ASP "Dunkelromantische Herbstabende - Von Zaubererbrüdern, schwarzen Schmetterlingen und anderen Nachtgestalten"

Am 15.10.08 laden ASP in die Garage nach Saarbrücken ein und wir erleben an diesem Abend ein grandioses Akustik-Konzert, welches sicherlich für die nächste Zeit seines gleichen suchen wird.

Alles  ist bis auf das letzte I-Tüpfelchen durchdacht und gelingt, was zu einer sehr dichten Atmosphäre führt. Von der Organisation in der Halle über Mastermind Asp selbst, seine Anekdoten, das Konzept und die genialen Liederkompositionen hin zum Gesang und den herausragenden Musikern.

Vor der mit stimmungsvollen Bildern zu „Krabat“ geschmückten Wand und dem projezierten rotierenden Mühlrad geben ASP und Freunde alles und verwöhnen uns insgesamt 3,5 Stunden lang mit der Geschichte vom „Zaubererbruder“ und anderen Werken von ASP. Dabei ordnen sich alle Lieder des Konzertes der Erzählung um den wendischen Betteljungen unter und kommen in einem folkloristisch anmutenden Gewand daher.

Mal  traurig poetisch, mal lebensklug und selbstironisch geleitet Asp uns durch den Konzertabend und die Geschichte von Krabat. Die Fans begleiten die Band im Gegenzug von Anfang an mit Gesängen und viel Applaus bis es am Ende niemand mehr auf den Stühlen hält.

Mit laienjournalistischem Augenzwinkern stelle ich fest, dass Asp nicht nur ein stimmlich herausragender Sänger und Texter ist, sondern auch ein großer Poet und Rhetoriker, der eine große Portion an Humor und Selbstironie besitzt und der seine Lebenserfahrung gerne mit seinen Zuhörern teilt und nichts dem Zufall überlässt.

Ein ausführlicher Bericht folgt für die Interessierten im Anschluß an die Bandgeschichte.

Von Zaubererbrüdern
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Bandgeschichte

ASP als Band benannt nach ihrem Sänger Achim Spreng gibt es seit 1999. Sie verwendet für ihre Musik den Begriff „ Gothic Novel Rock“, um die literarische Seite der Musik und den Zusammenhang der „Tales of ASP“ zu betonen. Selbst die Insolvenz ihrer einstigen Plattenfirma und andere Widernisse konnten nicht verhindern, dass sich die Gothic Band aus Frankfurt/Main in den letzten Jahren  zu einem Shooting Star der deutschen Gothic Szene entwickelte.

Bereits 2006 war die Band Headliner auf der zweiten Bühne des Mera Luna Festivals in Hildesheim. Im April 2006 gingen ASP zusammen mit der Band Chamber auf eine gemeinsame Akustik-Tour „Once in a lifetime“. Das Album Requiembryo erschien im April 2007 und schloß den Zyklus um den Schwarzen Schmetterling ab.

Auf dem Wave-Gotik-Treffen 2007 spielte ASP ein Akustik- und ein Rock-Konzert - Anhur berichtete.

Auch in unserer Region sind sie keine Fremden. Bereits Anfang des Jahres luden ASP passend zum erschienenen offiziellen Best-Of Album „Horror Vacui“ zum gleichnamigen Konzert in die Kammgarn nach Kaiserslautern ein. 

Auch 2008 war ASP wieder beim Mera Luna dabei. Wir berichteten.

Leider gab es akustische Probleme bei diesem Auftritt, welche nicht nur für die Fans in den vorderen Reihen dramatische Momente zur Folge hatten. ASP selbst schildert sehr emotional seine Gefühle, als er im Nachhinein von diesem akustischen Desaster hörte, auf seiner Webseite.

Neben den Werken rund um den schwarzen Schmetterling waren viele Fans von den, bisher  nur vereinzelt (z. B. auf den vier „Ich bin ein wahrer Satan“ EPs erschienenen Liedern zu Krabat begeistert und haben immer wieder ein Konzeptalbum gefordert. Und nun ist passend zum Kinostart der Verfilmung der Sage mit dem Titel: „Zaubererbruder“  im August 2008 erschienen.

