Iced Earth - Incorruptible World Tour 2018

Erwähnte ich schon, dass ich leidenschaftlicher ICED EARTH-Verehrer bin? Nein? Na, dann dürfte das ja jetzt geklärt sein. Dass die Band bereits im vergangenen Sommer als Co-Headliner auf dem Saarmageddon-Festival in Saarwellingen spielte, stellte für mich schon eine kleine Sensation dar. Die Ankündigung im Netz, nicht einmal sechs Monate später im Rahmen der Incorruptible World Tour 2018 in Saarbrücken einschlagen zu wollen, ließ mich vor Freude erneut wie Rumpelstilzchen auf Extasy um den heimischen Schreibtisch tanzen. Besser hätte das Konzertjahr für mich wahrlich nicht beginnen können. Es folgt der entsprechende Bericht dieses denkwürdigen Ereignisses. Here we go...

Metaprism
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Freedom Call
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Zu Beginn sorgten METAPRISM als Vertreter des „Beauty-and-the-Beast-Metals“ für Stimmung. Männlicher Kreisch-Grunz-Gesang trifft auf weibliche Engelsstimme - kein neues Konzept, aber von den Briten ordentlich interpretiert und handwerklich solide umgesetzt. Ihr Material ging gut ins Ohr, die bewegungsfreudige Show gleichermaßen ins Auge und METAPRISM nach dreißigminütiger Spielzeit mit amtlichem Applaus von der Bühne. Insbesondere Sängerin Theresa Smith wusste das Publikum auf sympathische Art und Weise schnell auf ihre Seite zu ziehen, auch durch ihre charmant-drolligen Versuche, im Rahmen der Ansagen Deutsch zu sprechen. Da der komplette hintere Bereich für den Aufbau des Headliners reserviert war, stand METAPRISM nur das vordere Bühnendrittel als Aktionsraum zur Verfügung. Nicht viel, aber die Truppe machte das Beste daraus und legte einen gelungenen Start in den noch jungen Konzertabend hin.


Setliste Metaprism

  • Reload
  • Nebula
  • Carve The Stone
  • Resistance
  • Unleash The Fire
  • Unanimous  

Bei mir stößt es auf Unverständnis, dass manche selbsternannten Szenenwächter FREEDOM CALL als „Puddingcombo auf Kinderliederniveau“ abstempeln. Das menschliche Gefühlsspektrum, somit auch jenes des ordinären Schwermetallhörers, besteht halt nicht nur aus Aggression und Wut. Von daher hat natürlich auch nürnbergischer Happy Metal seine Daseinsberechtigung. Mir und dem größten Teil der angereisten Zuhörerschaft sagte der Stil von Chris Bay & Co. jedenfalls sehr zu. Gute Laune ist ja im Grunde genommen nichts Schlechtes, und die strahlte der Frontmann als Weltmeister im Dauergrinsen aus jeder Pore seines Körpers über die gesamte Spielzeit aus. Höflich bedankte sich Chris bei den Kollegen von METAPRISM für die Mitbenutzung des Schlagzeuges. Ein fanfreundlicher Umstand, der für reduzierte Wartezeiten während der recht kurzen Umbaupause mitverantwortlich sein dürfte. Darüber hinaus hieß er den von MASTERPLAN „ausgeborgten“ Tourdrummer Kevin Kott willkommen, welcher für den kurzfristig aus „positiven familiären Gründen“ (herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle) ausgefallenen Stammschlagzeuger Ramy einsprang, um sich binnen kürzester Zeit das zu spielende Songmaterial anzueignen. Eine reife Leistung! Im Vergleich zu METAPRISM mit nur geringfügig größerer Bewegungsfreiheit gesegnet, meisterte auch FREDDOM CALL die räumliche Herausforderung und nutzte den vorhandenen Raum perfekt. Ein gelungener Auftritt.

Setliste Freedom Call

  • Union Of The Strong
  • United Alliance 
  • Freedom Call 
  • Hammer Of The Gods 
  • Masters Of Light 
  • Warriors 
  • Metal Is For Everyone

Bereits die ersten Gitarrenklänge des Intros zu „Great Heathen Army“ machten deutlich, dass ICED EARTH gegenüber ihren Vorbands sowohl härte- als auch lautstärketechnisch einige Briketts draufzulegen gedachten. Rhythmusgitarrengott Schaffer blies dem Auditorium förmlich den Schmalz aus den verstopften Lauschorganen, seine Kollegen setzten mit nicht minderer Durchschlagskraft ein und Stu Block sang, als ginge es um sein Leben. Schnell wurde klar, es bahnte sich ein Siegeszug der eisigen Erdlinge an. Die Setliste ließ keine Wünsche offen. Frischlinge von der neuen „Icorruptible“-Scheibe („Black Flag“, „Seven Headed Whore“, „Ravenwing“, „Brothers“) standen gleichberechtig neben Klassikern der Bandhistorie, wie „Burning Times“, „Dracula“ oder „Last December“. Für Gänsehaut pur sorgte die komplett gespielte „Something-Wicked-Trilogy“ („Prophecy“, „Birth Of The Wicked“, „The Coming Curse“), während im Moshpit insbesondere die altbewährte Kombination von „Stormrider“ und „Angels Holocaust“ für Euphorie sorgte. Nicht von dieser Welt! Als im Zugabenteil dann auch noch das epische „Clear The Way (December 13th 1862) folgte, war der Abend perfekt und der Schreiber dieser Zeilen vollständig ins metallische Nirvana gebeamt. Nebenbei bemerkt, kann mir an dieser Stelle mal jemand erklären, warum letztgenanntes Stück „nur“ als Bonustrack auf der limitierten Icorruptible-Edition zu finden ist? Bei der überirdischen Qualität des Songs? Manchmal verstehe ich die Welt nicht mehr... Warf man während des Konzerts übrigens einen dezenten Blick auf den Merchandise-Stand, drängte sich der Verdacht auf, dass auch die Damen und Herren von METAPRISM große ICED EARTH-Fans zu sein scheinen. Textsicher unterstützen die Musiker ihre Kollegen auf der Bühne und sangen lautstark mit.

Setliste Iced Earth

  • Great Heathen Army 
  • Burning Times 
  • Dystopia 
  • Black Flag
  • Seven Headed Whore
  • I Died For You
  • Vengeance Is Mine 
  • Cthulhu
  • Dracula 
  • Brothers
  • Last December
  • Raven Wing
  • Prophecy
  • Birth Of The Wicked
  • Coming Curse
  • Stormrider
  • Angels Holocaust
  • Travel In Stygian

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  • Clear The Way (December 13th 1862)
  • Watching Over Me 

Abschießend noch eine Rüge meinerseits an alle Konzertschwänzer... Da spielt eine legendäre Göttertruppe wie ICED EARTH live in unseren Breitegraden. Die Halle hätte eigentlich voll bis unter das Dach sein müssen! Es stellt doch wohl wirklich ein regionales Armutszeugnis dar, dass sich de facto keine 500 zahlenden Gäste einfanden. Blamabel! An dieser Stelle noch ein gepflegtes „Schande über eure Häupter“ an alle altersschwachen Einstmetaller und Couch-Potatos, die durch Nichtanwesenheit glänzten: Beißt Euch gepflegt in den Gluteus Maximum, da ihr einen der wahrscheinlich sensationellsten Auftritte des Jahres verpasst haben dürftet. Und jetzt alle: ICED EARTH, ICED EARTH, ICED EARTH... So muss das. Jawoll!

Fotos & text: Brausi

Brausi
  • Autor: Brausi