Hammerfall - World Wide (r)Evolution Tour 2014 - 2015

Wir erinnern uns: Ein gewaltiger, alles überrollender Grunge-Tsunami fegte in den Neunzigern des vergangene Jahrhunderts gnadenlos über die metallische Musiklandschaft, um der vom Aussterben bedrohten Hartwurstfraktion geschmackstechnisch Tod und Verderben zu bringen. Anno 1997 erhob sich hoch im Norden jedoch eine Rettungsinsel namens HAMMERFALL aus den Fluten, welche mit ihrem fulminanten Debut "Glory To The Brave" eine Kehrtwende und Rückbesinnung auf alte Tugenden im neuen Gewand brachte.

Serious Black
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Orden Organ
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Hammerfall
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Bereits kurze Zeit später schieden sich bezüglich der hammerschwingenden Schweden allerdings die Geister. Einerseits schaffte es die Combo, zahlreiche, enthusiastische Fans hinter sich zu vereinen, für die man quasi als Heilsbringer der IG Metall galt. Andererseits zogen HAMMERFALL insbesondere durch kompromisslose, klischeebeladene Songtexte, das Bandimage sowie die Bühnenoptik immer wieder den Spott von Kritikern auf sich und wurden als Kasperletheater gebrandmarkt. Lustigerweise nicht selten von den gleichen selbsternannten Szenenwächtern und "Überzeugungstätern", die ihrerseits zu Beginn der Bandkarriere mit Hurraschreien nicht geizten. Ganz schon "untrue", wie ich finde. Aber ehrlich gesagt, mit Oscars zeitweise getragener Möchtegernschuppenrüstung, die ihm ein Hauch von Keksdosenoptik verlieh, kam auch ich nicht ganz klar. Aber das Tragen selbiger scheint zum Glück der Vergangenheit anzugehören, wie ich am 05. Februar in der Saarbrücker Garage livehaftig feststellen durfte.

Gespannt erwartete ich zunächst den Supergroup-Opener SERIOUS BLACK, wobei gleich zu Beginn des Auftritts Ernüchterung folgte, denn leider glänzten Schlagzeuger Thomen Stauch (Ex-Blind Guardian; Savage Circus) als auch Gitarrist Roland Grapow (Ex-Helloween; Masterplan) durch Abwesenheit. Glücklicherweise fand man mit Rami Ali (Freedom Call) sowie Babis "Bob" Katsionis (Firewind) einen hochwertigen Ersatz, um die Tour durchzuziehen und das kürzlich erschienene Debut "As Daylight Breaks" live zu promoten. Den Göttern sei Dank konnte man sich zumindest auf Frontmann Urban Breed (Ex-Tad Morose; Trail Of Murder) verlassen, dessen Stimmbänder meiner Meinung nach mit zu den besten gehören, die im Bereich Power Metal heutzutage geschwungen werden. Aber abgesehen davon, dass unser Urban an diesem Abend wieder einmal verdammt gut sang, setzen er und seine Mitstreiter auch Maßstäbe, was die Spielfreude, Agilität sowie Dynamik während der Show anging. Und das, obwohl man sich wegen des im Hintergrund bereits errichteten HAMMERFALL-Aufbaus platztechnisch lediglich auf das vordere Drittel der Bühne beschränken musste. Nichtsdestotrotz nutzten die Musiker gekonnt den verfügbaren Raum, bewegten sich nahezu permanent, feixten miteinander und feuerten das Publikum zum Mitschunkeln an. Ein toller, sehr kurzweilige Auftritt.

Setliste Serious Black:

  • Intro (Temple Of The Sun)
  • Akhenaton
  • Setting Fire To The Earth
  • High And Low
  • Older And Wiser
  • Sealing My Fate
  • I Seek No Other Life

 

 

Vom Publikum lautstark begrüßt legten ORDEN OGAN mit "F.E.V.E.R." (Anm.: Bin ich eigentlich der Einzige, der sich beim Refrain des Songs latent an "Wishmaster" von Nightwish erinnert fühlt?) nach einer kurzen Umbaupause los, um im Folgenden einen Ohrwurm nach dem nächsten in die begierige Menge zu schmettern. Immerhin stand den Jungs mittlerweile etwas mehr Platz als ihren Vorgängern zur Verfügung, so dass man ca. die Hälfte des  kompletten Bühnenraumes hätte nutzen können. Allerdings traten die Ordensbrüder etwas hüftsteifer auf als SERIOUS BLACK, was aufgrund der mitreißenden Songauswahl und dem sympathischen Auftreten allerdings stimmungsmäßig kaum ins Gewicht fiel. Gemessen am Applaus überzeugten ORDEN OGAN nicht nur mich von ihren Livequalitäten. Schade nur, dass bereits nach acht Songs mit "The Things We Believe In" Schluss war. Hoffentlich beehren uns die Westfalen schnellstmöglich wieder. Vielleicht sogar als Headliner? Mit einem bärenstarken neuen Album wie "Ravenhead" im Gepäck würde mich das nicht wundern... 

Setliste Orden Ogan:

  • F.E.V.E.R.
  • To New Shores Of Sadness
  • To The End
  • The Lords Of The Flies
  • Ravenhead
  • We Are Pirates
  • Deaf Among The Blind
  • The Things We Believe In

 

 

Als um 21.15 Uhr dann erneut das Licht ausging, betraten HAMMERFALL die Bretter. Sichtlich gut gelaunt gab die Band Auszüge aus ihrer gesamten Schaffensphase zum Besten. Besetzungstechnisch gab es auch hier einen Ausfall zu vermelden, da Bassist Fredrik Larsson kürzlich zum zweiten Mal Vater wurde und aufgrund dessen für die Tour nicht zur Verfügung stand. Als Ersatzmann an den vier Saiten konnte man den ehemaligen HAMMERFALL-Gitarristen Stefan Elmgren gewinnen, der sich allerdings anlässlich des Instrumental-Medleys "400 Meter Medley" wie in alten Zeiten seine Klampfe umschnallte, um eine beeindruckende Show vom Leder zu ziehen. Coole Idee! Einen persönlichen Kritikpunkt hätte ich da übrigens noch. Es mag sein, dass es aus einiger Entfernung nett aussah, als Oscar an seinem Getränk nippte, um selbiges umgehend in bester Feuerspuckmanier quer über die Bühne zu pusten. Steht man allerdings als Vertreter der knipsenden Zunft unmittelbar vor dem Rotzkönig im Fotograben, empfindet man dieses "spritzige" Vergnügen tendenziell eher als unschön. Klingt zwar ekelig, war aber auch so.

Na ja, auf jeden Fall bedanke ich mich bei den drei Bands für einen sehr netten und äußerst unterhaltsamen Konzertabend. Hoffentlich sieht man sich bald wieder. Bis dahin heißt es: Objektiv schrubben, Linse putzen und Poncho besorgen...

Setliste Hammerfall:

  • Hector's Hymn
  • Any Means Necessary
  • Renegade
  • B.Y.H.
  • Blood Bound
  • Heeding The Call
  • Let The Hammer Fall
  • Live Life Loud
  • 400 Meter Medley
  • Raise The Hammer
  • Threshold
  • Last Man Standing
  • Glory To The Brave
  • We Won't Back Down
  • HammerFall

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  • Templars Of Steel
  • Bushido
  • Hearts On Fire
Brausi
  • Autor: Brausi