Am 2.10.2008 besuchten wir erstmalig das Dark Area Fetival in den Kassler Nachthallen. Das mittlerweile zum dritten Mal stattfindende Indoor-Festival konnte in diesem Jahr mit einem beeindruckenden Line Up überzeugen. Für 29,- EUR (Abendkasse) konnte man auf zwei Bühnen viele Leckerbissen der schwarzen Szene genießen. Auf einer Industrialbühne sollten SAM, NoisufX, Xotox und Grendel die Anhänger härterer Klangkultur begeistern, während auf der Hauptbühne Rozencrantz, Soko Friedhof, Qntal, Diary of Dreams und Die Krupps das Publikum mit weniger Lust auf Vollelektronisches glücklich machen sollten. Da uns dieses Line Up sehr begeisterte, beschlossen wir ein Team nach Kassel zu entsenden. Ist ja auch nicht so weit weg ... in knapp mehr als 3 Stunden sollten wir vor Ort sein. So viel zur Theorie.
Nachdem ein Hotel schnell gefunden und ein halber Tag Urlaub eingereicht war, begaben wir uns frühzeitig auf die Reise. Schließlich wollten wir uns im Hotel noch mit anderen musikbegeisterten Freunden treffen und uns gemütlich auf den kommenden Abend in der Hotelbar vorbereiten. Hätten diverse Straßenplaner nicht beschlossen, die Autobahnen auf dem Weg für die Zukunft besser auszubauen, drei andere Reisenden nicht beschlossen, ihre Fahrzeuge auf „unserer“ Strecke zu zerstören und ein weiteres Fahrzeug nicht beschlossen, in einer 9 km langen Baustelle seinen Dienst zu verweigern, dann...ja, dann hätte das alles auch super funktioniert.So endete es schließlich damit, dass wir erst nach 19:00 Uhr im Hotel ankamen, schnell den Rest der Mannschaft einsammelten und hungrig in die Nachthallen fuhren, die wir im vollen Vertrauen auf unser Navi nach Durchquerung diverser Hinterhöfe und schlammigen Pisten auch noch recht zügig erreichten.
Puh! Geschafft. Ab jetzt wandte sich alles zum „Guten“. Zwar hatten wir den Anfang von Rozencrantz verpasst und die Kurve zu SAM nicht mehr bekommen, hatten aber noch das Vergnügen, das Ende der Rozencranz Darbietung zu genießen. Eingängier Gothrock von hoher Güte schaffte es schnell, auf einen guten Abend einzustimmen.
Aber nun zuerst einmal zur ersten positiven Überraschung des Abends: Die Nachthallen!
Ich habe mittlerweile schon einige Festivals und Konzerte besucht, muss jedoch gestehen, dass die Nachthallen ihresgleichen suchen. Zwar können Sie nicht das Ambiente einer Moritzbastei oder des Völkerschlachtdenkmals bieten, für eine „normale“ Veranstaltungshalle ist es jedoch ein fantastisches Objekt. Direkt nach dem Eingangsbereich gelangt man in ein geräumiges Bistro, in dem man sich bei angenehm eingestellter Musik auf ein Bierchen zurückziehen oder sich zwischen den Konzerten auch mal schnell stärken kann (z.B. falls man eine etwas längere Anreise hatte und daher das Hotelmahl verpasst hat ;-)) Das Essen im Bistro war wohl noch der einzige negativ Punkt des Abends. Die Preise sind zwar mehr als fair, aber zumindest was die Pepperonipizza anbelangt trotzdem noch zu hoch. Hier sollte der Koch besser auf das Fertigprodukt eines Qualitätsherstellers umsteigen.
Gestärkt nach unserem Mahl zogen wir nach der Rozencrantz Vorstellung erst einmal durch die Hallen, um zu erkunden, wo man sich überall verlaufen kann. Hier stößt man nach dem Bistro erst einmal auf den Hauptdiskothekenbereich, in dem uns im Verlauf des Abends neben den Resident DJs des Dark Area auch noch Herr Kramm beglücken sollte. Von dort aus gelangt man auf einer Seite nach Durchschreiten einiger Gänge und eines Merchandisingbereichs zur Hauptbühne, die mit einer großen Theke und einem angegliederten „Bistro“Bereich alles bot, damit man sich den ganzen Abend nicht mehr zu weit von der Bühne entfernen musste.
Verliess man den Hauptdiskotheken-Bereich auf der anderen Seite, fand man sich schnell wieder in einem kleineren dunklen Saal, der Industrialbühne.
Nun aber schnell wieder zurück zur Hauptbühne, wo Soko Friedhof aufspielen sollten. Das wollte ich mir ja nicht entgehen lassen, da ich Soko noch nie live erleben durfte. Nun gut. Was lässt sich dazu sagen? Frontmann und -frau waren begleitet von drei Tänzerinnen, die teils mit Minimalbegabung, teils auch mit etwas weniger davon die Show begleiteten. Leider verbesserten die Musik und die gesangliche Qualität nach meinem Empfinden die Show jedoch nicht. So fiel es dann auch nicht schwer, die Darbietung bald wieder zu verlassen und die Industrialbühne zu besuchen, auf der Noisuf-X ihr Können zum Besten gaben.