Wie immer wenn guter literarischer Stoff mit Können vertont wird ist auch hier ein ganz besonderes Werk entstanden. Im zum Album gehörigen Booklet verrät Asp, dass er von der reinen Umsetzung der Geschichte des wohlbekannten und populären Jugendromans von Otfried Preussler abgesehen hat und statt dessen die verschiedenen Interpretationen, der zu Grunde liegenden sorbischen Sage, analysiert und vertont hat. Die Band wagte sich mit Zaubererbruder an eine sehr eigene Interpretation der Sage um „Krabat“ .

Nun aber zurück zum eigentlichen Gegenstand dieser Rezension. dem Konzert.

Dunkel romantische Herbstabende

Anhur und ich folgen am 15.11.08 wie viele andere Fans dem Ruf des „Meisters“ in die „Garage“ nach Saarbrücken. Wir kennen das neue Album Zaubererbruder und sind gespannt auf die Umsetzung der neuen Lieder.

Gleich an der Kasse wird Anhur als Fotograf genauestens über die „Spielregeln“ informiert: Blitz untersagt, Fotografieren nur während dreier festgelegter Lieder, der Sitzplatz wird durch die Ordner angewiesen (hinter den Zuhörern). Als passionierter Fotograf muss ich sagen: schade, als Zuhörer muss ich gestehen, dass die klaren Regeln und die Positionierung der Fotografen, im hinteren Teil der Halle, dem Konzertgenuss gut getan haben.

Die Halle ist bestuhlt und im Hintergrund der Bühne hängen stimmungsvolle Bilder der Mühle. Das Licht erlischt pünktlich um 20 Uhr und die Tourmitglieder betreten die Bühne.

Asp, der als Letzter erscheint trägt einen schwarzen Mantel und einen Dreispitz und führt ein großes, dickes in Leder gebundenes Buch mit sich, welches er auf dem auf der Bühne installierten Stehpult ablegt.

Die Band ASP, namentlich AlexanderAsp“ Frank Spreng (Mastermind, Liedautor und Sänger), Matthias „Matze“ Ambré (Produzent, Gitarist und Backvocals), Andreas „Tossi“ Gross (Bass, Backvocals) und Oliver „Himmi“ Himmighoffen (Schlagzeuger) werden durch die Freunde: Ally Storch-Hukriede (Geige), Sylvia Eulitz (Cello) Thomas Zöller (diverse Dudelsäcke) und Carlos Serrano del Rio (Percussion) begleitet.

Homepage der Band: http://www.thetalesofasp.com/ 

Poesie und Rhetorik

ASP leitet den Abend mit einem Zitat des römischen Komödiendichters Plautus (ca. 200 v.Chr.) ein: Homo homini lupus (Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf). Dieses Ausspruch wurde später durch den englischen Staatstheoretiker und Philosophen Thomas Hobbes bekannt.

Anschließende erzählt er kurz etwas zum Werdegangs von „Zaubererbruders“ und das Konzert beginnt mit einem, besonders intensiv und schräg (ich würde behaupten eine halbe Oktave zu hoch) auf dem Dudelsack gespielten „Bettlerjunge“. Die Töne gehen uns durch Mark und Bein und lassen einen wohligen Schauer der Erwartung durch die Reihen der Fans gehen. Die Zufallsgäste blicken erwartungsvoll, aber auch skeptisch ob dieses Auftakts.

Viele vermuten ASP werde einfach das neue Album spielen, werden aber schon bald eines besseren belehrt. Die Geschichte vom Zaubererbruder stellt thematisch den roten Faden dar, der geschickt durchwirkt ist von sich stimmungsmäßig und thematisch einpassenden Werken der Band.

Für Liebhaber der vorrangig elektronischen Elemente der vorangegangenen Veröffentlichungen sei noch gesagt, dass alle Lieder des Konzertes der Erzählung um den wendischen Betteljungen untergeordnet sind und infolge der Instrumentalisierung in einem eher folkloristisch anmutenden Gewand daher kommen.

Laute Gesänge und oft begeisterter Applaus begleiten die Darbietung von Anfang an. Bis gegen Ende des Konzertes bleiben aber alle brav auf ihren Sitzplätzen, aber viele Obrkörper schwingen im Rhythmus der Musik und wild wippt mancher Fuß im Takt.

