Elekktro Shokk

Am 17. und 18 April wurde im badischen Adelsheim zum Elekktro Shokk Festival 2009 geladen.

Ein imposantes Line Up lies darauf schließen, dass die kleine, beschauliche Gemeinde mit einem gehörigen Ansturm von Anhängern netter Elektromusik überrannt werden könnte.

Also fuhr unser Team (Tiger & Anhur) am frühen Tage in Richtung Adelsheimer Live Factory, um ja noch einen guten Platz zu bekommen. Angekommen dachten wir zuerst, dass wir womöglich am falschen Platz gelandet seien. Obwohl die Parkplätze im Vergleich zu dem Veranstaltungsgebäude eher klein schienen war es kein Problem einen ebenen Platz für unser fahrbares Nachtlager zu finden. Nun gut: Also los und die Schlangen am Eingang suchen. Fehlanzeige. Wir musste zwar auf Grund eines verspäteten Beginns noch ein bisschen vor dem Eingang warten, richtiges Gedrängel entstand dennoch nicht. Sollte der Beginn 14:00 Uhr am Freitag möglicherweise die arbeitende, nicht urlaubswillige Bevölkerung vom Kommen abgehalten haben?

Leider bestätigte sich diese Befürchtung. Die ersten Bands spielten auf beiden Bühnen vor fast leeren Räumen. Das würde sich aber sicherlich gegen Abend oder spätestens in der Nacht ändern, wenn Das Ich, Straftanz oder Heimataerde die Bühne erobern würden ... seltsamerweise geschah dies jedoch nicht.

Warum so wenige Gäste kamen bleibt mir ein Rätsel. Es war ein äußerst attraktives LineUp, eine gute Location und beworben war es auch. Vielleicht war der Eintrittspreis einfach zu günstig ;-) Da konnte man nämlich wirklich nicht meckern.

Wie auch immer, nun aber noch ein bisschen was zu den Kappelen, die antraten uns zu Unterhalten und zum Ablauf des Festivals:

Leider ging es wie oben erwähnt mit ein wenig Verspätung los, so dass schon nach kurzer Zeit die bekannten Zeitpläne nicht mehr stimmten. Da die beiden Bühnen jedoch nicht sehr weit auseinander waren konnte man problemlos zwischen den Auftritten hin und her wechseln. Die Hauptbühne ist in der Live Factory im Obergeschoss zu finden. Von dort aus musste man eine weitere kleine Halle durchmessen, in der einige Promo und Verkaufsstände zu finden waren, bevor man in ein Treppenhaus gelangte von dem aus man auch direkt an der kleineren Bühne war.

Da der Publikumsandrang leider sehr dürftig war und blieb hatten die Bands, die "nur" für die kleinere Bühne eingeteilt waren, im Grunde genommen das bessere Los gezogen, da dort der Pubikumsbereich doch schnell gut gefüllt war.
So konnten Bands wie Straftanz und Frozen Plasma nicht nur wegen ihrer guten Performance eine richtig gute Show abliefern, während es anderen wie Cephalgy oder Glen Love - die  sicherlich gut für Stimmung sorgen können und dies auch versuchten - schwer hatten, von der Hauptbühne aus den wenig gefüllten Raum zum Toben zu bringen.

Gewinner und Verlierer

Am ersten Tag waren die für mich überzeugendsten Bands alle auf der kleinen Bühne vertreten. Es waren Straftanz und Frozen Plasma. Bemerkenswert war, dass Frozen Plasma es auch zu später Stunde noch schafften richtig gute Stimmung zu machen und die Leute mit rissen. Aufgrund der Verzögerungen beim Beginn und kleinerer Abstimmungsprobleme zwischen einzelnen Konzerten war ihr Auftritt erst irgendwann gegen 04:00 in der Früh.

Auf der Hauptbühne gab es dafür die größeren Enttäuschungen. Die drei zuletzt aufspielenden Bands konnten aus verschiedenen Gründen nicht überzeugen. Bei Phase III wich ein anfängliche reges Interesse an der Darbietung schnell gnadenloser Langeweile. Nicht nur teils sehr an "Schlagerknaller" erinnernde Kompositionen sondern auch die Bühnenpräsenz einiger Bandmitglieder förderten das Desinteresse an dem Auftritt. Spätestens als "Fade to Gray" angestimmt wurde, war es für mich vorbei mit dem Spass und ich verließ fluchtartig den Saal, um bei einem Bierchen auf bessere Gedanken zu kommen.

