FISH Weltschmerz/Clutching At Straws - Tour 2018

SUPPORT: DORIS BRENDEL
MI, 14.11.2018 20:0 Uhr in der GARAGE, Bleichstraße 11 - 15, 66111 SAARBRÜCKEN


FISH war ebenso wie Powerwolf dieses Jahr auf großer Europatournee und beendet sie hier mit uns in Saarbrücken.
Derek William Dick, der immer wieder sagt „call me the FISH“, erlangte 1981 erste Bekanntheit als Sänger der britischen Rockgruppe MARILLION. Nach 7 Jahren und insgesamt vier Studio und zwei Livealben verließ Derek die Band 1988 und startete seine Solokarriere. Der schottische Haudegen ist inzwischen 60 Jahre alt und spricht immer wieder davon, sich zur Ruhe zu setzen.
Das neue Album mit dem Titel „Weltschmerz“ soll das letzte sein. Es erscheint entgegen der ursprünglichen Planung erst in 2019, so dass die Zuschauer der Tour das neue Material nicht kennen. FISH brachte daher vorab die EP „A Parley With Angels“ heraus, die drei der neuen Songs enthält. Gemeinsam mit dem Bassisten Steve Vantsis hat er so viel Material geschrieben, dass das letzte Soloalbum zugleich das erste Doppelalbum des Schotten werden wird.

Die aktuelle Tour trägt den Titel „Clutching At Straws / Weltschmerz“ – und genau das bekommen die Zuschauer.  Das komplette Marillion-Album aus dem Jahr 1987 wird gespielt. Aufgelockert wird die Setlist durch vier Songs des kommenden Albums. In Luxemburg, besser Dudelange, fand nach den Konzerten in Großbritannien der „europäische“ Tourstart statt. In Köln war der erste Gig in Deutschland, hier trat die Band ohne Support auf.
Das heutige Konzert startet mit Doris Brendel, die auch als Backgroundsängerin in FISHs Band fungiert.

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Fish
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Doris Brendel ist eine gebürtige österreichische Folk-Pop-Rock-Musikerin und die Tochter des berühmten klassischen Pianisten Alfred Brendel. Sie war die treibende Kraft hinter den 1990er-Alt-Rockern „The Violet Hour“ und war an vielen Projekten beteiligt. So machte sie Aufnahmen mit vielen populären Künstlern wie auch MARILLION. Erst im Jahr 2010 nahm Brendel sich Zeit für ein eigenes Album-Projekt. In ihren Werken spiegelt sich ihre facettenreiche Persönlichkeit.
Doris Brendel ist eine aufregende Live-Sängerin, deren Band nicht nur mit musikalischen Qualitäten, sondern auch mit ausgefallenen Steam-Punk-Kostümen punkten kann.
Vor einem Publikum, welches den höchsten Altersschnitt in einem Kozert hat, den ich je erlebt habe, spielt die Band einen Teil ihres Repertoires. Doris ist schon eine interessante Erscheinung, und das nicht nur wegen ihres weißen Spitzenkleides und den roten Haaren. Die Musik von Doris ist nicht so mein Fall, die Konzertbesucher sind aber offensichtlich sehr davon angetan.
Begeistert hat mich ihr Spiel der britischen Tin Whistle (Low Whistle), einer Blechflöte, die hauptsächlich in der irischen Folkmusik zum Einsatz kommt. Das beherrscht sie herausragend und kann dies auch später im Rahmen der Performance von FISH weiter ausbauen. Nach einer knappen Stunde beendet Doris Brendel das Konzert und macht die Bühne für den FISH frei.

FISH startet nach einer kurze Umbauphase mit „Slàinte Mhath“, dem ohnehin perfekten Opener, der auch die 87er Marillion Tour einleitete. Gefolgt wird es von dem neuen „Man With A Stick“. Passend dazu wirbelt er mit einem Stock.
Das neue Material passt gut zwischen die Lieder des 31 Jahre alten Albums, ist aber nicht so Keyboard- lastig. In einer kurzen Ansprache blickt FISH denn auch etwas wehmütig auf alten Zeiten zurück. Es folgt das berühmte Triple „Hotel Hobbies“, „Warm Wet Circles“ und „That Time Of The Night“ am Stück. Hier zeigt sich, dass Doris Brendel im Background einen fantastischen Job macht und Fish in den Höhen gründlich unterstützt.

Fish lobte das Publikum in Saarbrücken und lästert über Trump und Teresa May, philosophiert über den Brexit. Er ist eben ein wenig politisch. Das „Weltschmerz“-Album ist nach Fishs Angaben sehr vom deutschen Autor Hans Fallada beeinflusst. So hat ein Song den Titel „Little Man What Now“ nach dem gleichnamigen Roman, der sich mit dem Leben eines kleinen Mannes zu Zeiten der Weimarer Republik und der Weltwirtschaftskrise beschäftigt. Im Konzert leitet das Lied direkt über zu „Torch Song“ und einem fulminanten „White Russian“, das ebenfalls die Wirrungen der 30er und 40er Jahre zum Thema hat.
Dann folgt ein neues Stück namens „C Song“, das nicht auf der EP enthalten ist. Überaus passend zum „Weltschmerz“-Thema geht es um das Hadern mit sich selbst und der Umgebung. Und im Anschluss gibt es mit „Going Under“ einen Song, den Steve Rothery und FISH in letzter Sekunde für „Clutching At Straws“ geschrieben haben, der nie live gespielt wurde. Endlich folgt der einzige wirklich größere Hit des Abends: „Sugar Mice“ – vom Publikum entsprechend bejubelt.
Mit „Waverly Steps“ folgen wir dem Fish dann in die Welt der Depressionen.  Sehr bewegend so nah am Ende des Sets. Und zum Abschluss des Konzerts gibt es natürlich „The Last Straw / Happy Ending“, der auch das Marillion-Album ausklingen lässt. Für die Zugabe hat Fish sich etwas besonderes ausgedacht. „Tux On“ war ja nur B-Seite von „Sugar Mice“. FISHs Stimme ist gereift und live voller Aggressivität und Authentizität. Und schließlich beendet er mit „Incommunicado“ nach ziemlich genau zwei Stunden das Konzert.

Fish war in guter Form. Stimmlich ist „Clutching At Straws“ auf ihn zugeschnitten worden und das passt – vor allem mit Doris im Hintergrund.  Ein gelungenes Konzert vor allem für die Fans, die ihn seit der Zeit bei Marillion begleitet haben.

Setlist

  • Slàinte Mhath (Marillion song)
  • Man With A Stick
  • Hotel Hobbies(Marillion song)
  • Warm Wet Cir cles (Marillion song)
  • What Time of the Night (Marillion song)
  • Little Man What Now
  • Torch Song (Marillion song)
  • White Russian (Marillion song)
  • C Song
  • Going Under (Marillion song)
  • Sugar Mice (Marillion song)
  • Waverley Steps
  • The Last Straw (Marillion song)
  • Tux On (Marillion song)
  • Incommunicado (Marillion song)

Bericht & Fotos: Baghira

 

 

Baghira
  • Autor: Baghira