Sabaton "Heroes on Tour" am 11.02.2015 in der Garage/Saarbrücken

Wenn ein Konzert mitten in der Woche ist, dann artet der Weg dahin schon mal in Hektik aus. Dummerweise ist der 11. Februar - der von mir so sehr herbeigesehnte Tag des Sabaton-Konzerts - ein Mittwoch, so dass mein Tagesablauf folgendermaßen aussieht: Aufstehen, Hygiene betreiben, anziehen, arbeiten, Elternsprechstunde, Garage. Da ist nichts mit 'sich proper vorbereiten' oder gar 'sich bekleidungstechnisch anpassen'. Wenigstens besitze ich in der Frühe die Geistesgegenwart, mein Combat-Sam-Shirt überzuwerfen, auf dem eine Bulldogge mit Stahlhelm abgebildet ist. Nicht ideal für die Elternsprechstunde, aber da Battle Beast später Opener sind, finde ich es zumindest an dieser Stelle thematisch angemessen...

Battle Beast
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Delain
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Sabaton
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Zeitraffer. Garage in Saarbrücken. Wir stehen in der Nähe des Eingangs zum Graben, die Halle ist voll. Das Publikum kommt nicht nur aus der direkten Umgebung, sondern auch aus Frankreich und Luxemburg. Mindestens zwei komplette Familien mit Metalpapa, Metalmama und Metalkindern sind da, ganz in unserer Nähe steht ein Mädchen - Grundschulalter - mit pinkfarbenen Gehörschützern.
Als Anhur mir verschwörerisch ins Ohr flüstert, dass beide Vorgruppen perfekt auf mich abgestimmt seien- er weiß natürlich, dass ich nicht SOOOOO sehr auf Sängerinnen stehe -, halte ich ihm entgegen, dass mir von den drei Titeln, die ich von Battle Beast kenne, immerhin einer gefällt...

Battle Beast

Tja, grundsätzlich immer sollte man seine Vorurteile zuhause lassen. Battle Beast springen auf den für sie reservierten Bühnenstreifen. Der ist zwar recht schmal, da - wie ich vermute - Sabatons Panzer den Rest der Bühne ausfüllt, aber das hindert die Finnen nicht daran, total abzugehen. Sängerin Noora hat die Haare schön, springt energiegeladen herum und röhrt, was das Zeug hält. Anhur fühlt sich an Doro erinnert. Ich denke an Judas Priest ... und dann ... und dann ... und dann passiert ES.
Mit dem eröffnenden Kommentar, dass die besten Parties in den 80ern stattgefunden hätten, spielen Battle Beast 'Touch in the Night', und dieser Titel klingt weder nach Judas Priest noch nach Doro. Höre ich da Spagna? Taylor Dayne? Italo Disco? Jedenfalls sehe ich ein Umhängekeyboard, und das ist real. Ungefähr die Hälfte des Publikums ist versteinert vor Schreck, der Rest wippt fröhlich mit. Metalmama und Metaltochter vor mir hüpfen begeistert und ich muss jubeln, weil mich die Darbietung glücklich macht, dann ist der High Energy-Spuk aber auch schon wieder herum. Der Rest des - mir viel zu kurzen - Sets ist Metal. Judas Priest. Oder Doro.
Als mit 'Out of Control' der letzte Song der Finnen verklungen ist, hat Noora die Haare nicht mehr schön, sondern so wie die Leningrad Cowboys. Zu viel herumgetobt. Ich bin tatsächlich melancholisch - Battle Beast haben mir unglaublich viel Spaß gemacht, und deshalb fand ich den Set viel zu kurz! Ich schwöre, mir ihr aktuelles Album zuzulegen, denn das haben sie sich mit diesem Auftritt redlich verdient.

Delain

Nach der sehr kurzen Umbaupause - ein Tuch musste entfernt und eines aufgehängt werden - treten Delain auf. Im ersten Moment erschrecke ich ein wenig, denn Drummer und Bassistin sehen aus, als seien sie höchstens 14 Jahre alt. Zusammen. Auch Sängerin Charlotte hat die Haare schön und noch dazu eine weiße Fransenjacke an, aber trotz alledem spielen die Niederländer - ursprünglich eine Abspaltung von Within Temptation - Symphonic Metal. Das tun sie mit viel Elan und großer Freude am Spielen; die Band ist handwerklich solide, Charlotte kann wirklich singen, alle sind unentwegt am Lachen, die Bandmitglieder winken dem Schulkind und neben mir schreit sich ein begeisterter Fan die Lunge aus dem Hals, so dass ich irgendwann nicht mehr allzuviel höre. Das ist aber nicht so schlimm, denn mit den filigranen Arrangements und Engelsgesängen treffen Delain meinen Geschmack nicht wirklich. Hauptsache, Anhur freut sich. Immerhin bekomme ich mit, dass sich Delain durch ihre letzten beiden Alben singen, trotz Fan-Darbietung in unmittelbarer Nähe erkenne ich 'Get the Devil out of me' und 'We are the Others'. Zwischendrin wird mir öde und ich wünsche mir Battle Beast zurück auf die Bühne, aber dann sind die Symphonic Metaller doch fertig und bauen in aller Eile ihre Instrumente und Deko ab, unterstützt durch Roadies und Teile der Opener.

