31. Dark Dance Treffen in Lahr am 26.09.09

Als Anhur mich fragt, ob ich einen Artikel über das Dark Dance Treffen schreiben wollte, sagt ich sofort zu. Da ich mich gerne überraschen lasse, erkundige ich mich erst kurz vor der Abreise nach den teilnehmenden Bands. Diorama? Check, schon zwei Mal gesehen. Henke? Check, schon einmal gesehen. Eisenfunk? Check, zwar noch nicht gesehen, aber schon gehört. Faderhead? Check, kenne ich vom Wegschalten – aber dazu gleich mehr.

Wie auch immer, die Band-Liste beunruhigt mich nicht wirklich, mehr die Tatsache, dass wir 2 ½ Stunden hin- und in der gleichen Nacht noch einmal zurück fahren mussten. Also: Alkoholgenuss untersagt!

Das Universal D.O.G. finden wir mithilfe des Navis ohne größere Schwierigkeiten – nur der angebotene Empfangssekt lässt mich erst einmal bedröppelt gucken, bis Anhur meint, ich müsse nur soweit nüchtern bleiben, dass ich ihn wach halten könne. Das nehme ich mir zu Herzen, und tatsächlich bleibt der erste Sekt auch mein letzter für den Abend...

Bis zum ersten Auftritt sehen wir uns ausgiebig in den Örtlichkeiten des Universal D.O.G.s um. Das Innere: Myriaden kleiner, größerer und ganz großer Räumchen und Räume, jeweils unterschiedlich beschallt. Das Äußere: davor ein roter Teppich, der Kino-Atmosphäre verbreitet, dahinter erzeugen Sand, Liegestühle, üppige Vegetation und bunte Birnen Urlaubsgefühle. Eine elisabethanische Dame in Creme schiebt sich durch die im Außenbereich entspannenden finsteren oder neonbunt blinkenden Gestalten; die gleichfalls im Freien gelegene Mittelalter-Disco weiß durch gewandete DJs und der Musik angepasstes Dekor zu gefallen.

Schnitt ins Innere.
Als Faderhead - der von den enthusiastisch zappelnden Jungs von SAM unterstützt wird – auf der Hauptbühne antritt, bin ich zunächst skeptisch, da ich automatisch das Bild meines Söhnleins vor Augen habe, wie er mit grantigem Kindergesicht auf den Boden stampft und ‚mach das weg!’ grollt. Zumindest tat er das bislang jedes Mal, wenn zuhause das Video zu ‚Girlie Show’ über den Bildschirm flackerte...

 Zum Glück unterscheiden sich Söhnleins und meine musikalischen Geschmäcker zumindest bei Faderhead, denn der beanstandete Titel bereitet mir live genauso viel Freude wie später ‚Dirtygrrrls’, ‚TZDV’ und die anderen wunderbar tanzbaren Stücke. Die Akustik ist phänomenal, treibende elektronische Beats und der offensichtliche Spaß, mit dem Faderhead zugange ist, hinterlassen bei mir tiefen Eindruck und die Frage, ob der nächste Act – Vasi Vallis’ Solo-Projekt Reaper – an die Qualität des Faderhead-Auftritts herankommen könne. Blöde Frage, ich weiß; Reaper plus Live-Support kommen mit ihrer tanzbaren, rockigen Power-Elektronik ein wenig rammsteinisch daher, was aber der guten Stimmung im Saal durchaus förderlich ist. Der überwiegend mit Kunstblut bekleidete Gitarrist posiert mit Begeisterung für die Fotografen im Graben, während Frontmann Vasi die Menge zum Tanzen anspornt.

