Knorkator in der Garage Saarbrücken 09.03.2017

„Wir haben euch gefreut uns zu rocken“

Seit Herbst 2016 ist Deutschlands „meiste Band“ der Welt wieder auf Tour und besucht heute das Saarland. Um 19:00 Uhr fahre ich mit Anhur, Heck und Modertier gemeinsam zum Konzert von Knorkator in der Saarbrücker Garage. Die anderen haben die 1994 gegründete Berliner Band schon gesehen, so z.B. als diese auf dem Saarbrücker Stadtfest spielte, und wussten schon interessante Details über das Konzert in Heidelberg zu berichten.

Knorkator: das sind Alf Ator - Stumpen - Buzz Dee - Nick Gogow - Rajko Gohlke. Ursprünglich als Chaoten bekannt widersetzen die Jungs sich konsequent jedem Klassifizierungsversuch und genießen heute breite Anerkennung aufgrund ihrer musikalischen und poetischen Virtuosität und ihrer stilistischen Bandbreite von Klassik bis Death Metal.

Dass sie damit diverse Alters- und Gesellschaftsgruppen für sich begeistern können, zeigt sich denn auch bei der Zusammensetzung der Gäste am heutigen Abend. Stilistisch präsentieren sich die Fans vorwiegend im „fifty shades of black“ -Look und mit Bandshirts, aber da sind auch die bunten Paradiesvögel in grellen Farben. Besonders beeindruckend fand ich einen jungen Mann in seiner pinkfarbenen Felljacke.

Zum Einstieg gibt es keine Vorband sondern einen Vorfilm, indem man zu Musik vom Band Stumpens vielfältige Mimik bewundern kann. Die derartige Einstimmung auf das Konzert ist unspektakulär und daher ist die Stimmung auch eher gemäßigt. Mit Eintreffen des "Film-Stumpens" um 20:00 Uhr an der Garage ist es aber mit der Ruhe vorbei und sofort erschallen laute "BUZZ DEE“ Rufe. Vorfreude und Begeisterung für die Band sind deutlich zu hören und die Show beginnt.

 

Sänger Stumpen springt im Ganzkörper-Tarnoutfit und mit einem Stock bewaffnet auf die Bühne und startet furios tanzend mit „Alter Mann“. Wie gewohnt wechseln harte Riffs und rockige Songs sich mit langsamen poetischen Liedern ab, bei denen nicht nur Stumpen zeigt was er stimmlich und stilistisch kann. Evergreens und neue Songs werden gespielt.

"Ich lass mich Klonen", „Ich bin der Boss“, „Du bist kein Mensch“, „Ich bin ein ganz besonderer Mann“ und „Sie kommen“ um nur einige zu nennen.

Im ersten Teil der Show holt Stumpen einen Teil der Fotografen aus dem Fotograben auf die Bühne. Diese sollen Fotos der Fans schießen und werden von ihm herum kommandiert. Später nimmt Sänger Stumpen das Handy eines Fans, aber nicht, wie dieser vielleicht hofft, um ein Selfie mit ihm zu schießen, sondern um das Smartphone in seiner Unterhose zu „veredeln“. Er springt ein wenig damit umher, schiebt es noch kurz zwischen den Pobacken hin und her, und gibt es nach dieser einzigartigen Behandlung mit den Worten „Jetzt ist es auch wertvoll“ zurück.
Im Verlaufe einiger Lieder strippt Stumpen bis er nur noch in der Po-freien Unterhose und der Beinschiene auf der Bühne steht. Ein kleiner Schubser deutet mir an, dass Modertier mit fröhlichen Grinsen und tanzend mit seiner Kamera hinter mir steht. Fast zeitgleich fangen die Fans, durch die Musik und die Show angetörnt heftig an zu Pogen. Rechts und links von mir ergießt sich Bier in Gesichter und auf die Kleidung der Fans und den Boden. Ich schiebe mich ein wenig in der Menge zur Seite, weg aus der Nasszone - und weiter geht’s.
In der Bühnenshow kommen diverse Helme zum einzigartigen Einsatz. Auf einem ist ein offensichtlich funktionsfähiges Keyboard montiert, ein Polizeihelm dient als Trommel. Beide werden heftig von Alf Ator bespielt, so dass es einem, ob diesem Ungestüm, Angst und Bange um den angeschlagenen Stumpen wird, der unter wildem Trommelwirbel auf seinem Kopf "Ich habe eine Narrenkappe" singt. Der Einsatz des letzten und, ob der Aufbauten, skurrilsten Helmes endet zu „Highway to hell“ in einem pyrotechnischen Glitzerstreifen-Regen. Die Fans tanzen ausgelassen und feiern sich und die Band ausgiebig.

