„Alle Jahre wieder kommt das Christuskind auf die Erde nieder…“ und genauso kommen alle Jahre wieder Coppelius in das noch weihnachtliche Kaiserslautern. Die „Konzertane Reise zum Ruhme des Zinnober“ machte am 29.12.2010 in der Kammgarn Station.
Trotz der bitterkalten Temperaturen an diesem frostigen Dezemberabend und der winterlichen Straßenverhältnisse strömten zahlreiche Fans dieser außergewöhnlichen und musikalisch avantgardistisch anmutenden Band aus Berlin herbei.
Die Konzerte - von profanen Gigs will man gar nicht sprechen - sind von einer ganz eigenwilligen Atmosphäre geprägt. Coppelius entführen ihre werten Gäste durch die Kleidung, die Bühnenausstattung und durch die Sprache zurück in das 18.Jahrhundert. Das Publikum macht dieses Spiel gerne mit und kleidet sich ebenfalls in Gehrock, Frack und Zylinder. Mein erster Gedanke nach so viel familiären Weihnachtstrubels war jedenfalls: “Endlich wieder normale Menschen!“
Um 20:45 Uhr war es dann soweit, nach der Vorband „Der Schulz“ und einer kurzen Umbaupause geht das Licht aus, die Hallenmusik verstummt, das Intro setzt ein und wie üblich eröffnet Butler Bastille durch das entzünden einer Laterne das Konzert. Der langsamen Erleuchtung der Bühne folgen dann nacheinander die anderen Herren von Coppelius mit ihren Instrumenten. Das Publikum in der bereits zu diesem Zeitpunkt prall gefüllten Halle ist vom ersten Stück an begeistert und geht voll mit.
Sehr gut gelungen war auch die Setlist die sich natürlich nicht nur auf die nunmehr dritte Silberscheibe der Herren „Zinnober“ beschränkte. Die neuen Lieder wechselten sich harmonisch mit lieb gewonnenen Einlagen, zum Beispiel der Zubereitung und der anschließenden Verkostung von giftgrünem Absinth, mit altbekannten Liedern und dem gemeinschaftlichen Haarschütteln ab.
Doch bei den älteren Stücken ging die geneigte Zuhörerschaft schon etwas mehr ab; wahrscheinlich hat die aktuelle Silberscheibe „Zinnober“ unter dem Weihnachtsbaum gelegen und die Zeit zum reinhören und zum verinnerlichen war zu knapp ;-)
Dabei wird mit den neuen Songs das Erbe des Sextetts konsequent fortgeführt: Hier ein heraus geschmettertes Klarinettensolo, dort ein infernalischer Refrain - in der Summe ein unglaublich druckvoller aber kammermusikalischer Angriff auf das Hörorgan.
Als das Konzert sich dem Ende neigte und die Künstler zum ersten Mal die Bühne verließen, war das Publikum damit jedoch gar nicht einverstanden!
Unter frenetischem Applaus und stilechten "Da Capo" Rufen* ließ sich die Band zu insgesamt drei Zugaben bewegen, bevor Diener Bastille mit dem bekannten Satz „Coppelius hilft!“ die Zuhörer verabschiedete und das Bühnenlicht endgültig ausging.
Stefan Burgard
loading...sb high Copp-001 Auf der konzertante Reise zum Ruhme des Zinnober besuchten Coppelius, schon beinahe wie gewohnt, auch die Kammgarn in Kaiserslautern.
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