Am Freitag, den 16. September 2010 sorgte das Heidenfest in saarländischen Breitegraden nicht zum ersten Mal für einen kurzweilig-metallischen Abend. Ort des Geschehens war die Garage in Saarbrücken. Ein besonderes Schmankerl auf dem Billing stellte dabei das Bathory-Tributprojekt TWILIGHT OF THE GODS dar, das allerdings bei einem nicht unwesentlichen Teil der angereisten Haupthaarschüttler auf relativ wenig Gegenliebe zu stoßen schien. Doch der Reihe nach…
Pünktlich um 18.00 Uhr mussten von den insgesamt fünf angereisten Bands zunächst die niederländischen HEIDEVOLK auf die Bretter, um den bereits gut gefüllten Innenraum der Garage anzuheizen. Und dieser Aufgabe wurde man absolut souverän gerecht. Insbesondere „Nehalennia“, als Opener auf dem neuesten Album „Uit Oude Grond“ vertreten, und der Gassenhauer „Saksenland“ sorgten für Begeisterung bis in die letzte Reihe. Die von den beiden Hauptsängern Joris Boghtdrincker und Mark Splintervuyscht initiierten Mitsingspielchen trafen auf lautstarke Resonanz, wofür sich die Band mit hocherhobenen Trinkhörnern bei der Meute bedankte. Das abschließende „Vulgaris Magistralis“ stellte eindrucksvoll unter Beweis, mit der sympathischen Truppe ist in der Folk- und Pagan-Szene zukünftig noch verstärkt zu rechnen. Das scheint mindestens so sicher wie die Tatsache zu sein, dass Niederländer nicht imstande sind, vernünftig Auto zu fahren!
Im Anschluss enterten die US-amerikanischen Piraten von SWASHBUCKLE in stilechter Verkleidung die Bühne. Sänger/Bassist Admiral Nobeard, unterstützt von Commodore RedRum an der Gitarre, Bootsmann Collins am Schlagzeug und einem Stoffpapagei auf der Schulter, legte nach anfänglichen Techno-Klängen (!) sogleich mit einer druckvollen Portion Thrash Metal los. Stimmungshöhepunkt war eindeutig der Song „Crewed by the Damned“, auf den das Publikum mit einem amtlichen Circle Pit reagierte. Im Folgenden tanzten Taucher-fressende Haie und Gummipalmen über die Bühne, was SWASHBUCKLEs eigenwilligen Sinn für Humor zusätzlich unterstrich.
Als dritte Band kündigte sich EQUILIBRIUM aus Deutschland mit einem epischen Intro an, um in den folgenden 45 Minuten die Stimmung weiterhin zu steigern. Vom ersten bis zum letzten Klang stellten EQUILIBRIUM eindrucksvoll unter Beweis, dass sie die Zuschauermenge mit ihrer verspielten Melange aus bombastischem Folk und Black Metal voll im Griff hatten. Mit Rundumtreffern wie „Blut im Auge“ oder „Der ewige Sieg“ im Gepäck konnte eigentlich auch nichts schief gehen. Auch „Die Affeninsel“ oder „Der Wassermann“ vom neuen Album „Rekreatur“ kamen sehr gut an. Nachdem man in „Met“ seine Zuneigung gegenüber alkoholischen Genüssen zum Ausdruck brachte, beendeten die Münchner den kurzweiligen Auftritt mit „Unbesiegt“, um das Feld für ENSIFERUM zu räumen.
Sie kamen, sahen und siegten. Im Vorfeld galten die Finnen nicht umsonst als inoffizieller Headliner des Abends. Gemessen an den begeisterten Publikumsreaktionen konnten ENSIFERUM diesem Ruf zweifelsohne gerecht werden. Nach dem obligatorischen Intro nahmen die einzelnen Bandmitglieder ihre Positionen ein und boten den bis dato besten Sound des Abends. Die Menge vor der Bühne bedankte sich mit schweißtreibenden Moshpits. Auch der bewegungsfreudigen und agilen Band schien der Gig Spaß zu bereiten, die mit „Abandoned“, „Deathbringer from the Sky“ oder „Twilight Tavern“ Viking Metal vom feinsten bot. Die integrierten Chorgesänge verliehen dem Ganzen noch einen zusätzlich powermetallischen Anstrich. Nach dem letzten Song „Iron“ hieß es Daumen hoch für die Krieger aus dem Land der tausend Seen.
Die Idee, der Kultband Bathory bzw. ihrem 2004 verstorbenen Kopf Quorthon als Wegbereiter des Black-, Viking- und Pagan Metals durch das Projekt TWILIGHT OF THE GODS Tribut zu zollen, fand ich klasse. Zu diesem Zweck taten sich Alan Nemtheanga (Primordial), Nick Barker (Dimmu Borgir, Cradle Of Filth), Blasphemer (Mayhem), Frode Glesnes (Einherjer) und Patrik Lindgren (Thyrfing) zusammen, um dem Meister die Ehre zu erweisen. Mir ist schleierhaft, woran es lag, dass zu Beginn des Auftritts nur noch ein harter Kern, bestehend aus ca. einem Drittel des ursprünglichen Publikums, vor der Bühne stand. An dem sehr atmosphärischen und solide dargebotenen Programm der Musiker kann es bestimmt nicht gelegen haben. Wahrscheinlich haben die ruhigeren, tendenziell doomigeren Klänge stilistisch nicht zum Rest der Heidenfest-Bands gepasst. Schade eigentlich, denn die Setlist war mit Songs wie „Shores in Flames“, „Valhalla“, „The Sword”, „Through Blood by Thunder” und „Father to Son” bestens geeignet, um das Heidenherz höher schlagen zu lassen und im Gedenken an Quorthon Gänsehaut zu verursachen. Einziges Manko aus meiner Sicht stellte der bisher eigentlich ausnahmslos gute Sound dar, welcher beim Headliner insbesondere durch ein undifferenziertes „breiiges“ Abmischen der beiden Gitarren negativ auffiel.
Insgesamt lässt sich sagen, dass sich der Besuch des Heidenfests auf jeden Fall gelohnt hat. Ich bin jetzt schon gespannt auf die Bandauswahl der nächsten Tour…
Euer Brausi
Heidenfest 2010: Heidefolk
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Heidenfest 2010: Swashbuckle
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Heidenfest 2010: Equilibrium
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Heidenfest 2010: Ensiferum
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Heidenfest 2010: Twilight of the Gods
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