im modernen deutschsprachigen Mittelalter-Folk. 

Übergroße japanische Trommeln und elektronische Rhythmen verwachsen mit Dudelsack, Harfe, Leier und Laute zu einem einzigartigen Ganzen. FAUN, das sind aktuell Oliver s. Tyr, Fiona Frewert, Niel Mitra, Stephan Groth, Rüdiger Maul und Katja Moslehner. Mit ihrer Musik öffnen sie ein eigenes Tor zu den Gefühls- und Gedankenwelten vergangener Epochen.

Verkaufstechnisch gelang der Band 2012 der endgültige Durchbruch mit den Tonträger „Von den Elben“, der  mit Platin ausgezeichnet wurde und zweimal für den Echo nominiert war. Das Nachfolgewerk „Luna“  hat Gold erreicht. Öffentlich hagelte es für „Von den Elben“ heftige Kritik der Fans in Form von "Ihr verkauft Eure Ideale" und "was habt ihr euch dabei gedacht" … 

 

Was hat sich verändert?

Mit diesem Wechsel zum Universal Label hat sich die Musik von FAUN dem Mainstream angenähert. Natürlich erinnert uns das alle ein wenig an die Entwicklung bei „Unheilig.“ Eigentlich hat die musikalische Qualität nicht gelitten, diese ist wie gewohnt auf sehr hohem Niveau, aber der Klang hat seine Andersartigkeit, seine Einzigartigkeit eingebüßt und hört sich fremd und flacher an. Der frühere abwechslungsreiche Sprachgebrauch, der häufig Ausflüge in die Sprachen älterer Epochen bedeutete, verschwand ebenso wie die Lyrik alter Zeiten. So wurde zum Beispiel "und später Schöne teile das Bett mit mir, dass ich nicht so frier" aus dem Stück "Tanz mit mir" völlig eliminiert.

FAUN selber reagierte enttäuscht auf die Fans, da sie zurecht proklamierten, dass Veränderung ein Teil der Entwicklung eines Künstlers ist, ob aus kommerziellen Gründen oder auch aus anderen.

Nun... ein wenig hat die Glaubwürdigkeit gelitten, da Lieder, die Menschen zu Mythen, Märchen oder zur lebendigen Natur tragen sollen, sich im (ansonsten eher flachen und oberflächlichen) Schlager-Kontext ein wenig verlieren. FAUN hat dafür aber eine unglaubliche Anzahl von neuen Fans gewonnen, die genau die Musik, die die Veränderungen brachte, begeistert.

Ich habe die Band in den letzten Jahren aus den Augen verloren, da ich wie viele andere auch enttäuscht war vom Album "Von den Elben" und mich mit „Luna“ nur bedingt anfreunden konnte. Auch Anhur, der mich 2009 zu meinem ersten FAUN-Konzert mitgenommen hat, hat die Veränderung der Band danach nicht mehr wirklich wahrgenommen. Lustigerweise ergab es sich, dass ich auf der FARK ein angenehmes Gespräch mit einem gereiften Oliver Pade führte, der mir erklärte, FAUN habe sich doch wieder sehr seinen Anfängen angenähert. Er lud mich ein, mir doch unbedingt das Konzert in Neunkirchen anzuhören, wo die Band im September sei, was ich auch - neugierig geworden - gerne mit Anhur getan habe.

Mit dem aktuelle Studio Album „Midgard“ wollen FAUN nun zurück zu ihren Ursprüngen und beleuchten die Mythologie der Germanen und Wikinger. Sie haben dafür Sonnen- und Mittsommertänze geschrieben und  besingen sowohl den keltischen Gott Lugh als auch den Meeresgott Manannan Mac Lir für eine unbeschadete Seefahrt. FAUN erzählen von Alswinn dem Himmelsross, vom Göttervater Odin und entführen den Zuhörer in zauberhafte Birkenhaine.

