Die Adventszeit. Zeit der Ruhe und der Besinnlichkeit. Jedenfalls theoretisch. Denn im metallischen Paralleluniversum gelten andere Regeln, wie ARCH ENEMY, WARBRINGER, CHTHONIC und KOHATRED am 21. Dezember in der Garage lautstark unter Beweis stellten.
Rein optisch hätte man die hessischen Nachwuchs Metalcoreler von KOHATRED für eine Schülerband halten können, zu deren Lieblingsfach „Posing“ zählt. Eben dieses beherrscht insbesondere Sänger Olli ziemlich gut. Musikalisch hinterließen die Jungs augenscheinlich nicht nur beim Schreiber dieser Zeilen einen bestenfalls mittelmäßigen Eindruck, worauf die eher verhaltenen Publikumsreaktionen schließen ließen. Zum Glück änderte sich dies schlagartig mit dem Auftritt der taiwanischen Black-Metaller CHTHONIC, welche deutlich mehr zu bieten hatten.
Anmutigen Schrittes nahmen Keyboarder CJ und Schlagzeuger Dani hinter schwarzen Masken verhüllt während des epischen Intros ihre Plätze ein. Kurz darauf folgten die restlichen Bandmitglieder, um ihre Matten kreisen zu lassen. Mit einer gehörigen Portion Spielfreude und Charisma boten die Asiaten eine äußerst kurzweilige Show, die Hunger auf mehr machte. Frontmann Freddy (sehr „asiatische“ Musikernamen übrigens) überzeugte sowohl durch Sangeskunst als auch durch seine Fertigkeiten an der Erhu, einem zweisaitigen chinesischen Streichinstrument, welches in unseren heimischen Kulturkreisen eher Exotenstatus besitzen dürfte. Toller Auftritt!
Setliste Chthonic
Stimmungsmäßig noch einige Briketts drauf legten die Kalifornier WARBRINGER. Mein lieber Schwan, was haben die Herren für Hummeln im Hintern! Ihres Zeichens absolute Überzeugungstäter in Sachen Old School Thrash fegten die Jungs bangenderweise bei gutem Sound und umfangreicher Lichtshow über die Bretter, als gebe es kein Morgen. Die Energie übertrug sich bereits mit den ersten Klängen auf das Auditorium, was zahlreiche Crowdsurfer und ausgiebige Circle Pits zur Folge hatte. Gerade im Zuge des Thrash-Revivals dürfte zukünftig noch verstärkt mit dieser Combo zu rechnen sein.
Setliste Warbringer
Nicht nur der frenetische Jubel ihrer Fans und der sich damit ankündigende abendliche Siegeszug für ARCH ENEMY dürfte der Grund für das entspannte Auftreten von Angela Gossow gewesen sein, zumal man (und Frau) nach eigener Aussage im Vorfeld des Konzertes dem Saarbrücker Weihnachtsmarkt einen umfangreicheren Besuch abstattete, um „Glühwein zu vernichten“ und „das ein oder andere Tütchen zu rauchen“. Daher also die überdimensionierten Pupillengrößen der Musiker... Der Qualität des Auftritts tat dies zum Glück keinen Abbruch. Phasenweise leistete die Security aufgrund der Crowdsurf-Geschwader wirklich Schwerstarbeit. So soll es sein! Besonders erwähnenswert war Angelas Ansage, dass zum Tourtross auch Vertreter von Amnesty International zählen. ARCH ENEMY unterstütze besagte Organisation im Kampf für fundamentale Menschenrechte, zumal man diese weltweit zunehmend mit Füßen trete. Nicht nur die Band, sondern auch die für ihren Zusammenhalt bekannte Metal-Scene müsse diesbezüglich Flagge zeigen.
Setliste Arch Enemy
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Euer Brausi