Paganfest 2010 in der Garage Saarbrücken

Mit dem Paganfest 2010 schlug am vergangenen Mittwoch, den 24. Februar ein überaus hochwertiges Tourpackage in der Saarbrücker Garage ein, um den hiesigen Hobbykriegern und Methornschwingern der Folk-/ Pagan-/ Viking-Szene musikalisch ordentlich was auf die Ohren zu geben.

ARKONA aus Moskau eröffneten pünktlich um 18:00 Uhr und legten ohne Umschweife mit ihrer musikalischen Mischung aus russischer Folklore und metallischen Klängen los. Trotz der noch spärlich gefüllten Garage wurden die Ostgoten unter lautem Getöse begrüßt. Dreißig Minuten hatte die Formation Zeit, um von sich Reden zu machen und ihr aktuelles Album „Goi, Rode, Goi!“ live umzusetzen. Und das tat sie. Allen voran hatte die agile, fellbehangene Sängerin Maria „Masha“ Archipowa das Publikum vom ersten bis zum letzten Ton fest im Griff. Klasse Auftritt bei gutem Sound!

 

Nach kurzer Umbaupause stürmten VARG aus Coburg die Bühne, um ihren deutschsprachigen Viking-/ Black Metal auf die zahlenmäßig mittlerweile amtlich gewachsene Zuschauermeute loszulassen. Die VARG-Jungs legten mit „Viel Feind viel Ehr“ von der neuen Scheibe „Blutaar“ gegenüber der Vorband stimmungsmäßig noch einige Briketts drauf und erwiesen sich in voller Kriegsbemalung als echte Hingucker. Dabei punkteten die Bayern nicht nur durch cooles Stageacting und bangerkompatible Mucke sondern auch durch ihr eindeutiges Statement gegen braunes Gedankengut, mit dem auf penetrante Art und Weise versucht wird, die Szene zu verseuchen. Der Aufforderung des Sängers, den Stinkefinger in Richtung Faschos zu heben, kamen die Fans gerne und lautstark nach, bevor der Song  „Schildfront“ für den ersten Moshpit des Abends sorgte. Nach einer sehr kurzweiligen halben Stunde ging die Band von der Bühne und ließ ein sichtlich begeistertes Publikum zurück.

 

Zunächst verhaltener ging es mit DORNENREICH weiter, die mit ihrer düster-poetischen Melange aus Black Metal, Ambient und Folk im Vergleich zu den anderen Bands des Paganfests stilistisch leicht aus dem Rahmen fielen. Demensprechend gelang es nicht ganz, das Stimmungslevel auf dem zuvor aufgebauten Niveau zu halten, zumal der Einstieg mit einer ruhigeren Akustiknummer einen krassen Kontrast zur energiegeladenen Bühnenpräsenz von ARKONA und VARG darstellte.

Nichtsdestotrotz gelang es dem österreichischen Trio, einen nicht unerheblichen Teil des Auditoriums mit dunkel-atmosphärischen Klängen in ihren Bann zu ziehen. Den Höhepunkt des Auftritts stellte „Wer hat Angst vor Einsamkeit“ dar, der den gemeinen Headbanger versöhnte und zum Schütteln des Haupthaares einlud.

 

 

Zum „Otherworld“-Intro der aktuellen Langrille „Everything Remains As It Never Was“ betraten die Schweizer Kelten von ELUVEITIE die Bühne und legten mit „Kingdom Come Undone“, „Thousandfold“ und „Bloodstained Ground“ los. Extrem tight was die Damen und Herren uns in einer gut 60-minütigen Show darboten. ELUVEITIE wussten mit ihrer originellen Mischung aus Göteburg-Death à la Dark Tranquility gepaart mit traditionell keltischer Folk-Musik nicht nur den Schreiber dieser Zeilen absolut zu überzeugen. Selbst ein anwesender, namentlich nicht genannter Fotograf, der eigentlich absolut nichts mit der Musikrichtung am Hut hat, wurde beim rhythmischen Mitwippen erwischt, was definitiv für die mitreißende Livequalität der Band spricht. Während bei DORNENREICH das Trio auf der großen Bühne etwas verloren wirkte, grenzte ELUVEITIEs Performance geradezu an Platzmangel, zumal die acht Spielmänner und -frauen enorm bewegungsfreudig agierten und über die Bühne fegten, wobei man von Akustikeinlagen und gälischen Balladen bis hin zum derben Knüppelsound das volle Programm bot. Die sympathischen Ansagen des Sängers, Multiinstrumentalisten sowie Kopfsockenträgers Chrigel trugen dazu bei, dass sich die Bewegungsfreude der Band auf das Publikum übertrug. Seinen Moshpit-Aufforderungen kam die Meute jedenfalls leidenschaftlich gerne nach. Zwischenzeitlich sorgten Crowdsurfer für Hektik bei der fanfreundlichen Security, die einen guten Job ablieferte. „Gray Sublime Archon“, „Slania's Song“, „Omnos“ und der Überhit „Inis Mona“ boten weitere Tanzanimationen. „An Dro“ und „Tegernakô“ besiegelten schließlich das Ende und hinterließen eine sichtlich glückliche Fangemeinde.

 

Zeit für Humpaa Metal made in Finnland. FINNTROLL spielten eine riesige Auswahl an Songs aus ihrer kompletten Schaffensphase und sorgten mit ihren Gassenhauern für gute Stimmung. Nach leichten technischen Problemen, der Drummer hatte aus Übereifer seine Snaredrum gehimmelt, gab es kein Halten mehr. Bei Songs wie „Nedgång“, „Korpens Saga“, „Nattfödd“ und „Blodnatt“ sowie vor allem der Bandhymne schlechthin „Trollhamaren“ ging amtlich die Post ab. Weiter ging der wilde Reigen mit „Kitteldags“, „Aldhissla“, „Under Bergets Rot“, „Svartberg“, „Vätteanda“ und „Fiskarens Fiende“. Alle Songs wurden mit frenetischem Jubel entgegengenommen, bevor man gegen 23.00 Uhr der Trollparty ein Ende setzte.

Euer Brausi

 

Bilder

Arkona Pagan 2010
Varg Pagan 2010
Dornenreich Pagan 2010
Eluveitie Pagan2010
Finntroll Pagan 2010


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