Weiterer Höhepunkt des Konzertes sind die Interpretation des Songs „El Dorado“ der Goombay Dance Band sowie Wortspiele mit und ein Küsschen für BUZZ DEE. Zum Lied "Setz Dich hin" müssen sich alle Fans auf den Boden setzen um den hintersten Reihen einen Blick auf die Band und Bühne zu ermöglichen, denn alte Männer haben's schwer mit Arthrose.

Wesentlicher Bestandteil der Show ist der typische verstörende Wechsel zwischen liebenswürdigem und ausfälligem Auftreten von Sänger Stumpen.
Wie das Smartphone zuvor landet so der Flaschenhals der von einem weiblichen Fan gereichten Flasche Jägermeister statt in Stumpens Mund in dessen Unterhose bevor das letzte Kleidungsstück zu "Ich schäme mich für meine Fans" fällt: Das Lied endet zu einem mit Hilfe von Pyrotechnik inszenierten Konfettiregen aus einem Rohr auf Höhe des Pos.

Die Bühnenshow endet liebenswürdig mit der Performance mit dem Sohn eines Freundes der Band. Dieser wird von Stumpen körperlich und gesanglich zu "Du bist schuld" in Szene gesetzt und singt textsicher vernehmlich mit. Zu "Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett" wird er von der Bühne verabschiedet. Nach langanhaltendem begeistertem Applaus folgt die furiose Zugabe.

Schweiß, Terror und Armageddon auf und vor der Bühne!!!

Resümee

Knorkator haben nichts von ihrer naiven Boshaftigkeit verloren, und es macht viel Spaß ihnen zuzuhören und zu zuschauen, da sind meine meine Begleiter und ich uns einig.
Die unvergleichlichen Wechselbäder aus Pathos und Klamauk kann man nur lieben oder hassen. Kaum eine andere deutsche Band tänzelt so gekonnt sowohl zwischen Tief- und Schwachsinn, als auch zwischen Poesie und Gewalt. Heute hervorragend waren die stimmliche und stilistische Vielfalt, die kreativen Interaktionen und die trotz körperlichem Gebrechen energetische Performance von Stumpen.

Das Publikum hat ordentlich gefeiert. Drum sage ich:

„Knorkator, wir freuen euch uns bald wieder im Saarland zu sehen!“

Und hier noch für die Fans eine vollständige Setliste:

  • Alter Mann
  • Ich lass mich Klonen
  • Der ultimativer Mann
  • Ich bin der Boss
  • Die Geschichte von den schwarzen Buben
  • Du nicht
  • Fans
  • Narrenkappe
  • Highway to hell
  • Buchstabe
  • Konflikt
  • Geh zu ihr
  • Eldorado
  • Setz dich hin
  • Du bist kein Mensch
  • Ich bin ein ganz besonderer Mann
  • Ich will nur ficken
  • Du bist schuld
  • Zähneputzen polaren und ab ins Bett
  • Sie kommen


    Zugabe:

  •  Ich verarsche Jugendliche
  •  Böse
  •  Weg nach unten
  •  Eigentum
  •  Wir werden alle sterben

Bericht: Baghira

Fotos: Anhur

Baghira
  • Autor: Baghira