In Extremo: Kunstraubtour 2013

Schön, dass St. Ingbert, genauer gesagt die Mechanische Werkstatt, IN EXTREMO mittlerweile zum Kreis erlesener Stammgäste zählen kann, um geneigten Freunden mittelalterlichen Hardrocks eine ordentliche Dosis neu veröffentlichtem "Stoffs" zu verpassen. Dass der Unterhaltungswert auch dieses Mal recht hoch war, versteht sich von selbst. Und das, obwohl die aktuell grassierende Influenza auch gegenüber den Musikern keine Gnade zeigte.

Hassliebe
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In Extremo
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Insbesondere Das Letzte Einhorn machte einen sichtlich angeschlagen Eindruck, als es sich nach dem Opener "Kunstraub" für eine im folgenden Konzert eventuell herabgesetzte Leistungsfähigkeit entschuldigte. Allerdings zu Unrecht, wie ich finde, denn trotz ziemlich blasser Nase bissen Sänger sowie Kollegen die Zähne zusammen und legten ohne Frage einen soliden Auftritt hin. Allerdings merkte man schon, dass die Band ihren Gig zügig hinter sich bringen wollte. Verständlicherweise. Da St. Ingbert die letzte Station der Tour darstellte, blieb anschließend noch genug Zeit, um sich regenerieren zu können.

Die Setliste bestand aus einem bunt gemischten Programm, welches alle Schaffensphasen von IN EXTREMO abdeckte. Mit insgesamt acht neuen Stücken war das aktuelle  Album "Kunstraub" relativ gut vertreten, wobei stimmungsmäßig insbesondere das frenetisch abgefeierte und zum Tanzen einladende "Belladonna" hervorstach. Von den älteren Stücken zündete besonders der unverzichtbare "Spielmannsfluch", welcher bereits vor Konzertbeginn lautstark vom Auditorium in Sprechchören angesungen wurde. Dem 12-jährigen Sören, seines Zeichens großer Fan der Band, dürfte das Konzert als etwas ganz Besonderes in Erinnerung bleiben, von dem er noch seinen Urenkeln berichten wird. Als Belohnung für sein Anfeuern aus erster Reihe bat Ihn Das Letzte Einhorn höchst persönlich auf die Bühne, um gemeinsam mit den sieben Vagabunden "Liam" anzustimmen. Eine tolle Aktion. Anschließend nahm der Junge freudestrahlend, stolz wie Oskar und mit diversen Accessoires (Drumstick, Plektrum, Erfrischungsgetränk etc.) ausgestattet, wieder seinen alten Platz ein.

Trotz beeindruckender Pyroshow, vor allem beim letzten Song der Zugabe "Villeman Og Magnhild" gab es ein Flammeninferno par excellence, fuhr man eine im Vergleich zum Auftritt von vor zweieinhalb Jahren deutlich abgespecktere Version der allgemeinen Bühnendekoration und sonstigen "Special Effects" auf. Schade eigentlich, zumal man im Vorverkauf mit 44 Euronen für die Karte einiges mehr hinlegen musste als zuletzt. Hoffentlich setzt sich dieser Trend nicht weiter fort.

Setliste In Extremo

  1. Kunstraub
  2. In diesem Licht
  3. Frei zu sein
  4. Himmel und Hölle
  5. Herr Mannelig
  6. Feuertaufe
  7. Küss mich
  8. Der die Sonne schlafen schickt
  9. Vollmond
  10. Gaukler
  11. Unsichtbar
  12. Alles schon gesehen
  13. Liam
  14. Belladonna
  15. Lebemann
  16. Zigeunerskat
  17. Ai Vis Lo Lop

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  1. Viva La Vida
  2. Siehst du das Licht
  3. Spielmannsfluch

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  1. Rasend Herz
  2. Villeman Og Magnhild

Im Vorprogramm gab es gut gespielten Deutschrock mit metallischer Schlagseite auf die Lauscher, den meine Gehörgänge irgendwo zwischen den Onkelz und Toten Hosen verorten würden. HASSLIEBE aus Harburg überzeugten als Anheizer durchaus und verbuchten nach ca. 30-minütiger Show deutlich mehr als nur Höflichkeitsapplaus für sich. Aus der IN EXTREMO-Gefolgschaft dürften die spielfreudigen Bayern mit Sicherheit einige neue Fans rekrutiert haben.


Setliste Hassliebe

  1. Schwarzer Engel
  2. Krieg im Digitalverkehr
  3. Sklave der Neuzeit
  4. Einbildung
  5. Es läuft
  6. Niemandsland
  7. Vom Anfang bis zum Schluss


Wie gewohnt boten IN EXTREMO, unterstützt von einem guten Opener, Unterhaltung auf hohem Niveau und stellten unter Beweis, dass man sich Shows von ihnen nicht entgehen lassen sollte. Natürlich nur, sofern der Geldbeutel dies noch zulässt...

Brausi
  • Autor: Brausi