Schnitt.
Wir sind im Elektroraum. Hier ist die Räumlichkeit leider etwas beengt, jedenfalls zu eng für die Masse von Cybers, die gekommen sind, um Ext!ze spielen zu sehen. Da ich nicht sonderlich groß bin und die höher gelegenen Gebiete bereits vollgepackt sind, sehe ich von der Band bloß bunte Zipfel – vielleicht Haare? – und ab und an enthusiastisch hochgeworfene Arme, das Ganze garniert vom Bum Bum Bum des derben Elektrosounds. Irgendwann quetscht sich Faderhead an mir vorbei und flieht hinaus auf den Gang. Als mir die Luft zum Atmen letztlich ausgeht, ziehe auch ich mich strategisch zurück zur Hauptbühne, wo Diorama spielen. Ein Mädel tanzt verträumt vor sich hin; ein wenig benommen werfe ich mich auf der Empore in eine Ecke, schließe die Augen und genieße den melancholisch-symphonischen Sound. Live kommen Diorama immer noch einen Tick bombastischer daher als vom Silberling...

Schnitt zum Elektroraum und Eisenfunk. Jetzt habe ich mir eine bessere Position erkämpft, wo ich trotz Gedränge erstaunlicherweise gemütlich stehen und zusehen kann, wie sich das Projekt aus dem Stall von Bruno Kramm auf der Bühne produziert. Das ist genau die Art von elektronischer Musik, die mich aus dem Diorama-Traum reißen kann: ein bisschen Noise, ein bisschen Synthie-Pop, rhythmisch-melodiöser Krach! Aber auch diesmal wird die Atemluft irgendwann knapp und ich fliehe wieder einmal (zurück? Den zeitlichen Ablauf habe ich nicht mehr ganz präsent) zur Hauptbühne, diesmal zu Henke. Oswald Henke selbst wundert sich ein wenig darüber, wie sie stilistisch wohl zwischen die ganzen elektronischen-Acts passen, und tatsächlich dünnt sich das Publikum nach einiger Zeit ein wenig aus, als etliche Elektroheads in Richtung der Erstickungskammer eilen. Nichtsdestotrotz ist die Vorstellung von Henke einmal wieder genial: poetisch, ein wenig verrückt, sehr witzig und technisch perfekt gespielt und inszeniert. Das gleiche Mädel wie vorhin tanzt noch immer auf der Empore, lächelt, als sie bemerkt, dass ich ihr zusehe.

Schnitt in die dm-Bar. Zu 80er-Klängen tanzen Mädels an Stangen, in einer Nische am Gang sitzt ein Cybermädchen, deren neonfarbige Bekleidungsakzente im Licht der UV-Lampen fluoreszieren. Fluoreszieren zun auch die Stäubchen auf meinem T-Shirt; automatisch beginne ich, den Staub wegzurubbeln, der sich aber innerhalb weniger Sekunden wieder regeneriert; ich höre erst dann auf mit dem Abklopfen, als mir auffällt, dass auch alle anderen Schwarzen mit blauweißen Fasern bestäubt sind. Anhur möchte gerne noch SAM sehen, aber  Eisenfunk hören und hören nicht auf, zu spielen. An sich keine schlechte Sache, aber eingedenk der uns noch bevorstehenden nächtlichen Weltreise brechen wir schließlich auf und machen uns – halbtaub, aber guter Dinge – auf den Rückweg.

Schnitt auf die verlassene Autobahn, in einen einsamen Volkswagen, in dem sich zwei zufriedene Gestalten beim Konsumieren von Würstchen und Energiedrinks über den vergangenen Abend unterhalten.

Fazit:
Das 31. Dark Dance Treffen ist rundum gelungen; nun sind wir gespannt auf Nr. 32.     

Galerien

31. Dark Dance Treff in Lahr: Gäste
31. Dark Dance Treff in Lahr: Henke
31. Dark Dance Treff in Lahr: Diorama
31. Dark Dance Treff in Lahr: Eisenfunk
31. Dark Dance Treff in Lahr: Ext!ze
31. Dark Dance Treff in Lahr: Reaper
31. Dark Dance Treff in Lahr: Faderhead

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Offizielle Seite des Dark Dance Treff: http://www.dark-dance.de/ 


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