Heidenfest 2013 in der Garage

Mit welcher Veranstaltung kann man die Saarbrücker Garage an einem gewöhnlichen Dienstagnachmittag füllen? Ganz richtig: Mit dem Heidenfest 2013. Wer das nicht so ganz fassen konnte, waren zumindest die Jungs des Openers ‚Frosttide‘ aus Finnland, die ihre Verwunderung über den Fakt ganz offiziell verkündeten.
Überhaupt war es ein Abend voller Wunder:  Alle Acts waren unglaublich pünktlich, Soundchecks (trotz Zugabe J ) und Umbaupausen mit eingeschlossen. Mir wurde keine Bierdusche zuteil. Und obwohl ich mir im Vorfeld  etliche Videos der Auftretenden gegönnt hatte, kam mir streckenweise kein einziger Titel auch nur annähernd bekannt vor.
Nun, zumindest für letzteres Wunder gab es am Ende dann doch noch eine rationale Erklärung: in meiner geschützten Ecke kam die Soundmixtur stark verzerrt an. Sollte ich also weiter unten von ‚experimentell‘, ‚progressiv‘ oder ‚jazzig‘ faseln, macht bitte meinen Standort dafür verantwortlich ^^.

Frosttide
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Suidakra
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Equilibrium
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Turisas
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Ensiferum
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Aber nun ... Vorhang auf für die Pagan/Folk/Viking/Melodic/Death Metaller, die am 25.09.2013 das Publikum in der Garage mit ihren Darbietungen beglückten.
Frosttide eröffnete den Reigen. Mit epischen Intros, kreisenden Haaren und melodischen Refrains verbreitete die noch recht junge Combo aus Finnland, die ihre Musik selbst als ‚Melodic Folk Metal‘ beschreibt, gleich gute Laune. Und tatsächlich war sehr melodisch, was in meiner Ecke ankam, ob ‚Ruins of Defeat‘ oder ‚Quest for Glory‘.

Suidakra aus Nordrhein-Westfalen stehen wohl im Ruf, ihre Alben besonders schnell einzuspielen. Mit diesem Wissen fällt es mir auch leichter, ihren Auftritt in der Garage einzuordnen: die Band sprang auf die Bühne, ließ es ordentlich krachen und mich durchgeschüttelt und mit zitternden Knien zurück – ganz so, als sei ein ICE an mir vorbeigefahren. Das mit dem ‚ordentlich krachen‘ meine ich wörtlich: Nur ein undefinierbarer Soundbrei mit Schlagzeug kam – vielfach verstärkt - bei mir an. Zuhause musste ich mich später noch einmal rückversichern, dass Suidakra auch wirklich Musik machen ;). Jedenfalls hatten sie großen Spaß an ihrem Auftritt. Ich hatte großen Spaß, als er wieder vorbei war.
Dermaßen vorgeschädigt, brauchte ich eine Weile, um mich durch den Soundmatsch hindurch an Equilibrium erfreuen zu können – doch die Bayern entpuppten sich als die Stimmungskanonen des Abends. Zu den epischen Klängen von ‚Der Sturm‘ zog eine mutige Zweimann-Polonaise mit einem epischen Stoffpapagei durch die Halle, und als ich wenig später plötzlich Jeremy Soules bekannte Klänge hörte, glaubte ich, zu halluzinieren. Aber bei ‚Himmelsrand‘ handelte es sich tatsächlich um ein Cover des Titeltracks von Skyrim. Damit hatten Equilibrium mich alte Zockerin gepackt, und alle Soundunfälle bis zu diesem Zeitpunkt  waren vergeben und vergessen.

Kommen wir zu Turisas. Deren ‚Battle Metal‘ schätze ich sehr, nur war an diesem Abend ihr Einstieg ins Geschehen nicht der Glücklichste. Wer beginnt seinen Set nach dem Abgang der Partymeister von Equilibrium schon mit etwas Balladeskem? Und wer trägt statt der erwarteten Krieger-Montur eine nietengespickte Lederjacke wie weiland Rob Halford (und post auch so)? Das sorgte tatsächlich für Kopfschütteln im Publikum, wobei ich nicht von headbangen rede. Aber erstens war Turisas die erste Band des Abends, die tatsächlich Bierflaschen auf der Bühne stehen hatte, zweitens machten die Finnen durch das Darbieten alter Hymnen wie z.B. dem namensgebenden ‚Battle Metal ‚den anfänglichen Rückstand wieder wett, und drittens waren sie der Act, der das meiste aus der Licht- und Nebelanlage holte.
Versöhnt wartete ich nun auf den Headliner Ensiferum, eine Band, die ebenfalls aus Finnland stammt und eigentlich melodischen Pagan Metal spielt. Eigentlich. Denn auch hier machte mir meine ‚Soundecke‘ Schwierigkeiten. Dafür gab es aber einen optischen Ausgleich, denn dank vergessener Brille war es nett, den berockten Jungs beim Spielen zuzusehen. Ein Hoch auf den natürlichen Weichzeichner! Aber davon ganz abgesehen war die Stimmung in der Halle nach einigen Klassikern (und spätestens bei ‚In my Sword I Trust‘) auf einem Höhepunkt angelangt.
Von der Reaktion der Menge ausgehend behaupte ich einfach mal, dass das Publikum an diesem Abend auf seine Kosten gekommen ist. Ich jedenfalls bin es.
Fazit: Taub, aber glücklich!

Fotos: Bernd