Als nächstes betraten dann Das Ich die Hauptbühne. "Komisch", dachte ich, "normalerweise sieht doch der Sänger ganz anders aus". Keine Aufmachung, nichts. Nur Mastermind Bruno Kramm und Keyboarder Marty Söffker waren "vernünftig" gekleidet. Der Grund war auch schnell klar: Nach der Begrüßung verließ Stefan Ackermann die Bühne, ließ seine Mitstreiter etwas bedeppert und die Fans ein wenig überrascht auf und vor der Bühne zurück. Nach einer Entschuldigung spielten Bruno und Marty noch einen Hit und verließen dann auch die Bühne. Offiziell hatte Herr Ackermann Kreuzschmerzen, inoffiziell keine Lust (oder etwas in der Art), und in Mitteilungen in den nächsten Tagen wurde dann von einem Zusammenbruch berichtet. Was auch immer ... die Fans fanden es wohl nicht sehr witzig. Aber es kam ja auch noch Heimataerde.
Nun wird alles gut, konnte man hoffen. Der Saal vor der Hauptbühne war jetzt schön dunkel und auch einigermassen gefüllt als Heimataerde die Bühne betraten. Die ersten beiden Musiker machten zuerst ein bisschen Instrumentales, bevor der Rest der Band die Bühne betrat. Nun denn: Nette Kostüme und Wehranlagen hatten sie ja auf die Bühne gebracht, aber die Show war eher weniger Energie geladen. Vielleicht auch bedingt durch die späte Stunde. Das das andere Bands aber besser können bewiesen dann, wie oben bereits genannt, Frozen Plasma.

Am ersten Tage muss ich leider resümieren, dass die "Headliner" auf der Hauptbühne nicht punkten konnten. Das Ich hätten das - wenn sie wirklich aufgetreten wären - sicherlich geschafft. Immerhin bemühten sich die Übriggebliebenen redlich ...

Ansonsten waren aber ein Großteil der Bands, die schon mittags aufspielten (selbst Schnewittche, die meinen Musikgeschmack nicht recht treffen) besser als die "Großen". Ein Glen Love schaffte es wenigstens ein paar Leute zum Mittanzen zu bringen. Oder auch Cephalgy waren überzeugender als Heimataerde, Heavy Current um Klassen besser als Phase III ... entschädigt wurde man aber im "Keller" mit verschiedenen gut aufspielenden Bands wie Santa Hates You, Kaos Frequenz, Straftanz oder Frozen Plasma.

Am frühen Morgen konnte ich trotz aller negativer Kritik, die ich bisher fand, zufrieden in mein Bettchen sinken und schon vom nächsten Tage träumen.

Nach gefühlter einer Stunde Schlaf ging es um ca. 15:00 dann auch schon wieder weiter. Den Start machte ich bei Lennart Project. Da dieses Projekt von zwei Mitgliedern von Phase III präsentiert wurde befürchtete ich Schlimmes. Aber im Gegenteil: Musikalisch sehr hochwertig wurde ein sehr politisch geprägtes Werk in Bild und Ton präsentiert, das durchaus zu überzeugen wusste. Sehr interessante Arrangements mit textlicher Aussage. Respekt. Das hat gefallen. Da sich über alles Mögliche und Politik im Besonderen prima streiten lässt kann man sicherlich über den Inhalt streiten, über die Darbietung aber wohl kaum. Am zweiten Tag wollte man von organisatorischer Seite auf jeden Fall wohl nicht mehr riskieren, dass die Leute erst morgen um 6:00 ins Bett kommen und man achtete sehr darauf, dass die Zeitpläne eingehalten wurden. Bei einigen Bands war das sehr schade. Die hätten von mir aus gerne überziehen dürfen... das ist aber wohl das Leid eines jeden Festivals: Es geht nicht wenn es richtig funktionieren soll!

Auf jeden Fall konnten eine Menge Bands gut überzeugen. Massiv in Mensch, die zwei Tanzanimateure ins Rennen schickten, Kontrast mit handwerklich perfekter 80 Jahre Mucke,  Agapesis mit einer interessanten Lehrstunde, Novastorm mit geilem Sound, Noyce Tm mit neuen und alten Liedern, Klangstabil mit extrem viel Kraft in den Liedern und schließlich als Headliner Diorama im "Keller" und Welle:Erdball auf der Hauptbühne.

