Nightwish: Decades Tour 2018 – 27.11.2018, Saarlandhalle Saarbrücken

Und wieder da, in der Saarlandhalle. Ist ja nicht so, als wäre ich erst Anfang 2017 da gewesen, bei Sabatons „Last Tour“...

ich weiß, ich weiß. Ich bin keine Konzertliebhaberin. Oder eine Freundin von Liveunterhaltung. Versagende Stimmen, reißende Saiten, Boxenfeedback, plattgestandene Füße und vor allem viele Menschen auf einem Haufen verderben mir eher die Laune, als mich zu unterhalten, wohingegen mich wohlproduzierte Studio-CDs völlig zufrieden stellen. Was muss also geschehen, um mich aus dem Haus zu locken, noch dazu an einen Ort voller reißender Saiten, versagender Stimmen und … ähm … Menschen?

Es gibt nur wenige Bands, die das schaffen. Nightwish gehören eigentlich nicht dazu, obwohl ich die Werke der finnischen Symphonic-Metal-Combo sehr schätze - von „Century Child“ aufwärts, als mit Marco ein stimmlich patenter Kerl dazukam und das Steinzeitgegrunze der Vorgängerscheiben ein Ende fand. Ja, ich bin speziell. Ich weiß schon.

Was also hat mich denn nun aus dem Haus getrieben? Außer Anhur, der mich mit einem spitzen Stock in den Rücken piekst, damit ich schneller in Richtung Saarlandhalle laufe…

Ganz ehrlich?
Beast in Black waren es, mein YouTube-Zufallsfund. Einmal ‚Blind and Frozen‘ gehört, erschüttert auf den Monitor geschaut (Was, das ist ein Kerl???) und das Lied noch Wochen später nicht aus dem Hirn bekommen. Nachgegeben, Album gekauft, festgestellt, dass… aber dazu gleich. Wir sind nämlich da. Im Saal.

Beast in Black
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Nightwish
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Beast in Black

…wo war ich eben stehen geblieben? Also, Beast in Black. Ich durfte schon Anton Kabanens Vorgängerband Battle Beast bei einem Sabaton-Konzert kennenlernen, und ich liebe ihr ‘Unholy Saviour’-Album. 80erjahre-Metal und Hi-NRG... meine Lieblingsgattungen der vergangenen Ära, hübsch vereint. Umso glücklicher war ich, als ich herausfand, dass meine Ohrwurmfabrikanten Beast in Black die neue Band von Anton sind, deren Erstling ‚Berserker‘ musikalisch nahtlos an ‚Unholy Savior anschließt.

Sehr schön. Und weiter?

Na, also wollte ich sie gerne auch mal live sehen, und als Support von Nightwish… das klang doch recht gut. Also bin ich hier. Und warte. Bin auf die Soundkulisse angewiesen, denn außer lila Lichtflecken an der Decke sehe ich wie immer nichts. Die meisten anderen Touristen sind eben größer als ich... vielleicht hätte ich meinen alten Knochen doch einen Sitzplatz spendieren sollen…

Schließlich spielen Beast in Black auf. Was soll ich sagen? Sie spulen fast das komplette Berserker-Album ab, das sowohl an Europe als auch an Bobby Orlando gemahnt … eindeutig mehr an Europe, aber immerhin, ein Zacken Bobby-O.-Sound ist mit ‚Crazy, Mad, Insane‘ auch dabei. Yannis singt gegen massive Keyboardwände an, die heute leider nur vom Band kommen – Baghira und ich singen mit. Und hüpfen. Und sind total begeistert. Ich ahne zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass einer meiner Arbeitskollegen auf den Rängen sitzt und mich sieht. Er hat alles richtig gemacht mit seiner Sitzplatzkarte.

Unsere Begeisterung steckt offenbar an; gegen Ende des Sets fragt mich ein Mädel, das noch viel kleiner ist als ich und noch viel weniger sehen dürfte, welche Band denn da vorne spielt. Ich nenne ihr Bandname und Album, sie freut sich total.

Und dann ist der Rausch vorbei. Ziemlich KO (aber fröhlich) bleibt mir nichts anderes übrig, als draußen vor dem Saal zu lustwandeln und auf den Headliner zu warten.

