Helloween – 7 Sinners World Tour 2010/11

Leider machen Grippewellen auch vor metallischen Gesangsinterpreten nicht Halt. So kam es Anfang Februar zu einer kurzfristigen Konzertabsage von HELLOWEEN, STRATOVARIUS und PINK CREAM 69, weil sich Andi Deris als Fronter des Headliners vom Fieber-Virus knutschen ließ und mit 40 Grad Fieber die Koje hüten musste. Mittlerweile jedoch wieder genesen, Dr. Stein sei Dank, holte man den Auftritt am 12. April in der Garage nach.

Um 18.45 Uhr eröffneten Andis ehemalige Bandgefährten von PINK CREAM 69 den Abend. Nach kurzem Intro ging es mit „Children Of The Dawn“ los, wobei sich das Publikum trotz solider Darbietung mit seinen Resonanzen zunächst eher reserviert zeigte. Es mag wahrscheinlich daran gelegen haben, dass die Pinkies stilistisch mit ihrem tendenziell eher im Hardrock wurzelnden Material nicht hundertprozentig ins Billing passten. Zum Glück konnte Sänger David Readman aber nach dem vierten Song „Talk To The Moon“ feststellen, dass die Zuhörerschaft nun offenbar warmgespielt sei. Nach überwundener Hüftsteife zündeten insbesondere „Seas Of Madness“ und der Rausschmeißer „Keep Your Eye On The Twistet“.

Setliste Pink Cream 69

Nach kurzer Umbaupause standen die folgenden, sehr kurzweiligen sechzig Minuten ganz im Zeichen der wiedererstarkten STRATOVARIUS. Vorwegnehmend die Feststellung meinerseits, dass die Frischzellenkur im Zuge der Trennung von Timo Kolkki durch Neuzuwächse Matias Kupiainen an der Gitarre und Bassist Lauri Porra der Band livetechnisch bemerkenswert gut getan haben. Im Vergleich zu früheren Auftritten präsentierten sich STRATOVARIUS wieder als Einheit. Man scheint den Spaß an der Sache wiedergefunden zu haben, was die Spielfreude und die Faxen der Musiker untereinander unterstrichen.

Nach seiner Krebserkrankung offensichtlich weitestgehend wieder genesen, enterte Schlagzeuger Jörg Michael während des Intros als Erster die Bühne, um im Folgenden zu alter Form aufzulaufen. Das Material vom neuen Album „Elysium“ fügte sich mit dem Opener „Darkest Hour“, „Infernal Maze“ und „Under Flaming Skies“ für meinen Geschmack recht gut neben den alten Gassenhauern wie „Speed Of Light“, „Kiss Of Judas“ oder “Hunting High And Low“ in die Setliste ein. Leider war Timo Kotipeltos Gesang anfangs viel zu leise abgemischt, was sich aber im Laufe von „Legions Of The Twillight“ änderte. Nach dem vielumjubelten Rausschmeißer „Black Diamond“ und sehr guten Publikumsreaktionen räumte man das Feld schließlich für HELLOWEEN.

Setliste Stratovarius

Der Headliner des Abends verstand es mit seinem Programm zweifelsohne, alten Keeper I+II-Fetischisten, zu denen auch der Schreiber dieser Zeilen gehört, die amtliche Vollbedienung zu kredenzen. So sorgten Überhits wie „Eagle Fly Free“, „March Of Time“, „I’m Alive“ oder „I Want Out” als auch die beiden Zugaben-Sahnehäubchen “Future World” und “Dr. Stein“ für multiple Ohrgasmen. Insbesondere auch beim eigens für die Tour einstudierten Medley, mit Sequenzen aus „Keeper Of The Seven Keys“, „King Of A Thousand Years“ und „Halloween“, ging es stimmungsmäßig in der bemerkenswert gut gefüllte Garage bis in die letzte Reihe gut ab. Neben drei Songs von der aktuellen Scheibe „7 Sinners“ („Are You Metal“, „Where The Sinners Go“, World Of Fantasy“) komplettierten die Kürbisse ihren Auftritt mit „Handful Of Pain“ sowie der Ballade „Forever And One“. Letztere boten HELLOWEEN aufgrund des kurzfristig ausgefallenen Bühnen-Sounds praktisch „taub“, aber souverän, dar. Abgesehen davon lenkten stilecht integrierte Romantik-Sternenhimmel-Lichteffekte gekonnt von den technischen Problemen ab. Wie kuschelig! Die Solo-Einlagen von Sascha Gerstner und Dani Löble kamen ebenfalls relativ gut beim Publikum an. Meinem persönlichen Empfinden nach hätte man die Zeit allerdings auch sinnvoller für weitere Bandklassiker verbraten können (Wo zur Hölle war „Ride The Sky“???). Ebenfalls unterhaltsam war die von Deris empört vorgetragene Tour-Anekdote, Drummer Löble habe seinen kürzlich in Japan erworbenen, unverschämt teuren 21jährigen Scotch-Whisky zum Mixen mit ordinärer Cola missbraucht. Welch blasphemische Tat! Bleibt die Frage offen, bei wem es sich um die restlichen sechs der im Tour-Motto angesprochenen „7 Sinners“ handeln mag…

Setliste Helloween

 

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Euer Brausi

 


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