Diorama fesselten mit einem abwechslungsreichen Programm und perfekter Umsetzung wieder einmal so, dass ich beinahe noch zu spät zu W:E gekommen wäre.

Welle Erdball schaffte es dann wohl auch als einzige Band die unendlichen Weiten vor der Hauptbühne gebührend zu füllen. Also nicht selbst, sondern mit partywilligen Zuhörern und Zuhörerinnen. Mir stellte sich auf jeden Fall die Frage wo all die Leute sich die ganze Zeit verborgen hatten ;-) Welle:Erdball machten wieder einmal einen klasse Job. Leider war das ganze nach ca. 5 Minuten schon vorbei :-) Glücklicherweise nur nach gefühlten 5 Minuten. Es wurden viele, viele bekannte Weisen vorgetragen und von einer bunten, schrillen und toll inszenierten Live Show mit den obligatorischen Lutballons, Konfetti, Papierfliegern usw. begleitet. Honey hatte offenbar wieder einmal mehr seinen Spass damit kleine Witzchen mit dem Publikum zu reißen. Leider gab es diesmal keinen C64 für das Publikum. Da meiner kaputt ist hätte ich den gerne gehabt ;-)

Resumee

Trotz der genannten Kritik würde es mich sehr freuen, wenn es im nächsten Jahr das Elekktroshokk wieder geben würde. Für einen überschaubaren Preis hatte man zwei Tage lang alle Chancen, eine Menge Spaß zu haben, und die Location war bestens für eine solche Veranstaltung geeignet. Leider wurde die Arbeit von Spike und seiner Gattin nicht in dem Maß gewürdigt wie es zu hoffen (und zu erwarten) gewesen wäre. Es waren extrem viel gute Bands vor Ort, die sich größtensteils auch redlich bemühten. Leider fehlten über die meiste Zeit hin die Zuschauer.

Es bleibt also nur, an alle Verehrer der elektronischen Tanzmusik zu appellieren, ein solches Angebot auch zu nutzen. So weit ab vom Schuss ist Adelsheim nun auch nicht. Im Gegensatz zu Hildesheim oder Leipzig eigentlich sogar recht zentral gelegen. Also: Erzählt es weiter und kommt das nächste mal zu Hauf!

 

Galerien

ElekktroShokk09: Impressionen
ElekktroShokk09: Welle:Erdball
ElekktroShokk09: Novastorm
ElekktroShokk09: Cephalgy
ElekktroShokk09: Darkman
ElekktroShokk09: Das Ich
ElekktroShokk09: Davos
ElekktroShokk09: Diorama
ElekktroShokk09: Disasterous Din
ElekktroShokk09: Agapesis
ElekktroShokk09: Dupont
ElekktroShokk09: E-Craft
ElekktroShokk09: Eisenfunk
ElekktroShokk09: F.O.D.
ElekktroShokk09: Frozen Plasma
ElekktroShokk09: Glen Love
ElekktroShokk09: Goja Moon Rockah
ElekktroShokk09: Heavy Current
ElekktroShokk09: Heimataerde
ElekktroShokk09: Kaos Frequenz
ElekktroShokk09: Klangstabil
ElekktroShokk09: Kontrast
ElekktroShokk09: Lenart Project
ElekktroShokk09: Massiv in Mensch
ElekktroShokk09: Midnight Resistance
ElekktroShokk09: Noyce TM
ElekktroShokk09: Phase III
ElekktroShokk09: Profane Fatality
ElekktroShokk09: Santa hates you
ElekktroShokk09: Schneewittchen
ElekktroShokk09: Schwarzews Fragment
ElekktroShokk09: Silizium
ElekktroShokk09: Straftanz
ElekktroShokk09: V2a
ElekktroShokk09: Weltfremd

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Line Up

Welle: Erdball
Das Ich
Heimataerde
Diorama
Lola Angst
Massiv in Mensch
Straftanz
E Craft
Klangstabil
Kontrast
Santa Hates You
Eisenfunk
Cephalgy
Suicide Booth
Kontrast
Davos
Inline Sex Terror
Kaos Frequenz
Agapesis
S.C.Inc
der Gefaehrte
Goja Moon Rockah
excubitors
Novastorm
V2A
Heavy Current
Schneewittchen
X Divide
Zyklus:N
Lennart: Friendly Fire
File Not Found
Without Recognition
Novus UK
Weltfremd
Noyce TM
Der Gefaehrte
F.O.D.
Heavy Current
y luk o
Phase III
Skorbut
NuclearX
:SILIZIUM:
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