Sabaton

Es dauert ein ganzes Weilchen, bis der Bühnenset mit dem Panzer abgedeckt und fertig gebaut ist, doch wenigstens gibt es immer etwas zu schauen - die stilsicher gekleideten Roadies machen eine ziemlich coole Show daraus. Irgendwann dröhnt Europes 'The Final Countdown' aus den Boxen, und dann beginnt, worauf ich seit Wochen gewartet habe!
Schon beim Eröffnungstitel 'Ghost Division' geht's amtlich zur Sache. Joakim, der Sänger der schwedischen Powermetaller, hat die Haare selbstverständlich immer schön. Darüberhinaus ist natürlich auch allerhand geboten: Auch wenn's dort, wo ich stehe, ein wenig zu laut ist, um den Sound vollends genießen zu können, überzeugen Sabaton mit unglaublich viel Spaß am Auftritt. Doch, doch, das sage ich nicht nur, weil ich sie schon immer heiß geliebt (aber noch nie live gesehen) habe - das findet sogar Skeptiker Anhur, was mich ein wenig überrascht. Die Set-Liste enthält ganz entgegen meiner Erwartung nicht überwiegend Stücke aus dem letzten Album 'Heroes' - die großen Kracher daraus sind vertreten, klar, aber die Band spielt tatsächlich Titel von jedem ihrer Alben. Die Schlachtenbummler im Publikum singen laut und textsicher mit. Ob 'To Hell and Back', ob 'Noch ein Bier' (sorry, ich meine natürlich 'Gott mit uns'), ob 'Uprising': jeder Song wird gefeiert, und Joakim zeigt den vorderen Reihen mehrmals, dass er gerade Gänsehaut hat. Überhaupt muss etwas im Trinkwasser sein; die komplette Band ist genauso wie Delain vor ihnen unentwegt am Grinsen, am Lachen und am sich pudelwohl fühlen. Die Kleine mit dem Mickymaus-Gehörschutz wird fleißig beschäkert, gut gelaunte Clownereien konterkarieren das martialische Bühnenbild, das Publikum wird in die Songauswahl mit einbezogen.  Als die Jungs nach gefühlten zehn Minuten - in Wahrheit ist sehr viel mehr Zeit vergangen - schließlich die Bühne verlassen, ist klar, dass das Konzert noch nicht zu Ende ist, denn wie könnte es das sein? 'Primo Victoria' wurde noch nicht gespielt! Ich finde besonders schade, dass 'Nightwitches' nicht gelaufen ist, denn das ist mein absoluter Lieblingssong von 'Heroes'.
Natürlich kommen Sabaton mit Zugaben zurück.
Die erste ist (Yay!) 'Nightwitches', wozu ein geflügeltes ... Ding mit roten ... Lampenaugen? nach oben fährt. Selbst mit Brille erkenne ich nicht, was es ist, vielleicht ein Adler? Ist aber auch egal, es sieht klasse aus und das Publikum freut sich ebenso wie die Band, die noch immer keine Ermüdungserscheinungen zeigt. Dann gibt's 'Primo Victoria' auf die Ohren. Und als ich denke, es sei vorbei, wird das Mädchen mit den Mickymäusen gefragt, ob es auf die Bühne möchte! Die Eltern erlauben es, die Achtjährige ist völlig außer sich vor Glück, das Publikum skandiert 'Isabel, Isabel', und Sabaton verabschieden sich zusammen mit Isabel mit 'Metal Crüe'.
Anhur ist davon beeindruckt, wie sympathisch die Schweden auf der Bühne rübergekommen sind - mir tun inzwischen die Füße weh. Aber trotzdem bin ich sehr, sehr froh darüber, das Konzert bis zum Schluss mitgenommen zu haben.

Fazit

Die Stimmung, die Musik, die Show - das war das mit Abstand geilste Konzert, das ich bisher besuchen durfte. Nicht ganz so angenehmer Nebeneffekt: Ich habe einen neuen Ohrwurm. Seit Tagen läuft  Battle Beasts 'Touch in the Night' in meinem Kopf rund und rund und rund und ...

Bericht: Crowfield

Fotos: Anhur

Nicole Schuhmacher
  • Autor: Nicole Schuhmacher