FAUN ACOUSTIC KONZERT - mittelalterliche Balladen für bestuhlte Konzertsäle, Freitag, den 26.02.10 in der Kammgarn in Kaiserslautern
Wieder einmal lädt die Kammgarn zu einem Konzert mit Faun ein. Die eigentliche Bühnenausstattung ist gewohnt puristisch gewählt. Schwarze Banner mit dem silbernen Faun-Logo bieten den Hintergrund; Blätter umrankten die Mikrofone.
Im Vordergrund wirkt der schier endlosen Fundus schöner, teils ungewöhnlich aussehender mittelalterlicher Instrumente, wie keltische Harfe, schwedische Schlüsselfiedel, Geige, Flöten, Bouzouki, Chalumeaux, Seljefloit, Saz, Bendir, Drehleier, Monochord, Rebap und Perkussion-Instrumente. Sehr beeindruckend..
Pünktlich um 20 Uhr erscheinen Faun Stil sicher und schlicht in Schwarz gekleidet und entführen uns in die Welt des Mittelalters.
Das „FAUN Acoustic Konzert 2010 “ ist das zweite und vorerst letzte Konzert dieser Art. Es steht in der Thematik ihrer letzten CD „Faun Acoustic– Buch der Balladen“ und hat den Fokus auf die darin enthaltenen Inhalten. Aber auch ältere und lieb gewonnene Lieder wie „Tinta“ werden vorgetragen. Im Gegensatz zu früher ist der Anteil der Lieder mit deutschen Texten deutlich größer in diesem Konzert.
Und besonders ruhig ist diese Acoustic-Musik, denn es fehlt der fette Sound von Niel Mietras Keyboards. Das Publikum sitzt in gut gefüllten großen Konzertsaal der Kammgarn statt zu tanzen und bis auf die Pause ist das klingeln mit Glöckchen „untersagt“.
Einzigartig ist die Mischung von Melodien unterschiedlichster Herkunft. Virtuos werden vertonte altertümliche Sagen und Geschichten von Königen, Minnesängern, Drachen und Trollen vorgetragen. Auch althochdeutsche Zaubersprüche und Gedichte dringen betörend an unsere Ohren.
Treibende Rhythmen und ausgefeilten Saitenarrangements untermalen die mehrstimmigen Gesänge und schaffen wahre Klanggemälde.
Spielerisch wirkt das technisch versierte Spiel von Faun. Unglaublich wie viele Instrumente vor allem Oliver Satyr und Sandra Elflein beherrschen und wie leicht sie zwischen diesen wechseln.
Sandra Elflein überzeugt vor allem durch ihre Stimmgewalt und ihr Geigenspiel. Wahrlich herausragend ist ihr Intro zu der schwedischen Polka „Sen Poska“, dem Tanz den Oliver unbedingt noch lernen will.
Er begeistert uns durch seinen Gesang und sein hingebungsvolles Harfenspiel. Zudem unterhält er uns, wie gewohnt, zwischen den Stücken mit seinen charmanten Anekdoten aus dem Bandleben und den Schilderungen, welche sich rund um die Lieder ranken.
Ebenso abwechslungsreich wie die Instrument und die Musik ist dabei Olivers Art mal zotig und mal unglaublich sensibel zu erzählen. So bittet er darum die Zeugung von Kindern nur in der Pause anzugehen. Heldenhaft ist seine Version der Geschichten von Sigurd und dem Drachen, eher tragisch die von Brynhild und dem König. Alle Herzen berührt des Refrains des spanischen Liebesliedes „Tinta“. Selbst diejenigen im Publikum, die sonst weniger dazu neigen ihre romantischen Gefühle zu zeigen bekommen bei „Wäre das Wasser die Tinte und der Himmel das Papier, so könnte man selbst dann nicht schreiben wie groß meine Liebe ist“ einen verklärten Blick.
Das Konzert dauert inklusive einer ca. 20minütigen Pause und dem traditionellen Erbitten zweier Zugaben, mit dem Oliver kokettiert, insgesamt gut 2,5 Stunden.
Am Verkaufstand bietet sich den Fans die Möglichkeit Niels Mietra, der ja auf der Bühne ausnahmsweise nicht gebraucht wird, persönlich kennen zu lernen. Neben den traditionellen T-Shirts, CDS, DVDs und Buttons verkauft er gut gelaunt „Palo Santo“ - Heiliges Holz gegen eine Spende. Wenn alles verkauft ist wird Faun die Summe aufrunden und den Gewinn an WWF spenden.
Um ein wenig mehr zu erfahren erkundige ich mich bei Oliver und Fiona im Anschluss an das Konzert, wie sie denn die Acoustik-Tour im Unterschied zu anderen Konzerten erleben. Oliver wirkt sehr selbstbewusst und dynamisch und empfindet das aktuelle Konzert als Herausforderung und als besonders ausdrucksstark, wegen der Klarheit und Intensität des Spiels der einzelnen Instrumente. Fiona hingegen erklärt das Konzert mache viel Freude, „die Nähe“ sei aber auch ein wenig beängstigend, da die „schützende Untermalung“ durch den satten Elektrosound fehle. Überhaupt wirkt sie Elfengleich und sehr schüchtern.
Ich habe noch selten erlebt, dass mittelalterlicher Musik so träumerisch und zauberhaft wie bei FAUN klingt – sie verstehen es uns neuzeitlichen Menschen die zeitlose Magie dieser Epoche begreifbar gemacht.
Das Acoustic Konzert wirkt mit seinen sanften Akzenten und dem magischen Klang wie eine musikalische Therapie für Ohren und Seele. Daneben bietet sich die Gelegenheit mit den sympathischen Bandmitgliedern, die den Publikumskontakt suchen ins Gespräch zu kommen, wo sie durch ihre Persönlichkeit überzeugen.
loading...bs img 2045 lzn Faun begeisterten auf ihrer akustischen Tour "Buch der Balladen" auch in der Kammgarn in Kaiserslautern.
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Bilder von Anhur
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