Paradise Lost - Live 2017

„Back to the roots“ könnte das Motto der neuen Scheibe von PARADISE LOST lauten, denn mit „Medusa“ knüpfen die Briten deutlich hörbar an die alte Glanztaten ihrer Frühwerke an, wohlgemerkt ohne dabei gekünstelt oder altbacken zu wirken. Der Anteil roher Death-Elemente ist wieder deutlich gestiegen, doch trotz Rückbesinnung auf alte Stärken verleugnet die Band ihre zwischenzeitliche Entwicklung keineswegs. Soll heißen, die packende Atmosphäre unter die Haut gehender Melodien  wird auch weiterhin nicht vernachlässigt.

Um das neu Album zu promoten, schlugen PARADISE LOST im Rahmen ihrer noch bis Ende Februar andauernden Tour am 20. Oktober in der Garage ein. Mit von der Partie waren SINISTRO und PALLBEARER. Letztere für mich persönlich die positivste Überraschung des Abends. Doch zunächst mussten SINISTRO auf die Bühne.

Sinistro
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Pallbearer
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Paradise Lost
16 Bilder
 
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Möchte man die Show, sofern man von selbiger bei den Sludge-Doom-Jüngern überhaupt reden kann, möglichst kurz zusammenfassen, könnte man sie als „Gegenteil zu Edguy“ umschreiben. Machen wir aber nicht, denn das wäre zu oberflächlich. Bei mir verursachten die Portugiesen recht zwiespältige Gefühle, denn zunächst entfaltete sich, ehrlich gesagt, eine relativ einschläfernde Wirkung, welche nach ca. zwei Songs jedoch einer, im positiven Sinne, meditativen Faszination wich. Stilistisch würde ich das Schaffen um Frontfrau Patricia Andrad als langsam, stimmungsvoll, düster (wie der Bandname schließlich verspricht) und melancholisch bis depressiv definieren. Irgendwie seltsam, aber unterm Strich definitiv gut.

Setliste Sinistro

  • Partida 
  • Pétalas 
  • Abismo 
  • Corpo Presente 
  • Cidade (Parte II) 

Von einem ganz anderen Kaliber präsentierten sich PALLBEARER. Die mir bis dato unbekannten doom-metallischen „Sargträger“ machten deutlich mehr Dampf als die Vorgängerband und schienen dem musikalischen Geschmack des Publikums eher zu entsprechen. Bei auffallend gutem Sound und ohne zusätzlichen visuellen Schnickschnack kamen die US-Amerikaner trotz überlanger Songs auf den Punkt. Den einen oder anderen Fan dürften man an diesem Abend definitiv hinzugewonnen haben. Bei mir sorgte der Auftritt für den guten Vorsatz, die heimische CD-Sammlung um diverse PALLBEARER-Werke zu erweitern.

Die bewegungsfreudigste Band waren PARADISE LOST bekanntlich noch nie, sodass man auch an diesem Abend hätte meinen können, auf einem Ausscheidungswettbewerb für Beamtenmikado („Wer sich zuerst bewegt, hat verloren“) gelandet zu sein. Ich liebe die Jungs trotzdem. Gitarrist Aaron Aedy schien als Einziger aktiven Kontakt zum Auditorium zu suchen und scherzte sogar mit den angereisten Fotografen herum. Ansonsten gab es eigentlich nicht viel zu nörgeln. Guter Sound, gutes Licht gute Stimmung. Als besondere Höhepunkte wären „As I Die“, natürlich seit Uhrzeiten obligatorisch, und das mit dem überirdisch genialen Anfangs- bzw. Grundriff ausgestattete „Beneath Broken Earth“ zu nennen. „You wish To Diiiiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeee“ - einfachFamos!!!!

Setliste Paradise Lost

  • From The Gallows 
  • Tragic Idol 
  • The Enemy
  • Erased
  • Gods Of Ancient
  • Enchantment 
  • Medusa 
  • An Eternity Of Lies 
  • Faith Divides Us - Death Unites Us 
  • Blood And Chaos 
  • As I Die
  • Beneath Broken Earth 
  • Embers Fire 

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  • No Hope In Sight 
  • The Longest Winter 
  • Say Just Words 

Bleibt zu hoffen, dass PARADISE LOST ihrer momentanen stilistischen Schiene auch weiterhin treu bleiben und uns zukünftig weitere „Depeche Mode-artige“ Ausrutscher der Marke „Host“ erspart bleiben. Man bin ich intolerant...

Text & Fotos: Brausi

Brausi
  • Autor: Brausi