Am 17ten holt mich Anhur ab und wir fahren gemeinsam zur neuen Gebläsehalle. Gegen 17:30 Uhr betreten wir die Halle, wo einst der Wind für die Neunkircher Hochöfen erzeugt wurde. Sie ist ein heute ein bemerkenswertes technisches Denkmal und liegt im Herzen der Neunkircher City im alten Hüttenareal. Die bauliche Erweiterung und Neugestaltung hat den industriellen Charakter gewahrt und bietet Raum für sehr unterschiedliche Veranstaltungen. Der große Saal bietet mit ansteigender Theaterbestuhlung maximal 1000 Besuchern Platz.

Bei unserer Ankunft unterhalten sich zahlreiche Konzert-Besucher bereits gut gelaunt auf dem Vorplatz, im Foyer, oder sie sitzen schon erwartungsvoll auf Ihren Plätzen in der Gebläsehalle.

Sie unterscheiden sich ebenso extrem in ihrem Outfit wie im Alter.

FAUN hat es geschafft, heute Jung und Alt, Mittelalter-, Gothic- und Schlagerfans in ein bestuhltes Konzert zu locken.

Das Konzert beginnt pünktlich um 18:00 Uhr. Bühnen- und Lichtshow ergänzen das stimmungsvolle Bühnenbild. Oliver begrüßt die Fans zur Begeisterung aller in saarländischer Mundart und startet mit der Frage, wer denn noch nie in einem FAUN-Konzert gewesen sei. Erwartungsgemäß werden circa 90 % aller Arme in die Luft gestreckt. (Anhurs Logik: „von 40.000 auf 400.000 Tonträger bedeutet 90 % neue Hörer … ergo stimmt die Relation“). 

Dies wird von Oliver mit dem Rat kommentiert, die Konzertbesucher sollten doch in der Pause Gesprächsgruppen bilden, um das Erlebte zu verarbeiten. Dann erläutert er thematische Inhalte und die Tatsache, dass das Konzert in zwei Teile durch eine Pause getrennt wird. Im ersten Teil wird es Balladen geben, im zweiten beschwingte Tänze. Für Letztere erläutert er aufgrund der Bestuhlung der Halle auch sofort Regeln, damit die ruhigeren Konzertgäste nicht in ihrem Hörgenuss beeinträchtigt werden.

Mit der traurige Ansage, dass Drehleierspieler Stephan Rücken erkrankt ist, startet das Konzert mit einem Lied der Hoffnung für ihn. Auf „Andro“ folgen das Lied „Alba“ in einer neuen Interpretation und das „Siegurdlied“, „Walpurgisnacht“ und die „Nacht des Nordens“, „Diese kalte Nacht“, sowie die „Rabenballade“.

Zwischen den Liedern erzählt Oliver etwas über Fruchtbarkeitsrituale und studiert eine Melodie mit den Konzertbesuchern ein, die alle mitsingen. Männer und Frauen in einem kleinen Wettstreit. Ungewohnt ist, dass die Texte nun fast durchgängig in deutscher Sprache gesungen werden.

Die bewegende „Rabenballade“ bildet den Abschluss des ersten Teils. Sie  hat ihre Wurzeln im mittelalterlichen schottischen Volkslied "Twa Corbies". Ein edler Held ist im Kampf gefallen und stirbt nun im Moor. Über ihm sitzen die Raben in einem Baum und freuen sich bereits auf ihr frugales Mahl. FAUN haben im zweiten Teil der makabren „Rabenballade“ die Absurdität des Krieges mit einem eigenen Text konkret thematisiert. Es ist traurig, das der Text des Liedes heute noch so aktuell ist wie vor über 500 Jahren. 

Anschließend wird das Publikum, das begeistert dem Konzert folgt, stimmungsvoll mitgeht und applaudiert, zur kommunikativen und heilsamen Pause und zum Shopping am Merch-Stand entlassen. 