Asp als Dirigent und Robbie Williams Cover

Damit das Publikum später virtuos mitsingen kann übt sich Asp als Chormeister und studiert den Refrain zu  „Das Ende“ ein, den er im Laufe des Konzerts auch noch einmal üben wird. Laut erschallt „Ja, ja dreimal Hurrah, wir bringen nun alles ins Lot…“ und unsere Mühen werden von Asp mit dem ehrlich klingenden Kommentar „Saarbrücken ihr wart eine der Lautesten- das hätte ich nicht erwartet.“ belohnt. Immer wieder verzieht sich allerdings sein Gesicht schmerzlich bei einem Missklang. Laut ist eben nicht zwingend gut.

Asp singt wie immer gefühlvoll und mit Hingabe und manchmal mit solcher Stimmgewalt, dass sogar die Hand eines jungen Mannes erschreckt von einem entzückenden Knie rutscht wie er in der nächsten Songpause berichtet. Ebenso virtuos wie Asp mit seiner Stimme sind die Musiker mit Ihren Instrumenten.

Zwischen den Stücken unterhält uns Asp: er philosophiert über die Verwendung des Begriffs „Once in a lifetime“ und verspricht dann es werde immer wieder unplugged Konzerte mit der Band geben, die auf ihre Art einmalig sein werden.

Auch Liebe und Sex, welche sich in seinen Texten wieder finden, werden thematisiert.

Lasst mich Euch unterhalten

Vor dem letzten Lied der ersten Hälfte beschäftigt sich Asp mit einem Plagiatvorwurf bezüglich des Liedes „Abschied“. Mit von Ironie triefender Stimme distanziert er sich davon. Er habe genauso wenig wie andere Künstler jemals eine Akkordfolge kopiert und werde es auch niemals tun- und bekennt „Wir haben das Rad neu erfunden“, was mit schallendem Gelächter belohnt wird.

Und zur Krönung dieser Selbstironie wechselt die Band Mitten im anschließenden „Abschied“ zu „Let me entertain You“ von Robbie Williams.  - Ein absolutes Highlight des Abends

Wie im Fluge sind gut 90 Minuten vergangen und Asp läutet eine 20minütige Pause mit einem Seitenhieb auf die rauchenden Tourmitglieder und einem geschäftstüchtige Hinweis auf den Merchandising Stand ein.

Die Stimmung in der Garage ist grandios, ob der Perfektion der Darbietung. Immer wieder hört man Aussagen der Begeisterung von den unterschiedlichsten Besuchertypen. Auch anfangs eher distanzierte Konzertbesucher sind inzwischen begeistert.

Pünktlich beginnt die zweite Hälfte des Konzertes und brav nehmen wir wieder auf unseren Stühlen Platz. “De profundis”,  “The last Love Song” und “Biotopia” erschallen, bevor die Sage um “Krabat” ihren Fortgang findet.

Ein Highlight folgt dem anderen

Noch einmal gibt es eine Refrainprobe und weder Musiker noch Gäste zeigen ein Anzeichen von Erschöpfung. Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein, denn mit zunehmendem Tempo der Songs hält es uns kaum mehr auf den Sitzplätzen.

Asp berichte er habe den Krieg nur am Rande erwähnt, da er die schwerwiegende Thematik nicht durch banale Texte verharmlosen möchte. 

"Schnitter Tod" verarbeitet im Sinne des „Memento Mori“ dann die Beziehung zwischen dem Irdischen und dem Vergänglichen thematisiert.

 Im „Spottlied auf die harten Wanderjahre“, wechselt in jeder Strophe die Tonlage. Eine Herausforderung in der Lifeperformance und so wechselt Matthias Ambré durch einen Roadie unterstützt passend die Gitarren. Die dritte Gitarre ist PINK und wieder erklingen schallendes Gelächter und Applaus.

Ob der Abwesenheit von Eric Fish, der die Band bei der Albumversion unterstützte darf heute Andreas Gross dessen Part bei „Zaubererbruder“. übernehmen. Obwohl er die Laudatio von Asp auf seine Leistung sicherlich in jedem der voran gegangenen Konzerten hörte, wirkt „Tossi“ unglaublich gerührt und sympathisch und gesanglich ist seine Darbietung wirklich gut.

Das Ende naht

Nur noch wenige Lieder trennen uns vom Ende und nach dem „Minnelied der Incubi“ und „Der geheimnisvolle Fremde“ ist es soweit. Unglaublich aber tatsächlich sind die verstrichenen 3 Stunden, wie im Fluge vergangen.