Dieser Umzug hatte sich für mich dann sehr gelohnt, den Noisuf-X machten ihren Job äußert gut. Hart, klar und begeisternd ließen sie die Tieftöner der Anlage dröhnen und wurden vom tanzenden Publikum begleitet.
Freundlicherweise war das Programm so gestaltet, dass man - kurze Überschneidungen in Kauf nehmend - von jedem Auftritt etwas mitnehmen konnte. Da Qntal eine der Bands ist, die ich immer wieder gerne sehe, verließ ich Noisuf-X vorzeitig, um auch den Beginn des Qntalauftritts erleben zu können. Wie immer war dies eine lohnende Entscheidung. Qntal konnte mit gewohnt hoher Qualität (einzige Minuspunkte waren Rückkopplungen auf dem Micro von Syrah, wofür aber weniger die Künstler als die Techniker verantwortlich waren) überzeugen. Es fehlten zwar einige Stücke, die live fantastisch sind; dies ist eben der Nachteil eines Festivals, da jeder Band nur eine sehr begrenzte Zeit bleibt und gerade Formationen wie Qntal einfach zu viele gute Lieder für das kleine Zeitfenster haben.
Nachdem Qntal ihre Show mit Bravur beendeten, ging es schnell wieder in den Industrialbereich, in dem gerade Xotox ihre Musik zum Untergang („Die Welt geht zugrunde und wir machen den Soundtrack dazu“ frei nach Xotox) darboten. Für meinen Geschmack ist Xotox ein wenig hart, gefiel aber anderen Zuhörern offenbar so gut, dass dank der auf- und niederhüpfenden Menge fast kein Hereinkommen mehr möglich war. Auf jeden Fall Bombenstimmung im Indusrialgewölbe!
Pünktlich zum Beginn von Diary of Dreams war ich wieder an der Hauptbühne angelangt, und Adrian Hates schaffte es, zusammen mit seinen Musikern das Publikum gleich mit den ersten Songs in seinen Bann zu ziehen. Nach gefühlten 15 Minuten, die in Wirklichkeit aber doch ein bisschen mehr waren, waren Diary of Dreams mit ihrer Show am Ende. Alles Neuere wurde gespielt, auch ein paar ältere Songs, nach meinem Geschmack aber noch lange nicht genug, da Qualität der Darbietung und die Auswahl der Songs Spitzenklasse war. Aber wie immer: der Zeitplan ist hart und wurde auf dem Dark Area nahezu mit der Präzision einer Schweizer Uhr durchgezogen.
Nun schnell wieder in die Industialgrotte zurück, wo Grendel ihre Show zum Besten gaben. Verdienterweise standen auf dieser Bühne Grendel am Ende des Abends als Headliner vor dem Publikum. Die Jungs liessen es noch einmal richtig krachen und konnten mit vielen bekannten Gassenhauern das Publikum zum Toben bringen. Pünktlich zu den letzten Klängen von Grendel erschienen dann Die Krupps auf der Hauptbühne und brannten ein Feuerwerk ihrer großen Hits ab, womit sie sich auch schnell wieder ganz nach oben in den Herzen der zahlreichen Fans spielten. Ganz klar konnte man hier sagen, dass Alter auch Erfahrung bringt. Obwohl sie mir mit Liedern aus den frühen Achziger, die mir (so hart das auch klingen mag) aus meiner Jugend noch bekannt waren, das eigene Alter vor Augen führten, schafften sie es nicht, mich in Alterswehmut zu treiben. Nein, wie auch den Rest des Publikums versetzten sie mich eher in eine Bewegungswut. Die Herren machten nach 17 Jahren Kassel-Abstinenz einen klasse Job auf der Bühne und hätten, wenn das Soll nicht vorher schon erfüllt gewesen wäre, das Eintrittsgeld endgültig gerechtfertigt.
Fazit: Die Ärgernisse von der Autobahn und die eher schlechte Pizza konnten die Laune bei einem solch netten Event gar nicht so sehr trüben, um das Ganze nicht zu einem gelungenen Tag werden zu lassen. Auf der Industrialbühne verteidigten Grendel ihren Anspruch auf den Headliner-Titel meiner Meinung nach souverän, während auf der Hauptbühne nach meinem Geschmack Diary of Dreams, wie auch schon auf anderen Festivals in diesem Jahr, die Band des Tages war. Da die Location richtig klasse ist und die Bandauswahl fantastisch war, werde ich wohl im nächsten Jahr wieder den Weg nach Kassel suchen und vermutlich noch einige Leute aus der Region zu Fahrgemeinschaften überreden. Einzig den Termin konnte ich nicht so richtig nachvollziehen. Zwar war der folgende Tag ein Feiertag, das half aber niemandem, der von weiter her kommen wollte und keinen Urlaub am Veranstaltungstag bekam. Da wären sicherlich noch ein paar Leute mehr gekommen, wenn das Festival einen Tag später über die Bühne gegangen wäre.
<bs>
Dark Area Festival 2008: Rozencrantz
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Dark Area Festival 2008: Noisuf-X
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Dark Area Festival 2008: Soko Friedhof
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Dark Area Festival 2008: Qntal
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Dark Area Festival 2008: Xotox
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Dark Area Festival 2008: Diary of Dreams
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Dark Area Festival 2008: Grendel
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Dark Area Festival 2008: Die Krupps
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Dark Area Festival 2008: Impressionen
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