Auch in der Pause ist die Begeisterung der bunten Konzertbesucherschar deutlich zu spüren. Wohlwollend, wenn auch etwas zurückhaltender reagieren die Mitglieder der Mittelalter– und Gothic Szene, die FAUN die Veränderung wohl immer noch nicht so ganz verziehen haben. Anhur und mir gefällt das Konzert sehr gut und wir nehmen uns vor, zu Hause noch einmal intensiv die alten CDs zu hören, um die Veränderung zu erspüren. 

Nach der Pause geht es mit „Lughnasad“, einem eindrucksvollen Percussion-Solo, „Odin“, „Pearl“, „Iduna“, „Rihannon“ und mit einem (wenn auch gegenüber früher veränderten) fantastisch gespielten „Wind und Geige“ weiter.

Lughnasad“ ist ein Lied über die gleichnamige Feier in der keltischen Tradition, die zum Beginn der Erntezeit abgehalten wird und auf den mythologischen Helden und Anführer der Tuatha de Danann namens „Lugh“ zurückgeht. Es ist ein Fest, bei dem man mit Musik, Tänzen, Wettkämpfen und Ritualen den Göttern und Geistern dankt, dass der Sommer fruchtbar war und dass eine reiche Ernte zu erwarten ist. Ein keltisches Erntedankfest. 

Zu unserer Freude erklingen die Lieder nun vermehrt wie früher in fremdländischen Sprachen: Trotz oder gerade wegen der extravaganteren Töne geht das Publikum begeistert mit. Mehr noch:

Die Stimmung steigt vernehmlich an und Applaus und Jubel steigern sich von Lied zu Lied.

Und so werden auch mit frenetischen Applaus die geplanten Zugaben „Herrn Topal“ sowie „König von Thule“ erreicht, und nachdem der Applaus immer noch nicht enden will, gibt FAUN noch ungeplant ein weiteres aktuelles Lied zum Besten.

Eine großartige Leistung, wie FAUN es geschafft hat, mit einem eher deutschen Einstieg in ihre einzigartige Musik nach der Pause mehr und mehr der ursprünglichen Töne einzubringen und das extrem gemischte Publikum mitzureißen (oder wie Oliver es nannte: „Durch Gesprächsgruppen die neuen Eindrücke zu verarbeiten und zu verinnerlichen“). Viele der Hörer hält es denn am Ende nicht mehr auf den Plätzen und sie tanzen zu den wunderschönen Klängen. 

Nach ca. 2 Stunden endete diese Veranstaltung, die ihren Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben wird, mit einem „DANKE NEINKEIJE, DAS WAR SAUGUDD“.

Fazit

FAUN ist heute Abend der Spagat zwischen eingängiger und einzigartiger Musik gelungen. 

Sie schicken ihre Fans mit „Midgard“ in ein unbekanntes Land der nordischen Mythen. Die „Midgard – Tour Edition“ nimmt diese Idee auf und mischt selbige mit älteren Songs der jahrzehntelangen Historie der Gruppe. Alles in allem ein tolles und einzigartiges Konzert, welches sanft - zuerst in deutsch - ein eigenes Tor zu den Gefühls- und Gedankenwelten vergangener Epochen öffnet. 

Der Klang der mittelalterlichen Instrumente und die archaischen Klanglandschaften von Faun entführen das Publikum in die vergangene Welt. Erstaunlich, dass der zweite und ursprünglichere Teil des Konzertes den intensivsten Applaus erhält. Am Ausgang höre ich einen der Ordner mit Inbrunst sagen, dies sei ein außergewöhnlich gutes Konzert gewesen. 

„Danke FAUN für diesen tollen Abend – ich hoffe ihr setzt den Trend fort und bereichert unser musikalisches Erleben um weitere Besonderheiten.“

Zur Info für Fans und solche die es (ggf. auch wieder) werden wollen: 

Das aktuelle Album „Midgard – Tour Edition“ steht als Promotion-Album im MPN zur Verfügung.

Baghira

Baghira
  • Autor: Baghira