ASP in der Kammgarn

Vorahnung

Als wir am 5. April 2008 vor der Kammgarn aufschlugen, um 'Gothic Novel Rocker' Asp und Freunde auf ihrer 'Horror Vacui' - Tour zu bewundern, hatte ich zunächst eine schreckliche Vorahnung: totzutreten schienen sich diejenigen potenziellen ZuhörerInnen, die sich bis zu diesem Zeitpunkt dort eingefunden hatten, nicht gerade. ASP vor einer (zugegebenermaßen großen) Handvoll Leute, von denen mir etliche zumindest vom Sehen bekannt waren? Ob der Titel 'Horror Vacui', die Angst vor der Leere, an diesem Abend wörtlich zu nehmen war...?

Glücklicherweise verdichtete sich der Zustrom schnell, und schon bald war das Kasino gefüllt.

/cr

Lahannya
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ASP
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Lahannya

Gespannt warteten wir auf die Britin Lahannya und ihre Band, die ihre EP 'Welcome To The Underground' präsentierten. Die Songs, nach eigener Definition der Band eine Mischung aus Gothic und Alternative, zeichnen laut Band-Bio ein trauriges Bild der Zukunft voller Furcht und Lethargie. Dachte ich bei den ersten beiden dargebotenen Stücken noch 'die verstehen ihr Handwerk', 'klingt angenehm' und 'mal gespannt, was noch kommt', musste ich schnell feststellen, dass es bei dem 'klingt angenehm' bleiben sollte. Fahrstuhlmusik klingt auch angenehm, und die Furcht vor der bei mir einsetzenden Lethargie trieb mich in die Eingangshalle der Kammgarn. Dort vertrieb ich mir mit Bar-Getränken, dem Studium der begehbaren Gebäudeteile und der Beobachtung von Menschen, die nachtleuchtende Schmetterlingsanstecker kauften, einen Großteil der Zeit, die bis zum Auftritt von ASP noch vergehen sollte.

Nein, Lahannya und Band sind gewiss kein schlechter Act - wie ich schon anmerkte, verstehen die Jungs und Mädels ihr Handwerk, aber zumindest an jenem Abend ist es Ihnen einfach nicht gelungen, ausreichend Spannung zu erzeugen.

ASP

Als ASP schließlich auf der Bühne des Kasinos auftauchten, hielt sich die Begeisterung zunächst in Grenzen. Beim ersten Stück ging das Publikum noch nicht bis an die Grenzen seiner Möglichkeiten mit, aber dann... schnell hatte sich das Volk im Saal akklimatisiert. Ob der mächtige Frankfurter 'Weltunter' anstimmte, 'Finger weg', 'Ich bin ein wahrer Satan' oder 'Die kleine Ballade vom Schwarzen Schmetterling', jedes Lied wurde mit gleichmäßig viel Energie betanzt, besungen und beklatscht - bis ASP plötzlich und unerwartet nach gefühlten 10 Minuten von der Bühne gingen und das Licht erlosch.
In Realzeit waren garantiert schon zwei Stunden vergangen, denn fast die gesamte 'Horror Vacui' Setliste war zu diesem Zeitpunkt schon gespielt. Das hinderte die ZuhörerInnen im Kasino nicht daran, 'Zugabe' zu brüllen, denn *der* Gassenhauer, der absolute Kracher fehlte natürlich noch: 'Ich will brennen'.

Zugaben sollten sie bekommen; zunächst waren es drei an der Zahl, wobei Asp erklärte, dass er 'Und wir tanzten' immer ganz besonders gerne sang. Als die Band die Bühne wieder verließ, hatte die Kammgarn allerdings immer noch nicht gebrannt, und so skandierten die aufgebrachten Massen 'wir wollen brennen' - bis Asp und Kompanie tatsächlich wieder auftauchten und das verlangte Stück spielten.

Es war der würdige Abschluss eines gelungenen Konzertes, und ich konnte mit der Gewissheit ins heimatliche Nest zurück fahren, dass sich meine grauenvollen Vorahnungen nicht bestätigt hatten. Zumindest mein 'Horror Vacui', die Angst vor einem halbgefüllten Konzertsaal, war unbegründet gewesen.

Bilder: Anhur

Nicole Schuhmacher
  • Autor: Nicole Schuhmacher