Alle singen noch einmal den Refrain zu „Das Ende“ mit, dessen Melodieführung ein wenig an ein mittelalterliches Tavernen-Lied erinnert und tanzen zu dessen „Schunkelrhythmus“.  „Krabat“ hat über den „teuflischen Meister“ gesiegt und die Band verlässt zum ersten Mal die Bühne.

Ein Fan stimmt noch einmal den mehrfach geübten Refrain an, kann sich aber gegen die traditionellen „Zugabe“-Rufe nicht durchsetzen. Nach lang anhaltendem lautem Klatschen und Rufen erscheint die Band noch einmal zur ersten Zugabe.

 

Die Zugaben

Einem gefühlvollen „Varieté Obscur“ folgt „Werben“ und es zieht die Zuhörer schier von den Stühlen und alle tanzen.

In „Werben“ beeindruckt Ally nach den souverän gespielten ruhigen, melodisch-verspielten Violonen-Passagen von Krabat hier durch ein herausragend gespieltes Violinensolo . Ähnlich schräg gespielt wie der Dudelsack zu Beginn schließt sich hier de musikalische Kreis für mich.

Eine zweite Zugabe fordern die Anwesenden denn auch mit „Ich will brennen“-Rufen, und sie wird gewährt. Bei „Und wir tanzten“ singt Asp als schöne Abwandlung nur in Begleitung durch die Gastmusiker und alle kehren kurz in die sitzende Position zurück.

Mit der Zurückhaltung der Fans ist es aber endgültig vorbei als das geforderte „Ich will brennen“ nur begleitet durch Matzes Guitarre erschallt. Tanzte man zuvor recht ruhig vor dem eigenen Sitzplatz wird die  Ordnung nun gänzlich durchbrochen und die die Fans tanzen wild in die Gänge hinein.

Summa Summarum eine absolute Spitzenleistung. Es gibt keinen einzigen Ausfall und alles ist stimmig. Man darf gespannt sein, wie ASP selber an diese Leistung in Zukunft anknüpfen wird.

Persönlich sagt mir als begeistertem Mittelalter Rock Fan die ungewöhnliche Interpretation der alten Stücke enorm zu.

Signing

Schon kurz nach Ende des Konzerts erscheint ASP am Merchandising Stand. Beim Fotografieren wirkt er etwas angespannt, aber kein Wunder nach diesem Konzertmaraton.

Der neuen Tradition folgend stelle ich mich in die Schlange der Autogrammjäger um mir meine soeben erstandene Version vom „Pavillion“ signieren zu lassen und ASP anzusprechen.

Am Ende des Tages bei den Fragen  zieht ASP noch einmal die Register seines Könnens. Rhetorisch gewandt beantwortet er meine triviale Frage nach dem herausragenden Erlebnis der Tour mit einem diplomatischen „die Band“ und die Frage nach der sichtlich emotionalen Reaktion vom Andreas  scherzhaft mit “ich dachte er hätte Magenschmerzen“, sowie die Nachfrage nach dem Plagiat  etwas irritiert mit „die Ärzte“.         

Baghira aka Andrea

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Liederfolge

Sicherlich ist im Verlaufe dieses langen Berichtes Niemandem, der er bis zum Ende geschafft hat, meine Begeisterung entgangen. Da ich annehme, das es ähnlicher Begeisterung und Interesse an der Band und den Ereignissen bedarf, es bis hierher zu schaffen, füge ich hier noch einmal die komplette Liederfolge an:

 
01. Betteljunge
02. Beschwörung
03. Krabat
04. Die Teufelsmühle
05. Stille der Nacht
06. Wolfsspuren
07. Denn ich bin der Meister
08. Ballade von der Erweckung
09. Nie mehr
10. Abschied

- Pause -

11. De profundis
12. The last Love Song
13. Biotopia
14. Der Schnitter Tod
15. Spottlied auf die harten Wanderjahre
16. Zaubererbruder
17. Me
18. LMinnelied der Incubi
19. Der geheimnisvolle Fremde
20. Das Ende

- erste Zugabe-

21. Varieté Obscur
22. Werben

- zweite Zugabe-

23. Und wir tanzten
24. Ich will brennen



Baghira
  • Autor: Baghira