Nightwish

Ja, ich gebe zu, ich habe das letzte Nightwish-Album verpasst. Na ja. Nicht wirklich verpasst, aber ich besitze es nicht.

Klar war ich damals neugierig auf Floor Jansen, weswegen ich ein paar Live-Videos ansah, feststellte, dass sie die stimmliche Bandbreite von Tarja bis Anette sehr gut abdeckte und ungefähr dreimal so groß war wie die restlichen Bandmitglieder. Als das Album Endless Forms Most Beautiful schließlich rauskam, hörte ich hinein, konnte mich am Ende an keinen einzigen Song erinnern … und das war’s dann gewesen. Nie wieder darüber nachgedacht.

Also lasse ich mich jetzt überraschen. Ich habe mich im Vorfeld nicht über die Setliste der vorangegangenen Konzerte der „Decades“ Tour informiert, nehme aufgrund des Titels aber an, dass es eine Zeitreise durch die Geschichte der Band wird, und genau so kommt es. Die Videoinstallation füllt zum Glück die komplette Wand hinter der Bühne aus, so dass ich tatsächlich mal etwas sehe, und was ich sehe (und höre), ist ein steampunkiger Countdown…

Und es geht tatsächlich quer durch die Band-Historie! Von ‚Once‘ über ‚Oceanborn‘, ‚Imaginaerium‘ bis hin zu ‚Endless Forms Most Beautiful‘ … keine Epoche wird ausgelassen, Floor ist grandios (wenn ich mich auch verschätzt habe – sie ist nur ungefähr doppelt so groß wie alle anderen)! Beim ersten Titel wirkt sie zwar, als könne sie sich nicht hören, aber danach geht es ziel- und stilsicher weiter, quer durch das gesamte Nightwish-Repertoire. Am allerbesten kommt ihre rockige Stimme meiner Ansicht nach bei den Titeln des letzten Albums zur Geltung, die auch tatsächlich für sie geschrieben wurden. ‚The Greatest Show on Earth‘ ist ein echter Knaller, und das sage ich jetzt nicht nur wegen der Pyrotechnik und der Böller, die dabei gezündet wurden. Was ich von der Videoshow sehen kann, ist berauschend, das Drumkit fährt Achterbahn … und auch Troy hat eine sehr schöne Stimme. Überhaupt ist ‚The Carpenter absolut toll geworden: während der Track auf ‚Angels fall First‘ (schlechte Tonqualität, denkwürdiger Gesang) für mich immer ein Grund zum Weiterklicken war, ist er hier live und mit diesem Line-up melodisch und sauber – einfach perfekt.

Nach gefühlten 10 Minuten verlässt die Band die Bühne, kommt aber noch einmal aus der Finsternis hervor und gibt als Zugabe ‚Ghost Love Score‘ zum Besten. Freut mich, denn aus irgendeinem Grund, der nur Auto-Musikwiedergabegeräten ersichtlich ist, ist dieser Track der immer erste, den mein Auto-Musikwiedergabegerät vom Album ‚Once‘ spielt, obwohl er in Wahrheit erst an neunter Stelle kommt. Immer. Insofern bildet „Ghost Love Score“ für mich heute die Klammer, die das Aufheizen fürs Konzert mit dessen Ende verbindet.



Fazit

Nightwishs „Decade“ Tourtermin in der Saarlandhalle war ein schönes Erlebnis mit tollen Live-Musikern und einer bunten, lauten und feurigen Bühnenshow. Es hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt, bis zum Ende auszuharren.



Setliste:

  • Dark Chest Of Wonders
  • I Wish I Had An Angel
  • 10th Man Down
  • Come Cover Me
  • Gethsemane
  • Elán
  • Sacrament Of Wilderness
  • Dead Boys Poem
  • Elvenjig/Elvenpath
  • I Want My Tears Back
  • Last Ride Of The Day
  • The Kinslayer
  • The Carpenter
  • The Devil And The Deep Dark Ocean
  • Nemo
  • Slaying The Dreamer
  • Greatest Show On Earth

Zugabe:

  • Ghost Love Score

Bericht: Crowfield

Bilder: Anhur

Nicole Schuhmacher
  • Autor: Nicole Schuhmacher