Wer braucht schon Mick Jagger ….

… wenn er den Stumpen haben kann?

„We want Mohr“: Knorkator in der Saarbrücker Garage. 03.04.2014

Wie viele Abschiedskonzerte haben Knorkator schon gegeben – hundert? So ungefähr. Na ja, eins wird’s schon gewesen sein, das zumindest. Jedenfalls hatten die Berliner Blödelbarden (gemein, was?) ihr endgültiges Ausscheiden aus dem Bühnenzirkus bereits gefeiert, um es sich dann anders zu überlegen … ZUM GLÜCK!
Zumindest zu meinem.
Was war ich aufgeregt, als ich hörte, dass meine Gute-Laune-Helden mit ihrer ‚We want Mohr!‘-Tour auch nach Saarbrücken kommen wollten, und noch viel aufgeregter war ich, als ich am Donnerstagabend dann in Anhurs Schlepptau endlich in der discobekugelten Garage stand und auf ihren Auftritt wartete. Der Tag hatte sich für mich eher bescheiden angelassen, ich war eher übel als gut gelaunt und hoffte, nun wenigstens gut unterhalten zu werden. Ob Knorkator diese Erwartung auch erfüllen konnten?
Wir werden sehen.

 

Das Vorprogramm

Kurz: Es gab keines.
Was gewiss nicht das Schlimmste war. Während sich die Garage unaufhaltsam mit Anhängern der Satire-Rocker füllte, quollen schräg instrumentierte Easy-Listening- und AOR-Cover aus den Lautsprechern, deren Arrangements garantiert auch aus der Knorkator-Feder stammten. Während Anhur sich in Sprungposition vor dem Graben aufbaute und die Fans die Bar belagerten, sah ich mir das Publikum an. So erstaunlich breit wie das musikalische Spektrum  der Berliner Kombo war zu dem Zeitpunkt noch niemand, erstaunlich heterogen war die Anhängerschar allemal: Punks, Biker, Metaller,  Omis, Kinder und Herren in Loriot-Tshirts machten ihre Aufwartung.

Das Hauptprogramm

Kurz: Es gab eines. Und es währte beinahe zwei Stunden.
Zwar kam mir das alles nicht so lang vor, denn das Konzert verging wie im Fluge, aber Knorkator nahmen sich ausreichend Zeit, um Hits aus allen Alben zum Besten zu geben. Die Jungs begannen etwas gediegener mit ‚Hymne‘ vom der Tour den Namen gebenden Album, um bald darauf lautstark zu beklagen, dass sie von ihrer eigenen Scheiße verfolgt wurden. Mit Elan und viel Freude am Musizieren wurstelten sie sich so durch ihr beachtliches Repertoire, und das auch noch in exzellenter Tonqualität: Von ‚Alter Mann‘ bis ‚Absolution‘, von bis ‚Weg nach unten‘ bis hin zum ‚Werwurm‘  brillierten Stumpen und Alf Ator mindestens auf Tonträgerniveau.
Unglaublich, wie der Stumpen singen und gleichzeitig wie irrsinnig auf der Bühne umherfegen kann! Über ein brennendes Seil springen, die Band mit einer leuchtenden Pritsche verprügeln, sich mithilfe eines Plastiksacks vakuumieren zu lassen oder das Publikum dazu anstiften, der bedauernswerten Janine in der ersten Reihe die Schuld an allem zu geben … wer braucht da noch Mick Jagger, wie Anhur so richtig bemerkte?  Okay, Mick Jagger soll ein Toupet tragen, aber – mal ganz ehrlich – wer, bitteschön, braucht das?

Das Nachprogramm

Es war ein wenig Bitten und Betteln nötig, um den Jungs gleich drei Zugaben aus den Rippen zu leiern. Hätte ich meine Brille getragen und/oder wäre ich eineinhalb Köpfe größer gewesen, hätte ich laut Anhur sehen können, wie sich Alf Ator bei der Wiedergabe von  ‚Böse‘ vor lauter Amüsement kaum mehr einkriegte. So kam ich nur in den Genuss der Akustik, und auch beim tanzbaren Abschied mit ‚Ma Baker‘ sah ich nicht allzu viel. Spaßig war’s trotzdem. Das merkte ich vor allem daran, dass ich während des Konzerts kein einziges Mal den Drang verspürte, den Merch-Stand aufzusuchen, wie ich es sonst in Phasen der Entschleunigung gerne tue.

Fazit:

Mission ‚Gute Unterhaltung‘ war ein voller Erfolg – die Knorkator-Jungs haben die Garage am 3. April total gerockt. Wer Pipikacka-Humor und schrille Stilwechsel nicht mag, wird sowieso gar nicht erst in der Garage aufgeschlagen sein.
PS: Hat man’s gemerkt? Ich liebe es, Jungs ‚Jungs‘ zu nennen, die überhaupt keine mehr sind.

Fotos: Anhur

Nicole Schuhmacher
  • Autor: Nicole Schuhmacher